Was wäre gewesen? (3.6.2015)

Das "Dritte Reich" ist in Deutschland ein schwieriger Stoff. Es gibt die Originalquellen, doch alle Quellen unterliegen einer gewissen Wertung. Eine kleine Gruppe Enthusiasten verklärt das Dritte Reich und streicht das Positive heraus, während die "seriösen", also vom heutigen Staat bezahlten Historiker sich darin überschlagen, das Schlechte herauszuarbeiten und dies als die "dunkelste Periode deutscher Geschichte" darstellen. Wobei diese angeblich seriösen Historiker behaupten, die National-Sozialistische Deutsche Arbeiter Partei sei eine rechte Partei gewesen.

Als Erstes sollte ich erklären, was ich näher betrachten möchte. Daß das "tausendjährige Reich" nur ein Dutzend Jahre gedauert hat, ist allgemein bekannt. Wenn es um eine Beurteilung des Nationalen Sozialismus geht, ist es jedoch wenig sinnvoll, die Kriegszeit zu betrachten, da dies ein Ausnahmezustand voller äußerer Zwänge gewesen ist. Damit beschränkt sich eine faire Beurteilung des Dritten Reiches auf die sechs Friedensjahre.

Am Anfang eines radikalen Regimes steht eine Konsolidierungsphase, in der politische Säuberungen stattfinden. Die Zahl der politischen Morde in Friedenszeiten war unter Hitler vergleichsweise moderat, sie liegt nur deshalb über dem Niveau der späteren DDR, weil die DDR die meisten dieser Morde aufs Konto der sowjetischen Besatzungsmacht buchen konnte. Es waren jedoch deutlich weniger Opfer als Lenin, Mao Tse-Tung oder Pol Pot zu verantworten hatten. Wobei Lenin und Mao Bürgerkriege geführt hatten, was die Opferzahlen natürlich deutlich erhöht. Der nationale Sozialismus sollte tunlichst mit dem internationalen Sozialismus verglichen werden, da beide Spielarten vergleichbare innenpolitische Ziele vorgeben.

Wir können bei Hitler nichts über die Nachfolge aussagen. Sein Titel, "Führer und Reichskanzler", sollte nicht weiter verwendet werden, seine beiden Ämter, Reichskanzler und Reichspräsident, in getrennte Hände gegeben werden. Auf Lenin folgte der Massenmörder Stalin, auf Mao der Reformer Deng Xiaoping, die Wahrscheinlichkeit, daß auf Hitler ein "Stalin" folgt, war vergleichsweise gering, vermutlich wären die Gestapo-Aktivitäten auf gleichem oder reduziertem Niveau fortgesetzt worden.

Lenin hat Rußland mitten im Krieg übernommen und mußte nach dem Friedensschluß einen Bürgerkrieg gegen die "Weißen" bestehen. Bei Mao war der Zweite Weltkrieg gerade zu Ende, er mußte gegen die Kuomintang-Regierung kämpfen. Bei Hitler lag der Erste Weltkrieg bereits vierzehn Jahre zurück, das Deutsche Reich hatte jedoch seit 1931 schwer unter der Weltwirtschaftskrise zu leiden. Alle drei hatten somit gegen schwere wirtschaftliche Probleme zu kämpfen.

Mao Tse-Tungs "großer Sprung nach vorn" beschwor die größte menschengemachte Hungersnot aller Zeiten herauf, kostete 20 bis 40 Millionen Chinesen das Leben. Die Kulturrevolution, die Maos schwindende Macht wieder festigte, kostete gleichfalls Millionen Menschenleben. Lenin übernahm die Kriegswirtschaft des deutschen Kaiserreichs, mit zentraler Planung. Die sowjetischen Fünf-Jahres-Pläne setzten sehr viel in Bewegung, produzierten allerdings auch gewaltige Reibungsverluste. Stalins Aufrüstung kostete ebenfalls Millionen Hungertote, vor allem in der Ukraine.

Im Vergleich dazu hat Hitler sehr vieles richtig gemacht, indem er auf Marx und damit auf Murks verzichtet hat. Hitler hat als erstes den "Sozialismus light" eingeführt, jenen Reformsozialismus, mit dem China derzeit zur führenden Weltmacht aufsteigt. Hitlers Aufstieg mag durch ausländische Geldgeber wie Henry Ford ermöglicht worden sein, das Reich hat sich am eigenen Zopf aus dem Sumpf gezogen: mit selbstgedrucktem Geld, den Wechseln der "Metallurgischen Forschungsgesellschaft mbH (Mefo)". Laut den "seriösen" Historikern wurde damit die Aufrüstung des Reiches finanziert; auf jeden Fall wurden damit Arbeitsplätze geschaffen und die Leute von den Straßen geholt. Mit dem Reichsarbeitsdienst und der Wiedereinführung der Wehrpflicht wurden zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen, d.h., die Arbeitslosen sind aus den Statistiken verschwunden.

Der nationale Sozialismus verzichtete auf unsinnige Experimente mit dem "Staats-Monopol-Kapitalismus (Stamokap)". Statt Kolchosen oder Landwirtschaftliche Produktionsgemeinschaften einzuführen, wurden "Erbhöfe" geschaffen. Dies waren Bauernhöfe mit einer gewissen Mindestgröße, die unaufgeteilt innerhalb der Familie vererbt werden sollten. Dies sicherte Bauernfamilien die Existenz. Ideologisch war das ein Rückgriff auf die germanischen freien Bauern. Verstaatlichungen haben die nationalen Sozialisten im Gegensatz zu den internationalen Sozialisten nicht vorgenommen. Es wurden keine "Volkseigenen Betriebe" geschaffen. Stattdessen wurde "arisiert", also jüdischer Besitz in deutsche Hände zwangsweise überführt. Die neuen Eigentümer waren durchwegs Privatleute, die allerdings auf gutem Fuß mit "der Partei" gestanden waren.

Wo aber taucht im Dritten Reich der Sozialismus auf? Er taucht in einer Weise auf, die später in Schweden als "Volksheim" bezeichnet wurde, als der umfassende Fürsorge-Staat. Der große Sozialpartner war der Staat. Die Deutsche Arbeits-Front war die Einheitsgewerkschaft, die alle anderen Gewerkschaften verdrängt hatte. Der fürsorgliche Staat wurde bei der Bevölkerung sehr gut aufgenommen. Mit dem Motto: "Die Arbeiter sollen die Meere befahren" organisierte die "Kraft durch Freude (KdF)" sogar Kreuzfahrten. Urlaubsreisen, Freizeitgestaltung, alles wurde organisiert, durch Staat und Partei. Das gigantische Ostseebad Prora war ein Teil dieser staatlichen Ferien-Organisation.

Außerdem arbeitete der Staat am "neuen Menschen", der zu 100% Nationalsozialist sein sollte. Pimpfe, Hitlerjugend bzw. Bund deutscher Mädel, Reichsarbeitsdienst, Wehrmacht - ein durchgehendes Erziehungsprogramm sollte eben jenen neuen Menschen schaffen. Die Parallelen mit der DDR, den Thälmann-Pionieren und der FDJ, mit dem FDGB als Ferien-Organisator zeigen den Sozialismus deutlich auf.

Der internationale Sozialismus hatte und hat immer noch die "Weltrevolution" als Ziel. Um diese Weltrevolution zu befördern, müssen sozialistische Staaten Opfer bringen, internationale Solidarität üben. Da werden Sonderschichten für die Werktätigen in Weitfortistan gefahren, da wird Solidarität mit der großen Sowjetunion geübt, der Mutter aller Werktätigen. Diesen ganzen Ballast mußte der nationale Sozialismus nicht schultern. Deutsche haben ausschließlich für Deutsche gearbeitet, das Winterhilfswerk hat keine Kinder in Afrika unterstützt, sondern arme deutsche Familien. Das Ziel war die nationale sozialistische Volksgemeinschaft.

Es wäre sehr interessant zu erfahren, was aus dem Dritten Reich geworden wäre, wenn ihm zwanzig weitere Jahre des Friedens beschieden gewesen wären. Wie wäre das Problem mit den Mefo-Wechseln gelöst worden? Diese waren schließlich ganz normales Fiat-Money, das sich der Staat verzinst geliehen hatte, wenn auch nicht bei internationalen Großbanken. Was wäre aus den KdF-Wagen geworden? Solange die Besitzer ansparen, in 5-Mark-Beträgen, ist das wohlfeiles Geld, doch wenn der Wagen geliefert werden muß, zu 995 Mark Ansparsumme, wird daraus ein Zuschußgeschäft. KdF-Reisen waren gerade angelaufen, sie waren ein Vergnügen für Einige. Nach weiteren zehn Jahren hätte daraus ein Anrecht für Alle werden müssen. Wäre das gegangen oder wäre daraus ein knappes bewirtschaftetes Gut geworden? Wie hätte sich die "Deutsche Physik" entwickelt?

Entschärfen wir die Lage in Polen. Der Polnische Korridor bleibe bestehe, das Reich baut jedoch eine exterritoriale Autobahn und Eisenbahnstrecke nach Ostpreußen, muß demnach keine Transit-Gebühren mehr bezahlen. Die zu 97% von Deutschen bewohnte Stadt Danzig kehre aus dem Völkerbund-Mandat ins Reich zurück, die Verfolgung der deutschen Minderheit in Polen höre auf. Adolf Hitler ist am 20. April 1939 auf dem Höhepunkt seiner Macht, es gibt keinen Hitler-Stalin-Pakt, am 1. September bricht kein Weltkrieg aus. Am 9. November 1939 finde ein Attentat statt, dem Hitler erliegt. Josef Goebbels wird neuer Reichskanzler, Herrmann Göring neuer Reichspräsident und Rudolf Heß neuer Führer der NSDAP. Auch wenn es die seriösen Historiker ungern zugeben, Hitler wäre in der Folgezeit zum hochgeehrten Retter Deutschlands hochstilisiert worden, auf gleicher Stufe wie Otto von Bismarck oder Friedrich dem Großen.

Wir schreiben das Jahr 1940. Der Zweite Weltkrieg läuft seit dem 24. März 1933, seit "Judea Declares War", auch wenn es erst seit 1937 ein Schießkrieg ist, der im Augenblick zwischen Japan und China stattfindet. Das Deutsche Reich hat Probleme im Außenhandel, weil ihm Gold und Devisen fehlen. Es betreibt allerdings erfolgreich Tauschhandel, Ware gegen Ware. Der Versailler Vertrag ist ausgesetzt, Reparationen werden nicht mehr bezahlt. Allerdings wurden in den späten Zwanzigern Anleihen aus Amerika aufgenommen, die in Gold zurückbezahlt werden müssen. Es wird schwer werden, doch das Reich dürfte das mit Ach und Krach schaffen.

Die Situation in Polen habe ich als befriedet vorausgesetzt. An die Rückgabe der ehemaligen deutschen Kolonien ist damals gedacht worden, doch diese Kolonien wären ein Zuschußgeschäft geworden, da wären zwanzig Jahre Aufbauarbeit vonnöten, bevor diese sich lohnen. 1940 hätte das Reich diese Last nicht bewältigt, vielleicht 1950, doch da drohte bereits die Zeit der Entkolonialisierung. Insofern wäre die Situation im Reich saturiert. Druck auf die Juden würde weiterhin ausgeübt, allerdings in Form eines Umsiedlungsprogramms. Der Madagaskar-Plan war aufgegeben worden, dafür gab es die Möglichkeit, daß Juden ihren Besitz in Deutschland abliefern, nach Palästina übersiedeln und dort in Form deutscher Wirtschaftsgüter entschädigt wurden, um sich eine neue Existenz aufzubauen. Von einer "Endlösung der Judenfrage" ist somit auch nicht die Rede.

Richten wir den Blick nach Süden, so finden wir dort Mussolinis Italien. Dieses Italien hat sich mit Libyen, Abessinien (Äthiopien) und Albanien ein "Imperio Nuovo" erworben. Wie landhungrig wäre Mussolini unter diesen Bedingungen? Real hat er Griechenland angegriffen, ist gescheitert und hat die Wehrmacht zur Hilfe gerufen. In diesem Szenario hätte Italien die Truppen frei, die real in Nordafrika gegen die Briten gekämpft haben. Das hätte womöglich für Griechenland gereicht, allerdings die Briten auf den Plan gerufen. Mussolini hätte so das Tor zum Weltkrieg geöffnet.

Japan hat seit 1937 Krieg in China geführt. Die Amerikaner waren dabei, Japan mittels Wirtschaftssanktionen und Handelsembargos die Luft abzuschnüren. Ein Krieg gegen USA wäre damit nicht auszuschließen, womit Deutschland über die Bündnisverpflichtungen ebenfalls in den Krieg hineingezogen worden wäre. Bei Frankreich sehe ich weniger Gefahr, Frankreich hatte zwar eine starke Antipathie gegen seinen Nachbarn, war im Gegensatz zu 1914 jedoch nicht kriegslüstern. In der Realität hat sich das so ausgewirkt: Trotz der von den seriösen Historikern behaupteten Hochrüstung war das Dritte Reich 1939 gerade zu einem Schlag gegen Polen fähig gewesen. Der vorstoßenden Wehrmacht ist bereits die Munition ausgegangen, wären die Sowjets nicht zur Hilfe gekommen, hätte der Polen-Feldzug in einem Fiasko geendet. Hätten sich Engländer und Franzosen nicht in die Maginot-Linie gesetzt, sondern entschlossen den Westwall durchbrochen, hätten sie im Oktober das Ruhrgebiet besetzt und der Krieg wäre zu Ende gewesen. So haben sie der Wehrmacht die nötigen sieben Monate gelassen, um ihre Kräfte umzugruppieren und entsprechend für einen Westfeldzug vorzubereiten. Eine systematische Rüstungsproduktion hat erst Albert Speer organisiert, der im Februar 42 Rüstungsminister wurde. Seine Maßnahmen haben ab 1943 gewirkt, zuvor war die Rüstungsproduktion nicht effektiv.

Anders als 1914 war Deutschland für Großbritannien 1940 nicht der Hauptkonkurrent. Obwohl das British Empire nach dem Ersten Weltkrieg seine größte Ausdehnung erlangt hatte, gehören die Briten eher zu den Verlierern dieses Krieges. Sie haben ihre Position als weltbeherrschende Macht an die USA verloren, die Zeiten der Eroberungen und der Ausbeutung neuer Kolonien war vorüber. Die Kolonien waren zu einem Verlustgeschäft geworden. In Anbetracht dieser Situation hatte Hitler (real) den Briten die Hilfe der kompletten Marine und mindestens dreier deutscher Divisionen für ihre Kolonialkriege angeboten. Die Briten haben dieses Angebot ausgeschlagen und stattdessen versucht, Hegemonialmacht Europas zu bleiben. Die Briten haben den Polen Rückendeckung zugesagt und mit Stalin über einen Krieg gegen Deutschland verhandelt. Bei meinem 1940-Szenario erwarte ich, daß die Briten die Polen fallenlassen und eine Annäherung an Stalin betreiben, auf Kosten des Baltikums und Polens.

Den Briten drohte damals schon die Entkolonialisierung. In der Realität wurde Indien 1947 unabhängig, der Höhepunkt der Unabhängigkeitserklärungen ehemaliger Kolonien erfolgte 1960. Trotz des gewonnenen Zweiten Weltkriegs konnte Großbritannien seine Kolonien nicht halten. Ohne diesen Krieg hätte es ein wenig länger gedauert, vielleicht bis 1975. Selbst mit deutscher Hilfe wäre das Kolonialreich zusammengebrochen, da seine weitere Aufrechterhaltung zu kostspielig geworden war. Das British Empire hatte sich überlebt. Angesichts dieser Zukunft dürften die Engländer kaum rational reagieren, was sie in der Realität auch nicht getan haben.

Die Sowjetunion hat unter Stalin gewaltig aufgerüstet. Im gewaltsamen Teil der Weltrevolution sollten russische Panzer bis an den Atlantik rollen. Stalin war zum Krieg entschlossen, wie der Angriff auf Finnland gezeigt hat. Ohne die deutsche Operation Barbarossa hätte womöglich Stalin Estland, Lettland und Litauen angegriffen und überrollt. 1942 wäre Polen an der Reihe gewesen, vermutlich wäre die Rote Armee an den Atlantik marschiert. Die deutsche Wehrmacht wäre 1942 zwar besser gerüstet gewesen, hätte jedoch keinerlei Kriegserfahrung gehabt. Zudem hätte sie nicht einen sowjetischen Aufmarsch zerschlagen, sondern einen Verteidigungskrieg gegen eine gewaltige Übermacht führen müssen. Dies wäre jedoch kein Zwei-Fronten-Krieg gewesen, womöglich hätte sich Frankreich auf die Seite des Reiches geschlagen.

In Amerika hat Roosevelt 1940 die Wahlen mit dem Versprechen gewonnen, die USA aus dem europäischen Krieg herauszuhalten. Tatsächlich hat keiner den Krieg so dringend gebraucht wie Roosevelt. Sein "New Deal" war bereits gescheitert, um Amerika aus der Depression zu führen, hat er diesen Krieg unbedingt benötigt. Anders als im Ersten Weltkrieg wollte er, respektive die Herren der Wall Street, sich nicht mit dem kaufmännischen Teil begnügen, also Waffen liefern und kassieren, diesmal war eine aktive Beteiligung geplant, der Schritt zur Weltmacht. Vor dem Kriegseintritt hatte die USA eine starke Marine, aber nur ein schwaches Landheer. Die Luftwaffe gab es nicht als eigene Teilstreitkraft, sie gehörte zur Army. Allerdings waren damals schon die schweren Bomber, die B17 und B24, fertig entwickelt. Es mußte nur noch der Schalter umgelegt werden, um die Kriegsproduktion anzufahren. Dies ist in den USA übrigens sehr viel schneller gelungen als im Dritten Reich, selbst das Rüstungsgenie Albert Speer mußte im vierten Kriegsjahr einige Widerstände überwinden, die es in den USA nicht gegeben hatte.

Die USA hätten den Würgegriff auf Japan weiterhin verstärkt, sie hätten weiterhin "Freiwillige" nach China geschickt, um dort schon vor der offiziellen Kriegserklärung gegen Japan zu kämpfen. Der Zweite Weltkrieg wäre im Pazifik ausgebrochen, das Deutsche Reich wäre in diesen Krieg hineingezogen worden. Selbst bei absolutem Wohlverhalten, selbst ohne Hitler, der Krieg wäre ausgebrochen. Es hätte eine kleine Chance gegeben, daß es ein Krieg mit Polen und Frankreich gegen die Sowjetunion gewesen wäre, doch die Wahrscheinlichkeit wäre hoch, daß Briten und Amerikaner daraus einen Zweifrontenkrieg gemacht hätten. Die Weltlage hätte keine friedliche Entwicklung des nationalen Sozialismus zugelassen.

Wenn wir den sozialistischen Teil abtrennen, können wir durchaus vom Dritten Reich ableiten, wie sich ein Land aus einer Krise herausarbeiten kann. An erster Stelle steht die Entschuldung durch eine Währungsreform, diese hat bereits die Weimarer Republik durchgeführt. Der zweite Schritt waren die Brüningschen Reformen, die allerdings zu einer Depression geführt haben. Diese hat Hitler übernommen. Der dritte Schritt waren die Mefo-Wechsel, bei denen Hitler allerdings nicht konsequent genug gewesen ist. Anstatt verzinsliches Fiat-Money zu schaffen, hätte er unverzinsliches, staatseigenes Geld herausgeben sollen. Fiat-Money verschwindet, sobald die Schulden zurückbezahlt werden, weshalb entweder der Wirtschaftskreislauf zusammenbricht oder die Schulden immer weiter anwachsen. Staatsgeld, wie es die Rentenmark gewesen war, gedeckt durch den Staatsbesitz, ohne gegengebuchte Schulden, bleibt im Wirtschaftskreislauf. Es muß allerdings Vorsorge getroffen werden, daß die Politik dieses Staatsgeld nicht in beliebigen Mengen erschaffen kann. Beim gewöhnlichen Fiat-Money geschieht das über die gegengebuchten Schulden, doch wenn wir die derzeitige desolate Finanzlage praktisch aller Staaten betrachten, ist diese Hürde zu niedrig.

Die Errungenschaften des Sozialismus, die Staatsjugend und das Volksheim, lehne ich ab. Ich sehe zwar durchaus Vorteile darin, den Nachwuchs sinnvoll zu beschäftigen, doch wenn dies mit politischer Indoktrination verbunden ist, wenn da gar ein "neuer Mensch" geschaffen werden soll, geht dies schief. Das hat bisher kein Staat der Welt geschafft. Das Volksheim als staatliche Urlaubslotterie lädt dazu ein, Günstlinge und Funktionäre zu bevorzugen. Zudem muß eine solche Umverteilung bezahlt werden; das heißt, bei den Begünstigten kommt weniger Geld an, als zuvor der Masse abgenommen worden ist. Die deutschen Arbeiter sind später ohne KdF nach Italien gefahren, nach Mallorca, in die Türkei. Wir sind ohne FDGB Urlaubsweltmeister geworden. Es genügt, anständige Löhne zu bezahlen und so wenige Steuern einzubehalten, wie unbedingt nötig. Sozialismus kostet Geld und reduziert die Leistung, ob nun national oder international. Wobei der internationale dank der Solidarität mit anderen Völkern in der Regel noch kostspieliger ist.

Besteht die Gefahr der Rückkehr des Nationalsozialismus? Nein, denn heutzutage gibt es vielleicht so viele Nationalsozialisten wie 1923. Das reicht für nette Musik, eine schöne Straßenschlacht, aber nicht für eine Regierung. Hitler hatte damals Ludendorf gebraucht, um wenigstens Aussicht auf einen erfolgreichen Putsch zu haben, seine eigenen Kräfte haben absolut nicht ausgereicht. Nach 1923 sind Gelder aus dem Ausland geflossen, wurde aus einer Splittergruppe eine Partei und eine Bewegung. 1933 gab es genug NSDAP-Mitglieder und vor allem genügend Anhänger. Die Partei hatte Fachleute für Wirtschaft und Verwaltung in ihren Reihen, eine breite Unterstützung in konservativen Kreisen. Dies alles fehlt den heutigen Neonazis. Insofern erachte ich eine Rückkehr des Nationalsozialismus für sehr unwahrscheinlich. Ganz davon abgesehen, gibt es niemanden, der die Konzepte aus den Jahren 1918 bis 1945 in die heutige Zeit fortentwickelt hat. Die Zeit ist nicht stehen geblieben, hier ist die einstige Bewegung zurückgeblieben.

Ich hätte gerne gesehen, wie sich das Dritte Reich entwickelt, wenn ihm so viele Friedensjahre beschert gewesen wären wie der DDR. So aber sind ein paar gute Ideen und ein paar weniger gute Ideen übrig geblieben, auch wenn wir nur die "sechs guten Jahre" bis Kriegsausbruch betrachten. Ein paar dieser guten Ideen sollten wir aufgreifen, wenn die Not am größten ist. Insgesamt muß ich jedoch sagen, wenn ich die Wahl hätte, ein Experiment neu aufzusetzen, das gerade sechs Jahre gelaufen ist, oder einen erfolgreichen Staat, der 44 Jahre gezeigt hat, was er zu leisten vermag, werde ich mich immer für den Staat und gegen das Experiment entscheiden. Das deutsche Kaiserreich hat sich bewährt, es hat sich derart bewährt, daß es sich lohnt, daran anzuknüpfen.

Man mag mir nun vorhalten, daß ich Ideen des Jahres 1871 den Ideen des Jahres 1933 vorziehe und ausgerechnet die jüngeren als antiquiert und gestrig ansehe. Das ist nur teilweise richtig. Wir hatten 1871 noch eine Ständegesellschaft, wir hatten den etablierten Adel mit all seinen Privilegien. Es gibt heute weder diese Ständegesellschaft noch den etablierten Adel, und es wird auch kein Weg in diese Gesellschaftsform zurückführen. Wir sind hundert Jahre weiter, deshalb will ich weder behaupten, daß der zukünftige Kaiser sich eine Krone aufs Haupt setzen lassen wird, noch daß er diesen Titel annimmt. In Rom war der Titel des Königs - Rex - verpönt, weshalb die neuen Könige sich "Princeps" (erster Bürger) und später Cäsaren bzw. Augustei nannten, nach den ersten beiden Königen des neuen Typs. Die Funktion wird dem Titel die entsprechende Macht verleihen, egal, wie der Titel lauten mag.

Die Konzepte von Recht und Gerechtigkeit, von Macht und Machtbeschränkung sind zeitlos. Die Gewaltenteilung zwischen Regierung, Parlament und Rechtsprechung war im Kaiserreich verwirklicht, dagegen waren die Demokraten und Sozialisten der vergangenen hundert Jahre rückschrittlich. Die Freiheit der Bürger, das Recht, nach eigener Fasson selig zu werden, sind keine neuen Konzepte, sie sind derzeit eingeschränkt. Ein Staat, der sich möglichst heraushält, ist kein neuer Gedanke. Das alles ist nicht gestrig oder gar vorgestrig, das alles ist zeitlos modern. Das neue Kaiserreich wird nicht mit Tschingderassa-Bumm auftreten, nicht mit Preußens Gloria die Welt überziehen, sich nicht mit prunkvollen Uniformen präsentieren, sondern schlicht und einfach seinen Bürgern die Freiheit geben, die zu deren Entfaltung nötig ist.

Im Falle eines Zusammenbruchs erinnern sich die Menschen an das, was vorher funktioniert hat. Das sind alte Werte und alte Tugenden. Dazu gehören Gold und Silber als Geld, die Monarchie als Staatsform, die Rückbesinnung auf das eigene Volk, Verläßlichkeit, Familie und Bildung. Für eine Umverteilungsbürokratie, für Funktionäre, für Untüchtige, die nur die Hand aufhalten, ist dann kein Platz mehr. Das, was funktioniert, ist in aller Regel einfach und wird von allen verstanden. Was einfach ist und von allen verstanden wird, bedarf keiner Umerziehung, bedarf keines neuen Menschenbildes. Es ist reizvoll, darüber nachzudenken, was gewesen sein könnte - aber nur, wenn wir uns sicher sind, daß wir jenseits dieser Spekulation das tun, was nötig ist, um unsere Zukunft zu sichern.

© Michael Winkler