Die Fahne entfalten (9.3.2011)

Vielleicht haben Sie den kleinen Farbfleck links oben bemerkt, der die Kopfzeile meiner Hauptseite, der Tageskommentare und der Pranger ziert. "Favicon" nennt man das im Jargon. Das ist ein Geschenk eines Lesers, der mir auch erklärt hat, wie das eingebunden wird. Man stellt einfach im obersten Block zwischen <head> und </head> die Zeile <link rel="shortcut icon" href="favicon.ico"> ein. Das von mir benutzte Favicon finden Sie hier. Man braucht wirklich kein Experte in HTML zu sein, um dies zu bewerkstelligen. Und schon haben Sie die Fahne entfaltet!

Natürlich präsentiere ich da nicht die Fahne von Merkeldeutschland. Womöglich wurde die kopfstehende Fahne des Hambacher Festes 1848 noch mit Stolz präsentiert, als Flaggen der beiden deutschen Republiken dokumentieren sie vor allem die Niederlagen in zwei Weltkriegen. "Aus glorreicher Vergangenheit, durch aufgezwungene, blutige Kriege, in die Sklaverei der Gegenwart" - das drückt das republikanische Schwarz-Rot-Gold aus. Das Schwarz ganz oben, die deckende Friedhofserde, zeigt an, daß unter dieser Fahne Deutschland begraben werden sollte, unter einer Woge von Blut, damit ja nicht der Glanz der Vergangenheit erstrahle. Jetzt, in der höchsten Form der Dekadenz, ist es vollendet. Nichts leuchtet mehr, nichts gibt den Menschen Hoffnung, und wer es wagt, in der Vergangenheit zu graben, der findet nichts als Blut.

Merkeldeutschland ist das Ende einer Epoche, das Stadium des Verfalls, selbst wenn ihr noch ein oder zwei Bundeskanzler nachfolgen sollten. Der moralische und materielle Bankrott der Parteien-Demokratie, des Zerrbildes der Selbstbestimmung eines Volkes, wurde in dieser Zeit gelegt, in den Regierungsjahren der vergnügungssüchtigen, arbeitsscheuen Mañana-Kanzlerin. Ihre Nachfolger werden nur noch die Konkursmasse verwalten, bis auf den Trümmern dieses Besatzungs-Gebildes ein neues Deutsches Reich entsteht.

Was ist mit den anderen Fahnen? Das Schwarz-Weiß-Rot des Kaiserreiches? Ich halte das Zweite Deutsche Reich für das beste der sechs Staaten und staatsähnlichen Gebilden, die wir aus der Geschichte kennen. Wobei das Heilige Römische Reich Deutscher Nation trotz seiner langen Existenz und der stetigen Veränderung von mir nur als einziger Staat gerechnet wird. Ich zähle dagegen die Zwischenzeit, von 1806 bis 1871, in der es offiziell keinen deutschen Staat gegeben hatte, als staatsähnliches Gebilde mit, denn die Menschen damals, in welchem Kleinstaat sie auch gelebt haben mochten, haben sich trotzdem als Deutsche und damit als zusammengehörig empfunden. Ich trenne die erste Republik, die von Weimar, vom Dritten Reich, obwohl da ein nahtloser Übergang erfolgt ist und beide Staaten durch die gleiche Verfassung eine scheinbare Einheit gebildet haben.

"Unterschreiben Sie doch gleich hier, bei der Arroganz, wir sind ohnehin die größte, beste, reichste und solventeste Versicherung." Wenn ein Vertreter Sie mit solchen Worten davon abhalten möchte, sein Angebot mit anderen zu vergleichen, werden Sie vermutlich aufhorchen und um so genauer hinschauen. Wenn Ihnen ein Urteil in den Kopf gehämmert werden soll, ist das ein Zeichen, daß es sich um ein Fehlurteil handelt, über das Sie nicht mehr nachdenken dürfen. "Die Lehre von Karl Marx ist richtig, weil sie wahr ist." Alles klar, oder?

Der schöne Satz: "Die Bundesrepublik Deutschland ist der freieste Staat, der jemals auf deutschem Boden existiert hat", ist genauso ein Werturteil, das Ihnen eingehämmert wird. Die "Nazis" sind böse, der Kaiser regierte einen Obrigkeitsstaat, Weimar war antisemitisch... Jede der früheren Staatsformen kommt in eine Schublade, an der ein Etikett klebt, das Interessierte davon abhalten soll, in diese Schublade hineinzublicken.

Ich möchte ein Beispiel aus der Technik-Geschichte bemühen, das meine Beurteilung der sechs "Staaten" verdeutlichen dürfte. Als Volkswagen Audi übernommen hatte, wurde Geld investiert, das der VW-Käfer in die Kassen gespült hatte. Die Nachfolger im großen Konzern, "VW 1500", waren durchaus solide Fahrzeuge, sie haben jedoch niemanden vom Hocker gerissen. Die aufgekaufte Firma verfügte dagegen über den Audi 80, einen Mittelklassewagen mit Frontantrieb, ein innovatives, zukunftsweisendes Gefährt. Aus dem Audi 80 entstanden Passat und Golf, sowie Audi 50 und Polo, er wurde zum Kadett, Corsa und Astra, zum Fiesta und Escort - im Prinzip steckt der Audi 80 in sehr, sehr vielen modernen Fahrzeugen. So wegweisend der Audi 80 1972 gewesen war, so veraltet wirkt er heute, wo Autos ABS und ESP besitzen, Automatik-Sicherheitsgurte, Airbags, Klimaanlage und elektrische Fensterheber. Die Entwicklung bleibt eben nicht stehen.

Nehmen wir einmal an, daß der Audi 80 damals vom Markt genommen worden wäre, und statt dessen die VW-1500-Reihe Stammvater der modernen Fahrzeuge geworden wäre. Dann würden die Straßen von Fahrzeugen mit Frontmotor und Heckantrieb beherrscht, mit ESP und Airbag und allen anderen modernen Errungenschaften. Wenn jetzt jemand den Audi 80 ausgräbt und daraus ein modernes Auto entwickelt, dann erhält dieses Auto natürlich alle modernen Entwicklungen. Es wird also kein Audi 80, sondern eher ein "Golf VI", trotz der unterschiedlichen Entwicklungen. Der VW-Käfer war ein großartiges Auto seiner Zeit, die Nachbauten, VW New Beetle und Audi TT, verfügen trotzdem über zeitgemäße Technik.

Kein Ingenieur ließe sich davon abhalten, ein Auto nachzubauen, nur weil damit seinerzeit ein Verrückter gezielt kleine Kinder überfahren hat. Ein Ingenieur übernimmt das Beste, was er findet, soweit es nicht durch Patente geschützt ist. Und wenn es geschützt ist, versucht er, um die Patente herumzukonstruieren - oder die Erfindung des Anderen zu lizenzieren. Dieser Ansatz fehlt uns bei der Betrachtung von früheren deutschen Staaten, weil der gegenwärtige "Staat" dagegen ideologische Barrieren errichtet hat.

Die Aussage, ein neuer Nationalsozialismus würde uns wieder nach Auschwitz führen, ist so idiotisch, wie die Aussage, daß in der "VW-1500-Welt" ein Audi 80 mit der Technik von 1972 auf den Markt käme. Wer damals als Jude Deutschland verlassen wollte, mußte ein Land finden, das ihn aufgenommen hat. Dieses Land gibt es heute, und es freut sich über jeden Juden, der dort einwandern will: Israel. Die Ewiggestrigen sind jene, die diese Veränderungen nicht wahrhaben wollen und Geschichten von 1940 ins Jahr 2011 übertragen, ohne die vergangenen Jahrzehnte zu berücksichtigen.

Die Fahne des Zweiten Reiches war die schwarz-weiße Fahne Preußens, erweitert um einen roten Streifen, den der Norddeutsche Bund beigetragen hatte. Natürlich wollten weder Wilhelm I. noch Bismarck eine Fahne, die an die Revolution von 1848 erinnert, deshalb symbolisierte ihre Fahne ein größeres Preußen. Wir können durchaus von Preußen lernen, vom alten Preußen. Wir können von dem lernen, was Preußen ins Zweite Reich eingebracht hat, doch dieses Reich in jener alten Form wieder zu errichten, ist so unsinnig, wie 2011 einen VW-Käfer mit Winkern und Brezelfenster zu bauen.

Schwarz und Gold waren die Farben des alten, des Ersten Reiches. Sie repräsentieren die Tradition von tausend Jahren Geschichte. Das Rot im Schnabel und den Krallen des Reichsadlers trat hinzu, Gold, Rot und Schwarz vereinten sich im Lützowschen Freicorps und schmückten das Hambacher Fest, in dem die Sehnsucht nach einem freien, vereinigten Deutschland die Menschen zusammengeführt hatte.

Deshalb nicht Schwarz-Weiß-Rot, sondern Gold, Rot und Schwarz.

Die andere schwarz-weiß-rote Fahne, nicht als Streifen, sondern mit dem Hakenkreuz, war eine Fahne der Erneuerung, die jedoch in ihre Zeit gehört. Eine Parteien-Demokratie wurde durch eine andere Regierungsform abgelöst, weshalb sich die heutige Parteien-Demokratie veranlaßt sieht, an dieser Republik, die als Reich bezeichnet wird, kein gutes Haar zu lassen.

Eine Republik? Ich höre förmlich den Aufschrei, den Widerspruch, daß es sich bei dem Dritten Reich um eine Diktatur gehandelt hatte. Wenn wir jenseits der Maas blicken, finden wir eine Republik, die zum Kaiserreich geworden ist. Napoleon III. hat, ähnlich wie Hitler, die Macht durch Wahlen in einer Republik erlangt. Er hat diese Republik jedoch, anders als Hitler, mit einer monarchischen Verfassung verändert, während das Dritte Reich eine Republik mit der Weimarer Verfassung geblieben ist. Hitler wurde nicht der Kaiser eines Reiches, sondern er vereinigte in seiner Person die Ämter des Reichspräsidenten und des Reichskanzlers, welche die Republik geschaffen hatte. Nach Hitler sollten die Ämter wieder aufgeteilt werden, wir können nur spekulieren, wie sich der Staat entwickelt hätte, wenn Polen dem fairen Kompromiß bezüglich des Polnischen Korridors und der deutschen Stadt Danzig zugestimmt hätte.

Das Kaiserreich entstand als freier Zusammenschluß zahlreicher Fürstentümer, der in Jahrzehnten herangereift war. Um ein Bild zu benutzen: Neben frei wachsenden Bäumchen wurden Pfähle eingerammt, um deren Wachstum in eine bestimmte Richtung zu lenken. Das Dritte Reich erwuchs aus einer Parteien-Demokratie, dort wurde wild wucherndes Gestrüpp ausgerodet und zu einem Garten zurechtgestutzt. Dazu wurden die Mittel einer Diktatur eingesetzt, mit den Gegnern wurde nicht gerade zimperlich umgesprungen. Von "einmaligen Verbrechen" zu reden, ist jedoch Geschichtsfälschung. Die Proskriptionen Sullas in Rom, die Herrschaft der Guillotine unter den Jakobinern in Frankreich, die Säuberungen der Kommunisten in Rußland - überall ist Blut geflossen, deutlich mehr als 1933 in Deutschland. Natürlich rechtfertigen geschichtliche Gepflogenheiten keinen Mord - und lang zurückliegende Morde keine Denkverbote und Meinungskontrolle, wie die Strafbarkeit der "Verherrlichung oder Rechtfertigung des Nationalsozialismus'".

Wenn eine Parteien-Demokratie zusammenbricht, folgt ganz selbstverständlich eine Regierung, welche die Zügel strenger anzieht. Wenn eine Kutsche abbiegen soll, muß der Kutscher an den Zügeln ziehen, die Pferde lenken, ihnen seinen Willen aufzwingen. Wenn ich anbremse und lenke, tue ich genau das gleiche am Steuer meines Autos. Das Dritte Reich hat die Reifen quietschen lassen und ist durch eine Pfütze gefahren, wodurch zahlreiche Passanten naß geworden sind. Es hat jedoch die Kurve genommen und ist auf besserem Kurs weitergefahren. Ein Volk, das 15 Jahre Niedergang, Parteiengezänk und wirtschaftliche Ausbeutung erlebt hatte, begann wieder Hoffnung zu schöpfen.

Die BRD mit ihrer Parteien-Demokratie empfindet eine kreatürliche Angst vor dem Dritten Reich, da dieses nach den Spielregeln der republikanischen Verfassung das Gegenmodell dieser Parteien-Demokratie entworfen hatte. Das amerikanische Modell, das der BRD bei ihrer Gründung übergestülpt wurde, ist sehr anfällig gegen Fremdbeeinflussung. Rein formal wird ein Parlament für vier, fünf oder sechs Jahre gewählt und ist danach unabhängig. Durch die unterschiedlichen Wahltermine in Bund, Ländern und Gemeinden befinden sich die Parteien jedoch ständig im Wahlkampf. Jede Regierung ist damit ständig der Beeinflussung durch die Massenmedien ausgesetzt. Hätten wir eine freie Medienlandschaft, wäre das noch hinnehmbar, angesichts der Konzentration und Gleichschaltung der Medien durch kommerzielle Verflechtungen haben wir statt dessen ein Meinungskartell, gegen das die Regierung nicht ankommt.

Als die schwarz-gelbe Regierung im September 2009 gewählt wurde, ruhte die Regierungsarbeit bis Mai 2010 weitgehend, weil da im bevölkerungsreichsten Bundesland NRW Wahlen stattfanden. Anstatt die sichere Mehrheit in Bundestag und Bundesrat zu nutzen und notwendige Reformen anzupacken, hat die Regierung sich gescheut, Wähler zu verprellen, und die Zeit einfach verstreichen lassen. 2011 finden sieben Wahlen statt, es gibt also immer einen Grund, nichts zu tun.

Auf der einen Seite propagiert die Demokratie die Gewaltenteilung, auf der anderen Seite sorgt die derzeitige Demokratie dafür, daß die Gewalten eng verknüpft sind. In einem absolutistischen Staat geht alle Macht vom Monarchen aus. Er setzt die Regierung ein, erläßt die Gesetze und ernennt die Beamten. In einer Parteien-Demokratie treten die Parteien an die Stelle des absoluten Monarchen. Die Mehrheits-Partei(en), auf Russisch Bolschewiken, setzen die Regierung ein, erlassen die Gesetze und ernennen die Beamten. Letzteres, indem sie die Einstellungsvoraussetzungen festlegen und über die Beförderungen befinden bzw. die Kriterien bestimmen. Entartet der Parteienstaat zum Ein-Parteienstaat, haben wir den "Bolschewismus", die "Volksrepublik". Die UdSSR, Rotchina und das Dritte Reich erfüllen allesamt diese Kriterien, wobei das Dritte Reich Volksbefragungen durchgeführt hatte und, auch dank seiner fortbestehenden Verfassung, näher an einer Republik gewesen war.

Wie dem auch sei, es geht darum, die Fahne zu entfalten, und diese Fahne kann nicht die von 1871 oder die von 1933 sein. Die neue Fahne ist die Fahne des Hambacher Festes, die Fahne des nationalen Aufbruchs, bevor Freimaurer und fremde Kräfte daraus eine Parteien-Diktatur entstehen ließen. Diktatur? Ja, denn die Parteien benehmen sich als geschlossene Zirkel. Im heutigen Bundestag sitzen sechs Parteien, die sich so weitgehend gleichen, daß eine echte Wahl nicht mehr existiert. In der DDR gab es ebenfalls mehrere Parteien, die sich jedoch als geschlossener Block aufgeführt haben. In der BRD kämpfen die Parteien nicht mehr um Politik, sondern allenfalls um Dienstwagen. Friedensbewegte Grüne haben regiert, als die Bundeswehr in den ersten Kriegseinsatz geschickt wurde, die Arbeiterpartei SPD hat den Arbeitern den Absturz in Hartz IV beschert, eine konservative Regierung verschleudert Volksvermögen für EU-Rettungsschirme, die liberale FDP rettet Banken mit Staatsgeldern - wo ist da noch das Profil einer Partei zu erkennen?

In der BRD wurde ein Diskriminierungs-Mechanismus eingeführt, der sich in den letzten Jahrzehnten bewährt hat. In der DDR waren alle Gegner der Einheitsparteien "Faschisten", in der UdSSR alle "Konterrevolutionäre", in der BRD sind es eben allesamt "Rechte", "Rassisten", "Antisemiten" oder gleich "Nazis". Wer es ablehnt, Synagogen mit Staatsmitteln zu fördern, weil er nicht einsieht, daß eine orientalische Religion mit Steuergeldern gefördert wird, ist ein "Antisemit", der "Juden verfolgt". Mit der gleichen Begründung könnte man behaupten, daß Schachvereine oder Fußballclubs in den BRD verfolgt werden, weil sie keine Staatsmittel erhalten. Wer sich dafür ausspricht, daß Frauen Kinder bekommen und diese als Mütter in der Familie erziehen, ist ein "Ewiggestriger", ein "männlicher Chauvinist" und natürlich ein "Frauenfeind". Ja, sogar wer das verfallende Papiergeld als "legalen Betrug" bezeichnet und Gold als ehrliches Zahlungsmittel preist, gilt schon manchen als "ultrarechts".

Jeder hat das Recht auf seine eigene Meinung, das ist ein zentraler Grundsatz einer freien Menschheit. Doch ein Regime in der Endphase, das bereits weiß, daß seine Macht zu Ende geht, unterdrückt dieses Recht. Das Regime hat nicht mehr die Kraft, sich mit abweichenden Meinungen auseinanderzusetzen, deshalb versucht es, diese Meinungen auszumerzen. Es nutzt dazu alle Mittel, die ihm zur Verfügung stehen. Dem BRD-Regime wurde die Möglichkeit entzogen, seine Gegner aufs Schafott zu schicken, deshalb begnügt es sich damit, sie ins Gefängnis zu werfen oder deren Existenz zu gefährden. Wer "rechts" ist, gilt als Ketzer, er darf nicht demonstrieren, ohne daß gleich ganze Herden von Gegendemonstranten aufgetrieben werden. "Null Toleranz gegen Rechts" - das verkündet eine Kanzlerin, die sonst für eine "Toleranz-Gesellschaft" wirbt.

Wer schön in der Mitte der Herde läuft, wird nicht vom Wolf gefressen, das entspricht der Lebenserfahrung eines Schafes. Befragt man so ein Schaf, pardon, einen der friedlichen Gegendemonstranten privat, dann ist dieser durchaus nicht damit einverstanden, daß pro Jahr 368 Holocaust™-Gedenktage im Kalender stehen, er mag keinen "Christopher-Street-Day" und rät seiner Tochter, sich von "Mitbürgern mit Migrationshintergrund" fernzuhalten. Die gleiche Mentalität ist am 7. Oktober 1989 strahlend vor Honecker paradiert und am 9. November noch in der Nacht nach West-Berlin gefahren, um sich mit Begrüßungsgeld den Westen anzuschauen. Diese Herde hat bis 1945 Hitler zugejubelt und war anschließend schon immer dagegen gewesen. Das ist eine zutiefst menschliche Eigenschaft, die sich trefflich auf dem Schlachtfeld ausnutzen läßt: Selbst wenn jeder Einzelne zu feige ist, um auf den Feind loszustürmen, in der Herde brüllen alle Hurra und prügeln sich mit einer anderen Herde, die genauso feige ist. Hin und wieder gerät einer dieser Einzelmenschen in eine Lage, in der er entweder umkommt oder als Held überlebt.

Es ist schwer, sich eine eigene Meinung zu leisten, es ist schwer, gegen den Strom zu schwimmen. Und es ist gefährlich, aus der Schafsherde auszubrechen und eigene Wege zu gehen. Um wirklich Mensch zu sein, ist das jedoch nötig. Die Zellmasse zwischen unseren Ohren ist nicht dazu gedacht, die Formulierungen Anderer nachzubeten. Dafür gibt es Aufzeichnungsgeräte, darauf dressiert man Papageien. Wer Mensch sein will, muß sich als Mensch verhalten.

Vermutlich haben sehr viele der männlichen Leser mindestens einmal in ihrer Jugend einen "Kracher" aufgewickelt und ausprobiert, wie sich dessen Pulver verhält, wenn man es einfach so anzündet. Falls Sie es nicht getan haben: Es zischt, es gibt eine kleine Stichflamme, es raucht und das war es. Nur eng gewickelt, unter Druck (der Fachausdruck ist "Verdämmung"), kracht es. Wenn eine Obrigkeit für die Verdämmung sorgt, wiegt sie sich in falscher Sicherheit. Viele von jenen, die am 7. Oktober '89 mit sozialistischen Transparenten vor Honecker paradiert sind, haben ein Jahr später Kohl bei der Verkündung des Anschlusses ihrer DDR an die BRD zugejubelt. Es gab zum Glück keine Explosion, und doch, eine einzige Minute, ein einziger Satz hatte ausgereicht, um 40 Jahre DDR-Geschichte abzuschließen und deren Staatlichkeit aufzulösen.

Ich finde es bemerkenswert, welche Wirkung es gehabt hat, die Fahne von Hambach auf den Kopf zu stellen. Wir haben eine Demokratie erhalten, die alle Züge einer absolutistischen Monarchie trägt. Wir haben etwas bekommen, das sich deutscher Staat nennt, in dem Ausländer mehr Rechte haben als Deutsche und alles Deutsche von Deutschen bekämpft wird. Die biologische Normalität, die biologische Rolle von Männlein und Weiblein, wird schamhaft verschwiegen, während der biologische Widersinn überall gefeiert wird. Homosexuelle Beziehungen, die zum Aussterben der Art führen, werden gefördert. Die Rolle der Frau und Mutter wird auf dem Altar der Karriere geopfert, die Rolle des Vaters und Ernährers wird per "Gender-Mainstreaming" aufgelöst. Zu dem seltsamen Gebilde, das heute als "Deutschland" bezeichnet wird, gehören orientalische Religionen wie Judentum und Islam, während das seit mehr als tausend Jahren hier verankerte Christentum zu einer drittrangigen Sekte verkommt. Zu diesem sogenannten Deutschland gehört es, sich der eigenen Traditionen, der eigenen Eltern und der eigenen Geschichte zu schämen und fremden Völkern Denkmälern zu setzen.

In diesem Absurdistan steht alles Kopf.

Es wird Zeit, die Fahne zu hissen, die richtige Fahne, in der richtigen Reihenfolge, und sei es nur als kleines Favicon. Die BRD-Fahne auf den Kopf zu stellen, ist nicht strafbar. Nur sollte kein Bundesadler darauf sein, denn diesen als Geier im Sturzflug aufzuziehen ist eine Verunglimpfung der Symbole dieses "Staates". Mit Hammer und Zirkel sieht es ein wenig anders aus, da gibt es nichts mehr, das sich als Staat verunglimpft sieht.

Was wird diese Fahne dereinst führen? Ein Viertes Reich, eine Dritte Republik? Wir haben sechs Staaten und staatsähnliche Gebilde in der Vergangenheit, genug Anschauungsmaterial, um daraus das Beste zu entnehmen. Ich halte das Zweite Reich, das Deutsche Kaiserreich, für das beste Konzept. Dort gab es eine Regierung, die nicht von den Parteien abhängig gewesen war. Es gab ein Parlament, es gab die Demokratie, die Mitbestimmung des Volkes, das die Regierung kontrolliert und überwacht hatte. Die Beamten waren unabhängig, deren Ethos ließ es nicht zu, sich der Regierung oder den Parteien zu beugen, sie waren Diener des Staates. Der Kaiser an der Spitze, der erbliche, aber an die Verfassung gebundene Monarch, sorgte für die Kontinuität. Die Presse war frei, unabhängig und vor allem vielfältig. Aus diesem Grund möchte ich den neuen Staat auf einer solchen Basis aufstellen.

Wir leben in einer "VW-1500-Welt", und ich schlage vor, den "Audi 80" zu bauen. So wenig, wie ein Auto des Jahres 2012 mit der Technik von 1972 gebaut werden würde, so wenig wird ein Staat des Jahres 2011 mit dem Aufbau von 1871 realisiert werden. Wir können keinen Zauberstab schwingen und auf das Jahr 1913 einfach das Jahr 2012 folgen lassen und dabei alles aus der Welt schaffen, was dazwischen geschehen ist. Auch die Konzepte von 1933 sind hoffnungslos veraltet. Wer von "Gestrigen" oder "Ewiggestrigen" spricht, betreibt Propaganda. Wer "Nazis" als Kampfbegriff benutzt, um eine abweichende Meinung zu unterdrücken, zeigt damit nur, daß er unfähig ist zu denken.

Ich bin kein Nationalsozialist und ich bin kein Untertan des Deutschen Kaisers. Ich lebe im Jahr 2011, deshalb kann ich weder das eine noch das andere sein. Ich bezeichne mich als national-konservativen Monarchisten, ich suche die Glut unter der Schlacke, um sie zu bewahren und sie neu zu entfachen. Dafür entfalte ich meine Fahne. Ich erwarte von niemandem, daß er mir folgt, doch ich stelle es jedem frei, diese Fahne für sich zu entfalten, sie als seine eigene Fahne aufzufassen.

Zum Hambacher Schloß sind keine Parteien gewallfahrt, sondern Menschen, die sich gemeinsam einer neuer Idee verschreiben wollten. Sie haben von diesem Schloß keine Führer mitgebracht, sie haben dort keine Partei gegründet, sie haben nicht einmal eine Revolution ausgerufen. Sie haben dort ihre Fahne entfaltet und diese Fahne im Herzen getragen. Der Geist von Hambach hat die Deutschen 40 Jahre später in einem Reich zusammengeführt. Ja, jener Geist wurde pervertiert, die Republiken haben die Fahne auf den Kopf gestellt und mit ihr die Idee eines freien und einigen Deutschlands. Die Fahne war auf dem Kopf gestellt, als sie 1848 über den Barrikaden wehte, sie war 1919 auf dem Kopf gestellt, als in Weimar eine Republik zusammengeschustert wurde, sie steht noch immer auf dem Kopf, seit sie 1949 über der BRD und der DDR flattert.

Es ist an uns, sie richtig zu entfalten, auf daß über dem Schwarz der fruchtbaren Erde sich das Rot der Liebe zu diesem Land erstrecke und das Gold der Hoffnung, der Freiheit und des Glücks dies alles überspanne. Parteien können bekämpft werden, Ideen nicht. Organisationen können zerschlagen werden, doch den Geist der Freiheit einzusperren, heißt das Pulver zu verdämmen, aus Rauch und Flamme einen Sprengkörper zu formen.

In Rom hat mal jemand vorgeschlagen, die Sklaven mit einer Armbinde zu kennzeichnen. Der Vorschlag wurde abgelehnt, weil die Römer befürchtet haben, daß die Sklaven dann erfahren, wie viele sie sind und wie wenige echte Römer in dieser Stadt leben. Wenn das kein Grund ist, unsere Fahne zu entfalten, was dann?

© Michael Winkler