Bleierne Zeit (10.6.2015)

1940 wurde ein Film gedreht, dessen deutscher Titel "Der Dieb von Bagdad" lautet. Der Film ist sehenswert, farbenfroh und auch für Kinder geeignet, ein Märchenfilm, den ich vor etwa 50 Jahren noch im Schwarzweiß-Fernsehen erlebt habe. Die Handlung läßt sich in groben Stücken schnell erzählen: Ein naiver Kalif wird von seinem Großwesir in eine Falle gelockt und seiner Macht beraubt. Der Großwesir errichtet eine Tyrannei, der Kalif entkommt aus dem Gefängnis mit Hilfe eines kleinen Jungen, eben jenes Titelhelden und Diebes. Der ehemalige Kalif verliebt sich und bekommt die Frau am Ende, aber darauf will ich nicht hinaus. Das Volk Bagdads stöhnt unter der Härte des Großwesirs und ersehnt den Befreier, der laut einer Prophezeiung der Niedrigste der Niedrigen sein soll. Jener Befreier ist schließlich der kleine Junge, der mit einer unfehlbaren Armbrust von einem fliegenden Teppich herab den Bösewicht mitten in die Stirn trifft.

Nun, ich kann Ihnen versichern, daß ich keine Prophezeiung kenne, nach der die Genossin Bundeskanzler vom Niedrigsten der Niedrigen mit dem Pfeil der Gerechtigkeit aus den Wolken heraus ihres Amtes enthoben werden wird. Unterdrückung und Tyrannei erleben wir allerdings tagtäglich, der Unrechtsstaat zeigt sich immer unverfrorener. Das Volk stöhnt, schimpft hinter vorgehaltener Hand und wählt doch bei nächster Gelegenheit die Staatsratsvorsitzende erneut ins Amt. Es ist ja auch keiner von den "Hohen" da, dem man zutraut, uns zu erlösen. Die CDU ist ausgemerkelt, die CSU zur abgeblaßten Seehoferei verkommen, der herausragendste Kopf der SPD ist deren Leitsenil Helmut Schmidt. Die Grüninnen sind nur noch schimpfende Rohrspatzen, wobei diese Tierchen ihnen mittlerweile an erkennbarem Gehirnvolumen eindeutig überlegen sind. Die FDP ist zu Recht in der Versenkung verschwunden, die AfD prügelt sich zünftig untereinander, und die Linken stören den Politikbetrieb noch nicht einmal mit fundierten Zwischenrufen.

Der Erlöser muß folglich von außen kommen, nicht aus dem etablierten Dienstwagen-Adel der Sozialistischen Einheitsparteien Deutschlands. Die Funktionärskaste kann prunkvolle Gipfeltreffen arrangieren, ist aber unfähig, Straßen, Brücken und sonstige Infrastruktur zu sanieren. Die Funktionärskaste alimentiert und hofiert die Ausländer in diesem Land, duldet die Asylbetrüger, schwadroniert von "Einwanderung", "ausländischen Fachkräften" und "kultureller Bereicherung", während die eigene Bevölkerung schikaniert, über die Steuer ausgebeutet, von "Jobcentern" gegängelt und allseits als Schuldige, Rassisten, Nazis, Antisemiten und Ausländerfeinde angeprangert wird.

Dieser Staat in seiner jetzigen Ausprägung hat die Verfallsstufe erreicht. Die regierenden Parteien haben weder die Kraft, noch die moralische Integrität, noch das Personal, um das Ruder noch einmal herumzureißen. Die aufbauenden Kräfte sind erlahmt, wir können weder Flughäfen noch Bahnhöfe bauen, es reicht gerade noch für Nazi-Dokumentationszentren. Die erhaltenden Kräfte schwinden, wenn wir die Zustände unserer Straßen oder unserer Schulen betrachten. Die zerstörerischen Kräfte wachsen unaufhörlich, alles ist schwul oder lesbisch, für Paternoster-Aufzüge benötigt man Führerscheine, für alles Unsinnige gibt es irgendwo eine Beauftragte, für Projekte, die gegen das Volk gerichtet sind, fließen reichlich Steuermittel. Der Bundestag ist nicht die Vertretung des deutschen Volkes, sondern nurmehr eine Abnick-Versammlung für Regelungen, die der Brüsseler Beamten-Wasserkopf in unaufhörlichen Papierfluten produziert.

Die Situation ähnelt einem schwülheißen Sommernachmittag. Alles sehnt sich nach Abkühlung, die Gewitterwolken türmen sich schwarzgrau-drohend am Himmel, doch die Sonne scheint sich gegen sie zu wehren, scheint sie abzuhalten, sich zu nähren. Gnadenlos sticht die Sonne herunter, Minuten dehnen sich zu gefühlten Stunden. Der ersehnte Regen, so greifbar nahe und doch unerreichbar. Die bleierne Zeit ist angebrochen, jeder wartet und nichts passiert.

Genau diese bleierne Zeit haben wir auch, Fin de Siècle, wo die einstige Pracht angestaubt und mit Spinnweben bedeckt ist. Wörtlich übersetzt heißt das Ende des Jahrhunderts, freier das Ende eines Zeitalters. Die Etrusker haben das Saeculum anders gerechnet, da war das kein starrer Zeitraum, keine festgelegten hundert Jahre. Das Saeculum endete, wenn der letzte Mensch gestorben war, der den Anfang dieses Zeitalters erlebt hatte. Das aktuelle Saeculum definiert sich nicht nach Ernst Jünger oder Johannes Heesters, schon eher nach Helmut Schmidt. Die Zwischenkriegs-Generation, die erwachsen genug war, um 1949 das Gebilde BRD zu gestalten, tritt ab. Ihre Überzeugungen und Gedanken sind angegraut, in die Jahre gekommen, werden nicht mehr verstanden, nur noch als ausgehöhlte Phrasen nachgebetet.

Ewige deutsche Schuld? Keiner, der ab 1935 geboren wurde, hat diese Schuld auf sich laden können. Die Existenz Israels ist deutsche Staatsräson? Was haben wir mit diesem zänkischen Staat zu schaffen, der seit 1948 keinen einzigen Tag wirklichen Friedens zustande gebracht hat? Die Amerikaner sind unsere Freunde? Oh Gott, bei solchen Freunden können wir uns gar keine Feinde leisten! Soziale Marktwirtschaft? Ist das jenes Konzept, das die Steuerzahler verpflichtet, die Verluste der Großbanken zu übernehmen, damit deren leitende Angestellte weiterhin ihre Millionen-Zulagen kassieren? Demokratie? Da stimmen die Wähler alle paar Jahre über etwas ab, woran sich die Parteien dann doch nicht halten! Rechtsstaat? Das ist das großartige System, das Steuerhinterzieher wegen ein paar tausend Euro gnadenlos verfolgt und Steuerverschwender wegen ein paar Milliarden Euro erst gar nicht antastet. Eine Justiz, die Gedankenverbrechen mit der ganzen Härte des Gesetzes ahndet, bei Mord, Totschlag oder Vergewaltigung jedoch unendliche Milderungsgründe findet, vorausgesetzt, der Täter ist nichtdeutscher Abkunft?

Staub, Spinnweben, Schmutz, Verfall - Fin de Siècle. Nichts erinnert mehr an die einstige Pracht, an den einstigen Glanz, an die einstigen Verheißungen. Die Kanzlerin ist die Exponentin dieses Verfalls; sie gibt keine Impulse, beherrscht das "Weiter so!" des Aussitzens und steht für Faulheit im Denken, durch ihre Aussage, alles sei alternativlos. Wer keine Alternativen hat, ja sich nicht einmal welche vorstellen kann, ist engstirnig und beschränkt, hat den Blick stur zu Boden gerichtet, statt in die Weite des Horizonts. Noch mehr für den Rückschritt steht der GAU aller Bundespräsidenten, der ehebrecherische Alte, der überhaupt nur in den Kategorien des Gestern denken kann. Joachim Gauck will den Zweiten Weltkrieg deuten, nicht das dritte Jahrtausend andenken.

Gauck und Merkel stammen aus der DDR, sind auferstanden aus Ruinen, doch mitnichten der Zukunft zugewandt. Sie dienen Deutschland zudem kaum zum Frieden, und spalten eher das einige Vaterland. Jeder kulturfremde Zuwanderer, der sich hier nicht einfügen will, sorgt für Unfrieden und Uneinigkeit. Der Islam ist eine Religion des Unfriedens und der Zwietracht, wenn wir islamische Länder anschauen, herrschen dort Haß und Gewalt, morden die Gläubigen einander im Namen und zur Verherrlichung Allahs. Brauchen wir das wirklich in Deutschland? Müssen wir das sogar noch willkommen heißen? Oder ist das vielmehr die Axt, die das angehäufte Gerümpel in handliche Stücke für den Kamin und den Sperrmüll aufbereiten wird?

Es ist die bleierne Zeit, in der immer mehr Menschen spüren, daß es so nicht weitergehen kann und auch nicht weitergehen wird, in der sich das erlösende Gewitter abzeichnet, aber noch nicht über uns hereinbricht. Thunderstorm - so heißt das Gewitter auf Englisch, Donnersturm. Blitze entfachen Brände, ein Wolkenbruch überschwemmt Straßen, setzt Keller unter Wasser. Sturmböen decken Dächer ab, entwurzeln Bäume - der Donnersturm des Gewitters mag Erlösung bringen, doch er verfügt über das Potential der Zerstörung, er ist ein Unwetter, wie es das alte, kaum noch gebrauchte Wort "Ungewitter" ausdrückt.

Insofern ist die bleierne Zeit vor dem Ungewitter eine Phase der Ruhe, des Innehaltens, eine Zeit vor der Zerstörung. Sie mag bleiern und quälend sein, doch für manchen sind das die letzten Minuten seines Lebens, die Augenblicke vor der Katastrophe. In früheren Zeiten gab es das Wetterläuten, in der Hoffnung, das Ungewitter durch den Klang der Kirchenglocken zu vertreiben oder wenigstens abzuschwächen. Jene Glocken, die heute den Islam beleidigen und ruhebedürftigen Städtern die ländliche Idylle verderben.

Nach dem Unwetter klärt sich der Himmel auf, die Luft ist gereinigt und duftet nach wiedererlangter Frische. Die Pflanzen recken sich in erneuertem Grün, das Bedrückende ist verschwunden, die Natur und die Menschen atmen befreit auf. Der Sommer des Lebens ist angebrochen, das Bedrückende, das noch vor Stunden alle gequält hatte, ist verschwunden. Das Aufräumen geht schnell von der Hand, wir alle freuen uns auf den nächsten Tag, den Tag nach der großen Reinigung.

Die Wolken folgen dem Wind, und den Wind können wir nicht lenken. Wir vermögen es, Wolken vorzeitig abregnen zu lassen, doch selbst die größten Anlagen der Welt schaffen es nicht, das Wetter zu steuern. HAARP mag mit der Leistung eines Atomkraftwerkes feuern, doch diese Leistung reicht gerade für ein paar Schäfchenwolken am Himmel. In einer Gewitterfront steckt die Energie aller Atombomben einer Supermacht, stecken Stunden, ja Tage der gesamten Sonneneinstrahlung über tausende Quadratkilometer Atlantik. In der Wetterküche steckt mehr Energie, als die Menschheit in Jahren aufbringt. Deshalb unterliegt das Wetter noch seinen eigenen Gesetzen, deshalb gibt es die bleierne Zeit vor dem reinigenden Gewitter.

Wir müssen mit dieser bleiernen Zeit leben, das Fin de Siècle und seine Auswüchse geduldig ertragen. Die Nachkriegszeit und die Nachkriegsordnung liegen in ihren letzten Zügen, bald wird nicht mehr der Zweite Weltkrieg, sondern das dritte Jahrtausend unser Leben bestimmen. Die bleierne Zeit ist die Gelegenheit zur Vorbereitung, zur Einstimmung auf die bessere Zukunft. Betrachten wir, was heute falsch läuft, notieren wir, was verändert werden muß. Alles, was jetzt gedacht und organisiert wird, ist bereit, wenn sich das Gewitter entladen hat.

Der Dieb von Bagdad war der Niedrigste der Niedrigen, und doch hat er den fliegenden Teppich erlangt, die Armbrust und den Pfeil der Gerechtigkeit gefunden. Aus den Wolken herab hat er das Volk erlöst, dem Bösen ein Ende gesetzt. Märchen drücken Hoffnung aus, beschreiben prophetisch, was geschehen wird. Jede Bedrängnis hat schließlich ihr Ende gefunden, und es waren nie die Großen und Hohen, die das Volk erlöst haben. Die Oberschicht des dekadenten, dem Untergang geweihten Roms hat bis zuletzt ihre Orgien in Ravenna gefeiert, gegeneinander intrigiert und so getan, als gäbe es da draußen noch ein riesiges Imperium, gehalten von unbezwingbaren Legionen. Diese Oberschicht hat das Fin de Siècle einfach ignoriert. Unsere heutige Oberschicht tut das ebenfalls. Sie tut, als seien Marktwirtschaft und Demokratie noch immer erstrebenswert, als gäbe es einen Rechtsstaat, als hätte dieser sogar noch Zukunft.

Wir Menschen sind ungeduldig, wir sind Geschöpfe unseres eigenen Saeculums. Die Geschichte entwickelt sich langsamer, zwischen dem Untergang Roms und dem ersten Glanz des Frankenreichs liegen 250 Jahre, zehn menschliche Generationen, drei etruskische Saecula. Was sind dagegen ein paar Monate, ein paar Jahre der bleiernen Zeit?

© Michael Winkler