Der Deutschland-Achter (15.7.2009)

Beim olympischen Rudern holte der „Deutschland-Achter“ schon so manche Goldmedaille. Da sitzen acht starke Männer in einem schmalen Boot und rudern aus Leibeskräften nach dem Kommando eines Halbwüchsigen. So ein Boot wird ganz schön schnell. Dabei drückt schon der ehrenvolle Name aus, daß dieses Boot Deutschland repräsentiert. Zumindest ein sportliches Ideal von Deutschland.

Um uns der Realität anzunähern, nehmen wir den schmächtigen Halbwüchsigen heraus und ersetzen ihn durch einen gestandenen 180-Kilo-Mann. Zum Glück besteht unser Boot aus kohlefaserverstärktem Spezialkunststoff, es hält diese Belastung folglich aus. Da dieser Herr außer seiner Körpermasse noch eine benennende Eigenschaft braucht, nennen wir ihn "Regierung". Er steht nicht nur für ein paar minder befähigte Minister, sondern für die Abgeordneten, den Parteienfilz, die zahlreichen Rücksichtnahmen, die ganzen Klötze am Bein, die es in der Regierungsbürokratie und dem Gesetzeswust gibt.

Dieser 180-Kilo-Koloß ist das, was uns die Regierenden immer als „schlanken“ Staat anpreisen. Die Regierungen (Bund und Länder) sollten eigentlich nur so viel regulieren, wie unbedingt erforderlich ist, und so viele Freiheiten wie nur möglich lassen. Was zu Kaisers Zeiten ein schlanker Halbwüchsiger war, dessen Kommandos respektiert wurden, ist heute ein Verhau von Regelungen, die sich oft genug gegenseitig aufheben. Die Damen und Herren Abgeordneten sind durch ihre zahlreichen bezahlten Nebentätigkeiten derart ausgelastet, daß ihnen ganz einfach die Zeit fehlt, vernünftige Gesetze auszuarbeiten. Und wenn doch noch ein Rest Vernunft übrig bleiben sollte, gibt es einen Koalitionspartner, mit dem der schlechteste denkbare Kompromiß ausgehandelt wird. Warum sollten wir vor einem solchen selbstzufriedenen und geldgierigen Chaotenhaufen noch Respekt haben? Steuerhinterziehung ist heutzutage Breitensport und Volksvertreter genießen die Achtung von Volksverrätern.

Vor diesen neuen Steuermann setzen wir statt eines Ruderers einen völlig untrainierten Mann, der eine Strichliste führt für jeden Ruderschlag und auch noch die gefahrene Strecke notiert. Obwohl er die Ruderer nicht sieht, sondern nur den Steuerkoloß, schafft er das, denn schließlich klatscht es ganz schön, wenn so ein Ruder eingetaucht wird. Dieser Buchhalter steht für die Verwaltung, die wir der Regierungsbürokratie verdanken.

Dieser erste Nicht-Ruderer steht für die Beamtenschaft und die Angestellten im öffentlichen Dienst. Sicher, Beamte arbeiten – und eine weitaus größere Anzahl, als wir Außenstehende immer glauben wollen, arbeitet sogar hart. Aber Löcher ausheben und wieder zuschütten ist auch Arbeit, und sollte sie mit Pickel und Schaufel erledigt werden, durchaus harte, körperliche Arbeit. Nur bringt diese Arbeit keinerlei Ergebnis, sie wird mit Produktivität Null durchgeführt. Die Beamtenschaft schaut in diesem Boot immer auf den Steuerkoloß, so wie reale Beamte immer auf die neuesten Erlasse der Regierung. Selbst wenn diese Leute guten Willens sind, geht die Dienstvorschrift vor. Auch vor jedweder Vernunft.

Beamte und Verwaltungsangestellte setzen jeden Unsinn um, weil sie als Erfüllungsgehilfen eingestellt worden sind. Der Beamte ist nicht zum Denken da, sondern zum Dienen - denn dieses Wort steckt im öffentlichen DIENST. Nur, wem dient der Bedienstete? Die einfache Antwort lautet: dem Staat. Der Staat, daß ist der unbeholfene Fettsack am Ruder, der zwar keine Ahnung hat, aber kommandiert. Diese Bürokratie geht bis in den kleinsten Betrieb hinein, von dem Statistiken und sonstige vollkommen überflüssige Datenerhebungen erwartet werden. Auf jeden Bediensteten, der sinnvolle Aufgaben verrichtet - beispielsweise in der Müllabfuhr - kommt mindestens einer, der mit Bürokratie die wirtschaftliche Entwicklung behindert. Deshalb hat diese Figur kein Ruder in der Hand, weil sie nichts zum Fortkommen des Deutschland-Achters beisteuert.

Natürlich bemühen sich Staat und öffentlicher Dienst um Wirtschaftsförderung. Diese Subventionen kommen jedoch vor allem bei den Großkonzernen an, nicht bei den kleinen Betrieben, die jedoch die Mehrzahl der Arbeitsplätze schaffen. Wir erleben es gerade anschaulich: Der Staat fördert große Bankhäuser, die im Gegenzug die Kleinbetriebe abwürgen, weil sie keine Kredite vergeben. Siemens oder VW haben ganze Abteilungen von Juristen, die jedes Gesetz auf seine Möglichkeiten abklopfen, damit ja keine Gelegenheit übersehen wird, in die Staatskasse zu greifen. Der Handwerksmeister mit drei Gesellen kann das nicht. Er braucht seine Frau als Vollzeit-Buchhalterin, um all die Gängelungen zu bearbeiten, die ihm von Staats wegen auferlegt werden.

Den zweiten Ruderer ersetzen wir durch einen Rentner, der nicht rudert, sondern höchstens gute Ratschläge erteilt. Das muß so sein, denn ohne Rentner wäre dieser Achter kein Deutschland-Achter. Natürlich ist das kein Armutsrentner, sondern ein Pensionär, der es gewohnt ist, hofiert zu werden. Außerdem hat es der Mann eilig, er möchte für die nächste Fernreise packen und zwischendurch noch ein bißchen die Regatta genießen.

Den nörgelnden Rentner setzen wir trotzdem ins Boot. Die meisten unserer älteren Mitbürger haben sich einen geruhsamen Lebensabend ganz bestimmt verdient. Es sei denn, es handelt sich bei ihnen zufällig um Polit-Pensionäre, denn die sind am schlechten Zustand des Bootes schuld. Es gibt zahlreiche arme Rentner, aber es gibt genauso jene Unersättlichen, die bei 10.000 Euro Pension - mit denen ein Rentner ein ganzes Jahr auskommen muß - auf 15.000 Euro pro Monat klagen, weil die ihnen zustünde. Während bedürftige Rentner bestenfalls am Stammtisch schimpfen, drängt es diese "Ehemaligen" noch in die Öffentlichkeit. Falls sie nicht in Dumm-Quatsch-Sendungen eingeladen werden, fallen sie bei passenden Gelegenheiten wie Preisverleihungen über ihre Nachfolger her und beglücken sie mit Ratschlägen.

An die Stelle des dritten Ruderers würde ich gerne ein Kind setzen, aber ehe das Kind ins Wasser fällt und ich die Mutter und den Kinderschutzbund am Hals habe, nehme ich lieber einen Studenten, vorzugsweise einen Geisteswissenschaftler. Der kann dann während der Fahrt über das Rudern an sich nachdenken. Im Rahmen der Akademisierung der Gesellschaft brauchen wir solche Leute, die zwar wenig leisten, aber viel diskutieren. Vorzugsweise darüber, wie andere Menschen mehr arbeiten sollen.

Der Student steht für die Jugend, den Nachwuchs. Kinder, Schüler, eben all diejenigen, die noch nicht rudern können. Die brauchen wir im Deutschland-Boot, doch wir brauchen die richtige Ausbildung für diese jungen Leute. Ein Besuch in einem der wenigen Technik-Museen bringt allemal mehr, als ein solcher in einer der zahllosen Holocaust-Gedenkstätten. Ein Volk, das unentwegt seine Vergangenheit bewältigen will, verspielt seine Zukunft. Wenn die Produkte einer Firma nichts taugen, hilft es nicht, ein weiteres Dutzend Diskussionswissenschaftler einzustellen. Selbst ein Dutzend "Masters of Business Administration" sind eine überflüssige Heuschreckenherde. Aber ein einziger Ingenieur, der die Produkte verbessert und die Produktion optimiert, der rettet die Firma.

Noch nie haben so viele Menschen in Deutschland Philosophie studiert wie heute. Und noch nie hatte Deutschland so wenige große Philosophen wie heute. Die Hochschulen ertrinken in der Studentenschwemme - trotzdem fehlen Ingenieure und Naturwissenschaftler. Dafür haben wir haufenweise Gleichstellungsbeauftragte.

Auf den vierten Platz setze ich den ersten, den ich finde, aus den Bereichen Spitzensport, Blödelbarde, Fernsehmoderator oder Werbeikone. Keine Sorge, rudern muß die Person nicht. Gerade unsere Vorzeige-Prominenten sind ja allesamt so arme Schlucker, daß sie nebenbei im Werbefernsehen auftreten (erfordert weder intellektuelle noch sonstige Leistungen) oder Vorträge halten (auf Firmenfeiern, wird ebenfalls gut bezahlt) oder sich gegenseitig Preise zuschieben.

Der Spitzensportler (Fußballspieler, Tennis-Crack usw.), der Fernsehmoderator, der Blödelbarde und die Werbeikone (irgendein „Promi“, der massig Kohle für saublöde Werbespots einstreicht) stehen für den Teil der Gesellschaft, der praktisch keine produktive Leistung erbringt, aber trotzdem Unsummen verdient. Wenn das Fernsehen heute massenhaft Sendungen anbietet, in denen man anderen Menschen beim Reden zuschauen kann, anstatt selbst mit anderen Menschen zu reden, führt das in eine völlig falsche Richtung. Millionär wird man nicht durch harte Arbeit, sondern durch ein paar dämliche Fragen bei Günter Jauch oder ein bißchen Gymnastik bei Stefan Raab. Es sind die Drohnen im System, die durchaus auch akademische Posten haben können. Die Drohnen werden zahlreicher, immer weniger produktiv, aber zugleich anspruchsvoller.

Auf den fünften Platz setze ich einen Zuwanderer. Der spricht und versteht kein Deutsch, schon gar nicht die Kommandos des Steuerkolosses. Er bekommt ein Ruder, das nur zehn Zentimeter lang ist und er sich an die Brust heften kann. Seine Aufgabe im Boot ist, hin und wieder "Asyl" oder "Nazi" zu sagen und zwischendurch seine Gebete zu verrichten. Dafür führen wir eigens einen Kompaß mit, damit der Herr immer weiß, wo Mekka, Jerusalem oder die Wall Street liegen. Während der Gebetszeiten haben die Ruderer achtungsvoll die Schlagzahl zu verringern und der Steuerkoloß die Schnauze zu halten.

Bald werden wir zwei Plätze für Zuwanderer brauchen, weil deren Zahl immer weiter zunimmt. Das kleine Ruder zeigt an, daß ein paar davon wirklich arbeiten, doch die Mehrzahl kostet mehr, als sie unserem Land bringt. Der frühere Einwanderer ist gekommen, um im neuen Land zu leben, sich dort anzupassen und zu assimilieren. Der heutige Zuwanderer erwartet, daß sich das Land ihm anpaßt. Das magische Wort "Asyl" erlaubt den unbegrenzten Aufenthalt im Land (außer für solche, die sich gut angepaßt haben, die werden rausgeworfen). Das Asyl wird um so einträglicher, je mehr Ansprüche der Asylbewerber stellt. Dafür gibt es das zweite magische Wort: "Nazi". Die staatlichen Stellen der BRD sind darauf dressiert, bei einem solchen Vorwurf schleunigst zu kuschen.

Deutsche Traditionen zählen nichts mehr, dafür wird der "multikuturelle" Zauber beschworen. "Multikulturell" bedeutet jedoch in allen Fällen, daß die deutsche, die angestammte Kultur zu weichen hat. Kirchenglocken haben zu verstummen, damit der Ruf des Muezzins nicht gestört wird. Kreuze in Schulen und Amtsgebäuden haben zu verschwinden, Kopftücher dagegen sind willkommen, als Ausdruck islamischen Selbstbewußtseins. Dieser Insasse rudert nicht, er stört zudem das Fortkommen des ganzen Bootes, weil der Regierungskoloß der Ansicht ist, daß wir für diese Mitbürger da zu sein haben und nicht umgekehrt.

Die restlichen drei Ruderer lasse ich im Boot, aber dem einen nehme ich das Ruder weg, weil wir ja ein paar Arbeitslose im Land haben, ein paar Hartz-IV-Empfänger, ein paar Ein-Euro-Jobber, ein paar Arbeitssuchende... Die anderen zwei lasse ich die Ruder schön einheitlich an der gleichen Seite ausbringen. Das wirkt doch auch viel ästhetischer. Das Boot fährt zwar im Kreis, aber bevor es ein anderes Boot rammen kann, sind die bereits weit weg.

Die drei Ruderer stehen für den produktiven Anteil der Bevölkerung. Für all jene, die in der Wertschöpfungskette stehen und sich abrackern. Der eine ohne eigenes Ruder steht leider nicht in dieser schönen Wertschöpfungskette. Der repräsentiert die offiziellen vier und tatsächlichen zehn Millionen Arbeitslosen im Lande.

Jetzt ist unser schöner Deutschland-Achter fertig.

Die verbleibenden zwei Ruderer holen leider keine Goldmedaille. Das so besetzte Boot fährt nicht nur langsamer als die anderen, es fährt auch noch im Kreis. Folglich holen wir uns Rat von außen, was denn nun zu tun wäre. Am besten von einem Unternehmensberater. Der merkt bei einem Stundensatz von 10.000 Euro nach einigen Monaten ganz sicher, was an unserem schönen Boot faul ist: die Ruderer arbeiten zu wenig! Mit zwei Rudern pro Mann und einer 45-Stunden-Woche bekämen wir das Problem schnell in den Griff, sagt der.

Dafür hat der Mann (solche Berater sind meistens Männer) studiert. Oh, sicher, das Problem scheint gelöst, aber ohne jede Kreativität. Es ist leicht, immer nur davon zu reden, daß „die Deutschen“ mehr arbeiten und weniger Lohn bekommen sollen. Dies wurde in den letzten Jahren intensiv praktiziert, mit dem Erfolg, daß 90% der Bevölkerung im merkelhaften Aufschwung Vermögen verloren haben. Die Kanzler Schröder und Merkel stehen für eine beispiellose Ausbeutung großer Teile der Bevölkerung. Wir waren bis 2008 Exportweltmeister, was nur möglich ist, weil die Löhne in Deutschland derart niedrig liegen, daß unsere Waren "konkurrenzfähiger" waren als andere. Dank der Krise sind 2009 die Exporte massiv eingebrochen, jetzt fehlt die Binnennachfrage. Sollen die Leute ihre Ersparnisse aufbrauchen, um zu konsumieren? Aber wer gibt der Regierung dann das Geld für ihre Kredite?

Laut einer Professoren-Weisheit brächte ein Prozent Lohnverzicht ein Prozent mehr Beschäftigung. Nun, dieser Professor hat nie in der realen Wirtschaft gearbeitet. Ein Prozent Lohnverzicht der Arbeitnehmer brächte zwölf Prozent Vergütungszuwachs für den Vorstand und sechs Prozent Kursgewinn für die Aktionäre. Zudem kann die Firma dann ein wenig gelassener die Verlagerung weiterer Arbeitsplätze ins Ausland angehen. Die zehn Prozent, denen der Aufschwung die Kassen gefüllt hat, können ihren Konsum nicht ausweiten. Ein paar Superreiche, die Luxusjachten kaufen, ersetzen nicht Millionen, die sich kein Auto mehr leisten können.

Beseitigen wir lieber das Regierungsmonster. Über Bord mit dem größten Teil der Bürokratie und den ganzen unsinnigen Verordnungen und Gesetzen! Wenn der Koloß von 180 Kilo auf 60 Kilo abspeckt, taugt er wieder zum Steuermann. Das wird harte Arbeit, es geht um die Ausmistung des Augias-Stalles. Falls Sie den Zeichentrickfilm nicht kennen sollen: Der Stall war so verdreckt, daß ein göttergleicher Held einen Fluß umleiten mußte, um diesen auszuspülen.

Die sinnvollste Methode ist übrigens die große Rochade. Die Beamten aus dem Wirtschaftsministerium entkernen die Gesundheitsgesetzgebung, die aus dem Gesundheitsministerium fallen über die Steuergesetze her, das Finanzministerium regelt Verkehrs- und Baurecht, das Bauministerium die Landwirtschaft... Das Prinzip ist ganz einfach: Alles, was die Damen und Herren Beamten aus dem Nachbar-Ressort nicht verstehen, ist überflüssig und wird abgeschafft. Bürokratie kann man nur mit Bürokraten bekämpfen. Wer die meisten Unsinns-Gesetze abschafft, wird befördert.

Das Ergebnis ist eine zeitweise Anarchie, weil ein wenig zuviel weggeregelt wurde. In dieser Anarchie wird das ergänzt, was wirklich benötigt wird. Jetzt müssen wir nur noch Volksvertreter in die Parlamente bringen statt Parteifunktionäre. Mehr dazu steht im Deutschen Jahrhundert.

Den Beamten setzen wir um. Er tauscht seinen Platz mit dem hintersten Ruderer. So hat er nicht nur die Regierung, sondern das ganze Boot, also das ganze Volk im Blick. Vielleicht können wir ihm sogar ein Ruder in die Hand drücken. Damit meine ich nicht, daß Beamte künftig am Fließband Autoteile fertigen, sondern daß ihnen bewußt wird, daß sie keine altertümliche Obrigkeit mehr sind, dafür aber Dienstleister an der Gesellschaft. Dank der Überarbeitung der Gesetze sind die schlimmsten Auswirkungen der Bürokratie beseitigt. Allerdings müssen wir noch die Überkapazitäten abbauen. Dafür gibt es ein schönes Verfahren: Ein Amt für Entbürokratisierung. Dieses Amt bekommt weder Planstellen noch Auszubildende / Beamtenanwärter zugeteilt. Wenn die Beamten sich vermehren wollen, dann nur, indem sie andere Behörden kannibalisieren. Jede Stelle, die dort abgeschafft wird, fällt an das Amt für Entbürokratisierung. Wer dort in den Ruhestand geht, dessen Planstelle fällt ersatzlos weg.

Den Rentner lassen wir in Ruhe. Er sitzt jetzt ganz vorne und kann die Regierung beschimpfen, da ist er gut aufgehoben. Für Polit-Pensionäre mit überhöhten Pensionen habe ich eine kleine Ausnahme: Die ersten 5.000 Euro Monatspension bleiben unangetastet, alles, was darüber liegt, wird halbiert. So werden aus 12.000 Euro Ministerpension 8.500 Euro, das ist immer noch mehr, als sich jeder Rentner erträumen kann, und steht in keinem gesunden Verhältnis zu der erbrachten Lebensleistung, aber es gibt ja immer noch ein paar Leute, die glauben, die Polit-Fuzzis wären ehrbare, verdiente Leute.

Der Student braucht ebenfalls nicht zu rudern, aber ein paar Veränderungen sollten wir ihm schon zumuten. Natürlich braucht das deutsche Volk auch ein paar Geisteswissenschaftler. Aber ein studierter Diplomkaufmann entwickelt keine Produkte. Er verwaltet und tippt Zahlen in den Computer. Anhand dieser Zahlen erteilt er lebenserfahrenen Praktikern „gute“ Ratschläge. Auch ein Jurist produziert nur Papier. Wir brauchen Juristen, aber wenn eine gute Fee zwei Drittel der heute vorhandenen Anwälte in Ingenieure verwandeln würde, wäre das kein Verlust für die deutsche Rechtssicherheit.

Also, liebe Kinder, liebe Studenten: Wir brauchen Naturwissenschaftler und Ingenieure, wenn wir in der modernen Zeit bestehen wollen. Der vielbeschworene Rohstoff Geist bringt uns nur dann voran, wenn der Intellektuelle eben kein Doktor der Diskussionswissenschaften ist. Tüftler, Erfinder, Innovatoren – das braucht das Land. Oder, um bei dem Boot zu bleiben: Wenn der Student seine Kenntnisse in Hydrodynamik anwendet und ein paar kleine konstruktive Veränderungen am Boot vornimmt, wird das Boot durch ihn schneller, obwohl er eigentlich nur Passagier ist. Wenn er dagegen nur über das Rudern philosophiert, ändert sich nichts.

Jetzt sind wir bei der Gruppe angelangt, die ich gerne als „Schmarotzer“ titulieren möchte. Wenn ein Künstler einen Erfolg landet und eine Menge Bücher oder CDs verkauft, ist das durchaus eine Leistung, die ihr Honorar verdient. Doch welche Leistung erbringt ein Fußballspieler? Womit rechtfertigen die Bundesliga-Profis ihre Millionengehälter? Gehälter, die letztlich die Ruderer bezahlen, die Menschen, die in der Wertschöpfungskette arbeiten.

Nehmen wir das Jahr 1974. Damals lagen die Gehälter der Fußballer deutlich niedriger als heute. Wer den Höhepunkt seiner Karriere überschritten hatte, ging nach Italien, Spanien oder den USA, um dort noch ein paar Jahre seinen Kontostand aufzubessern. Deutschland wurde Fußball-Weltmeister, deutsche Vereine räumten in den europäischen Vereinswettbewerben ab.

2009 kommen ausländische Fußballer nach Deutschland, um hier noch ein paar Jahre ihren Kontostand aufzubessern. Große Titel gewinnen bei uns die Frauen oder die Jungspieler, aber nicht mehr die Profis. Die haben dafür lukrative Werbeverträge. Selbst deutsche Fußballclubs scheitern trotz all ihrer teuren Ausländer recht früh in den europäischen Wettbewerben.

Warum stehen Fernsehmoderatoren in meiner Liste? Wer an fünf Wochentagen eine Sendung von etwa einer Stunde Länge moderiert, für jede Sendung 250 Euro erhält, kommt auf ein Monatsgehalt von 5.000 Euro. Das ist nicht nur mehr als ein Arbeiter bezahlt bekommt, es ist ein angemessenes und auskömmliches Gehalt.

Nur leider bekommen „gute“ Moderatoren auch schon mal 5.000 Euro pro Sendung. Ja, auch 50.000 Euro werden bezahlt. Für eine einzige Sendung! Das sind 60 Minuten Auftritt und drei bis zehn Stunden Vorbereitung, wobei bei der Vorbereitung gerne ein paar vom Sender bezahlte Gagschreiber helfen. Doch wer bezahlt diese Traumgehälter? Sie, meine Leser. All die Leute in der Wertschöpfungskette. Die Ruderer.

Kommen wir zu den Blödelbarden. Schön, wenn die CDs verkaufen, ist nichts gegen ihre Einkünfte zu sagen. Aber wenn „Superstars“ von gewissen Sendern hochgejubelt werden, müssen das die Ruderer bezahlen. Wenn Dieter Penisbruch Bohlen seine ätzenden Pseudo-Erlebnisse in Buchform vorsetzt oder Steffen Stinkefinger Effenberg Memoiren unters Volk bringt, dann mögen zwar die herauf manipulierten Verkaufszahlen stimmen, aber deren Ergüsse sind vollkommen überflüssig. Dieses Zusatzeinkommen bezahlen – richtig, die Ruderer.

Ich weiß nicht, ob Sie Werbespots beachten. Ich verfolge die meisten nur unbewußt und nutze die Werbeunterbrechungen gerne als Pinkelpause. Andere Leute holen sich da ein frisches Bier, diese Unterbrechungen sind also volkswirtschaftlich sinnvoll. Es ist deshalb völlig egal, ob spärlich bezahlte Schauspielschüler oder schwer kassierende Promis auftreten. Der Unterschied liegt nur in den Kosten der Darsteller. Die wiederum unsere Ruderer bezahlen müssen.

Manche Werbespots sind ganz witzig, die sehe ich folglich gerne. So 20-mal, dann wirken sie abgedroschen. Promi-Werbung beachte ich durchaus. Anhand der Werbeikone erkenne ich nämlich, daß das beworbene Produkt überteuert ist und ich es besser nicht kaufen sollte. Denn warum sollte ich Firmen dafür Geld geben, daß sie meine ehrlich erarbeiteten Cents Multimillionären in den Rachen werfen, die sowieso schon reicher sind, als ich es je sein werde?

Also raus mit ihm, die Zahl dieser Schmarotzer kräftig reduzieren und statt dessen einen Ruderer hinsetzen. Der bringt Boot und Land voran. Wir brauchen keine Problemfilme zu produzieren, wer sich in Merkel-Deutschland umsieht, merkt von ganz allein, da dieses Land ein einziges Problem ist. Wir brauchen inspirierende, aufbauende Filme, im Barbaren-Dialekt "Story of Success" genannt. Wir brauchen Autoren, die eine deutsche Zukunft herbeischreiben, mit deutschen Helden und deutschen Vorbildern.

Da sitzt noch immer der Ausländer. Pardon, der Migrant. Ach nein, der Mitbürger mit Migrationshintergrund. Ich fürchte, den müssen wir umsetzen. Der kommt vor den Rentner, der ihn beaufsichtigt und darauf achtet, daß er mindestens soviel rudert, wie der Rest der Mannschaft. Wenn der Typ Mitbürger sein möchte, muß er rudern. Wenn er auf seinen Migrationshintergrund besteht - bitte, gute Heimreise! Asyl? Wunderbar, rudere um dein Leben! Nazi? Stimmt, also bring dich in Sicherheit! Schnell! Wer uns für Nazis hält, dem wollen wir nicht zumuten, in diesem Land zu leben.

Wenn wir die ganzen überzogenen Kosten aus der Wertschöpfungskette heraus nehmen und den angesammelten Verordnungs-Ballast über Bord werfen, bringt das mehr Kosteneinsparung als eine Rückkehr zur 45-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich. Doch dafür müßten Unternehmensberater und Professoren Detektivarbeit leisten und vielleicht sogar neue Talente aufspüren. Das ist natürlich anstrengender als eine pauschale Lösung zu präsentieren, die zwar keinen Nutzen bringt, aber in einem einzigen Satz vorgebracht werden kann.

Die Lösung für Deutschland heißt schlanker Staat, Beamte, die sich als Diener des Volkes verstehen und weniger Geldverschwendung an Spitzensportler, Werbepromis usw. Sie heißt auch deutsch denken. Nicht so, wie das von 1933 bis 1945 aufgefaßt wurde, sondern daß man zuerst daran denkt, die Arbeit in Deutschland zu halten. Und vor allem heißt sie Innovation und Erfindergeist.

Deutschland kann sich keine Technikfeindlichkeit leisten. Wir brauchen Naturwissenschaftler und Ingenieure, wir brauchen Forschung und Entwicklung. Hier im Lande. Für dieses, unser Land. Warum haben wohlhabende Investoren mittels Filmfonds Produktionen in Hollywood finanziert? Warum haben Rentner Geld in Lehmann-Zertifikaten verloren? Warum gibt es keine ähnlich ausgestatteten und mit gleichen Abschreibungsmöglichkeiten versehenen Fonds für Firmengründungen und Produktinnovationen, die Arbeit in Deutschland schaffen? Warum gibt es keinen Fonds, der sich für Mittelständler und Kleinbetriebe einsetzt? Einen Fonds, der deutsches Kapital in Deutschland hält? Dafür wurden einstmals Genossenschaftsbanken gegründet, die jedoch in den letzten Jahren mehr Gewicht auf "Bank" als auf "Genossenschaft" gelegt haben.

Geben wir dem arbeitslosen Ruderer sein Ruder zurück. Stutzen wir die „Schmarotzer“ auf ein erträgliches Maß zurecht, dann wird diese Position zum Ruderer. Und wenn auch noch die Beamten die Produktivität fördern, anstatt sie zu gängeln und zu behindern, dann rudern in unserem stolzen Achter volle sechs Mann. Sicher, das sind keine acht, aber ganz ohne Passagiere geht es nicht, denn diese zwei verbliebenen Passagiere sitzen ebenso in den anderen Booten. Ach ja - und natürlich setzen wir die Ruder richtig ein, auf beiden Seiten des Bootes. Unter solchen Bedingungen ist so ein Achter sogar mit nur sechs Ruderern verdammt schnell. Wenn man es ihm erlaubt, sich von Ballast zu befreien und den eigenen Kurs zu fahren.

Ich habe diesen Text geschrieben, weil eine Krise zugleich eine Chance ist. Dieses Land wird in seinen Grundfesten erschüttert werden, was ihm tatsächlich die Chance zur Erneuerung gibt. Diese Erneuerung muß die Probleme überwinden, die hier dargestellt wurden. Deshalb halte ich es für wichtig, uns diese Probleme immer wieder vor Augen zu führen. Denn letztlich sitzen wir alle in diesem Boot.

© Michael Winkler