Schule? (19.8.2009)

Ja, ich weiß, das ist ein Dauerthema. Ein recht merkwürdiges noch dazu, denn gerade dafür müßte es von Fachleuten nur so wimmeln. Ich habe noch nie eine Blinddarmoperation durchgeführt, weder minimal-invasiv noch mit Tranchieren des Patienten. Ich habe noch nie ein Flugzeug gesteuert oder ein Messer geschmiedet. Die meisten meiner Leser dürften das ebenfalls noch nie getan haben, aber sie waren allesamt in der Schule. Alle Parlamentarier, sogar der Ex-Außenminister ohne Bildungsabschluß, haben mal eine Schule besucht, wenn auch mit unterschiedlichem Erfolg. Ganze Hundertschaften von Abgeordneten haben sogar Lehramt studiert (vermutlich mit eher minderem Erfolg), also sollten sie eine gewisse Mindestahnung besitzen, was in einer Schule passieren wollte.

In einem anerkannten Lehrbuch, das sogar ein Prof. Dr. Dr. "Joschka" Fischer verstehen würde, weil es zu einer Zeit als "Comic" verfaßt worden ist, in der solche Bücher noch "Bildergeschichten" genannt wurden, wird ein sehr wirksames pädagogisches Modell aufgezeigt, das selbst bei Kindern mit Migrationshintergrund Erfolge zeitigen würde. Heute würde das Buch von einem Professor geschrieben mindestens 400 Seiten umfassen und einen griffigen Titel haben wie: "Borderline Didaktik - eine Methodologie des Unterrichts im widerstrebenden Umfeld durch gezieltes Aufzeigen der Begrenzung der präpubertären Wirkmöglichkeiten". Wilhelm Busch hatte weder einen Professoren-, noch einen Doktor-Titel, deshalb durfte er sein Buch über "Borderline Didaktik" ganz einfach "Plisch und Plum" nennen. Er benötigte auch keine 400 Seiten, sondern nur sechs Bilder mit zugehörigen Kurzbeschreibungen der Handlung, um am Beispiel des Grundschullehrers Bokelmann erfolgreiche Didaktik aufzuzeigen.

Ich hatte nie Unterricht bei Herrn Bokelmann, bekam dafür von meiner Oma einen Hinweis auf die Erziehungsprinzipien von deren Eltern: Wenn sie oder eines ihrer Geschwister in der Schule eine "gefangen" hatte, war es besser, davon zu Hause nichts zu erzählen, denn meine Urgroßeltern waren der Ansicht, daß die Kinder nicht nur die Bestrafung durch den Lehrer verdient hätten, sondern auch noch eine Zugabe, damit die erzieherische Maßnahme der Schule auch wirklich beherzigt wird.

Persönlich erinnere ich mich an vier Ohrfeigen während 13 Schuljahren, also weniger, als das, was bei einer einzigen Schulhofrauferei ausgetauscht wird. Ich kann also nicht behaupten, meine Lehrer seien allesamt verhinderte Boxweltmeister gewesen. Sogar das Verhältnis von Männlein zu Weiblein ist mit 2:2 ausgeglichen, was der weiblichen Seite insofern ein schlagendes Übergewicht verleiht, als ich zu über 90% von männlichen Lehrern unterrichtet worden bin. Drei dieser vier Ohrfeigen halte ich heute für berechtigt, die vierte, in christlicher Nächstenliebe vom Herrn Kaplan mit besonderer Heftigkeit ausgeteilt, für grenzwertig. Böse bin ich dafür keinem, weder heute noch damals.

Soweit mein Opfer-Bericht aus den fürchterlichen Zeiten, als die Prügelstrafe noch toleriert worden ist. Ich halte die Prügelei nicht für das Allheilmittel in der Schulerziehung, aber, wie ich es bei dem professoralen Titel ausgedrückt habe, für "Borderline Didaktik", für das klare und eindeutige Aufzeigen der Grenzen, das Kinder in der Schule lernen müssen.

Ich lese hin und wieder in den Propaganda-Magazinen der freiheitsbeschränkenden demokratieaufhebenden Grundgesetz-Ordnung Berichte aus Hauptschulen. Da wird auf der einen Seite lamentiert, daß von 22 Schülern in der Abschlußklasse nur einer eine Lehrstelle bekommen hätte. Auf der anderen Seite wird berichtet, daß den armen Schülern leider so viel dazwischenkäme, wenn es ums Lernen ginge. Telephonanrufe, Einladungen zu Partys, schönes Badewetter, weniger schönes Merkelwetter, das auf die Stimmung drückt, eine Übertragung im Fernsehen... Ja, das Leben ist derart ausgefüllt, da haben die jungen Leute eben keine Zeit mehr für die Schule.

Von meinen früheren Mitschülern wäre damals keiner auf den Gedanken gekommen, deswegen auch nur die Hausaufgaben zu verbummeln. Mir mußten meine Eltern nicht sagen, daß die Schule wichtig sei, um mir das Rüstzeug für das spätere Leben zu geben. Vielleicht hätte ich das damals so formuliert, wenn mich jemand gefragt hätte, aber das war nicht nötig. Es war selbstverständlich, daß wir zur Schule gegangen sind, es war selbstverständlich, daß die Schule bestimmte, wie viel Freizeit wir übrig hatten. Und es war selbstverständlich, daß wir gerne mehr frei gehabt hätten.

Wenn uns damals etwas dazwischengekommen ist, dann die Schule, die unsere Freizeit eingeschränkt hat, und nicht umgekehrt!

Für unsere Lehrer war es kein Problem, 40 Grundschüler zu unterrichten. Es gab keine "Probleme mit der Disziplin". Es gab auch keine Eltern, die mit Anwälten in die Schule eingefallen sind, um über eine halbe Notenstufe zu streiten. Nachhilfe? Es soll welche gegeben haben... Ich weiß von einem Mitschüler (heute als Lehrer tätig), daß er damals Nachhilfe erteilt hatte. Waren wir damals so gut? Nein, wir waren ganz normale Schüler! Und ja, wir waren alle Deutsche. Ich kann mich gerade an einen Mitschüler erinnern, der einen "komischen Namen" hatte, viel melodiöser als wir Anderen, eben "Giorgio" statt "Georg". Damals war es kein Thema, daß der Junge italienische Eltern hatte, er war hier aufgewachsen und hatte keinerlei Akzent.

Ich glaube nicht, daß sich ein einziger meiner Lehrer Gedanken über "Persönlichkeitsbildung" gemacht hatte. Wir sind trotzdem keine "Untertanen" geworden, die alles schlucken und akzeptieren, was ihnen die Obrigkeit vorsetzt. Wir haben nicht rebelliert und nicht randaliert, sondern gelernt und studiert.

Eines der großen pädagogischen Unsinns-Experimente der damaligen Zeit war die "Mengenlehre". In der gymnasialen Mittelstufe wurde die in zwei Wochen abgehakt, aber damals hatten irgendwelche Idioten bzw. Ideologen die göttliche Eingebung, damit Erstkläßler zu traktieren. Kurt hat drei Äpfel und Anna hat fünf Äpfel, wie viele Äpfel haben sie zusammen? Das hat jedes Kind verstanden. "Die Menge der Äpfel von Kurt besitzt die Mächtigkeit von drei, die Menge der Äpfel von Anna besitzt die Mächtigkeit von fünf. Wie groß ist die Mächtigkeit der Vereinigungsmenge?" Klingt unsinnig, ist unsinnig und sagt nicht mehr als "3+5 = 8". Aber weil vermutlich seit Jahrtausenden die Kinder so gerechnet haben, mußte mit Gewalt etwas Neues in die Schulen eingetragen werden.

In diesen ganzen Jahrtausenden waren Lehrer Respektspersonen. "Das ist mein Lehrer" - das sagt aus, daß ich diesem Mann alles verdanke, was ich gelernt habe. Selbst, wenn ich den Lehrer heute bei weitem übertreffe, so hat dieser Lehrer das Fundament gelegt, auf dem ich aufgebaut habe. Und wenn das Fundament nicht stabil und tragfähig ist, entsteht darauf kein hoher Turm, sondern bestenfalls ein Geröllhaufen. Heute ist ein Lehrer eine Frau, die sich aus der Lebensrealität in die sichere Beamtenstelle einer Schule zurückgezogen hat, sie hat außerdem am Nachmittag frei und am Vormittag recht, bekommt 13 Wochen Ferien im Jahr und wandert entweder in die Politik oder mit 45 in die Frühpension.

Geändert haben sich nicht die Lehrer, sondern die Einstellung zu den Lehrern. Schwarze Schafe, untüchtige, faule Lehrer, hat es zu allen Zeiten gegeben. Ob Friseure oder Zimmerleute, ob Fischer oder Korbflechter - es gab und gibt in allen Berufen Leute, die diesen Beruf besser nicht ausüben sollten. In früheren Zeiten gab es eine "natürliche Auslese", der schlechte Lehrer wurde rausgeworfen und faule Fischer hatte die Wahl zu arbeiten oder zu verhungern. Als in Preußen die allgemeine Schulpflicht eingeführt wurde, hat der König keine "Pädagogische Hochschule" gegründet, sondern altgediente Feldwebel in die Schulen geschickt. Volksschullehrer war früher eine zweite Karriere, die Leute einschlugen, die bereits einen Beruf ausgeübt hatten. Lebenserfahren besuchten sie eine "Lehrerbildungsanstalt", um danach ihre Lebensweisheit an die Kinder weiterzugeben.

Die Lebenserfahrung heutiger Grund- und HauptschullehrerInnen beschränkt sich auf die Aktivitäten im Juso- bzw. Grünen-Ortsverein, monatlichen Diskussionen wahlweise zur Überwindung des Kapitalis- oder Faschismus und gelegentlichem Bierausschank bei "Mittelmietraching ist bunt". Diese Damen - die Schüler sagen wohl eher "Dämlichkeiten" - werden auf die Schüler losgelassen und glauben, während die bösen Kapitalis- oder Faschisten mit Härte bekämpft werden müssen, daß es bei Schülern, die kaum Deutsch verstehen, ausreicht, mit ihnen ausgiebig über die Vor- und Nachteile der Rechtschreibung zu diskutieren, um anschließend über die korrekte Schreibweise demokratisch abzustimmen. Per Mehrheitsbeschluß ergeben dann drei Äpfel und fünf Birnen sieben Bananen.

Richtig gute Erzieherinnen sind diese Damen nur zu Hause, wo der Ehemann eine gründliche Ausbildung in Hauswirtschaft und korrekter Benutzung der Toilette erhält. In der Schule sind sie mit 15 Kindern derart überfordert, daß sie sich kein eigenes zulegen. Wenig später ergreifen sie die Gelegenheit, um entweder in die Politik zu wechseln oder eine Frühpensionierung anzustreben.

Sollten sich Eltern an eine solche Lehrerin wenden - vorzugsweise auf Türkisch oder Arabisch - ist von Erziehungseifer nichts mehr zu spüren, da wird nur noch unterwürfig genickt und sich darüber gefreut, daß Mittelmietraching so herrlich bunt geworden ist. Gegen deutsche Eltern wird die Dame womöglich noch frech, deshalb empfiehlt es sich, entweder einen Anwalt mitzubringen oder selbst einer Partei zur Überwindung des Kapitalis- oder Faschismus anzuschließen.

Deutsche Kinder bekommen im Unterricht ein paar Grundrechenarten beigebracht, vor allem Additionen, die am Ende immer sechs Millionen ergeben. Die Vermittlung der deutschen Sprache beschränkt sich darauf, Anglizismen sinngerecht zu gebrauchen. Deutsche Klassiker werden zur Überwindung des Kapitalis- oder Faschismus nicht gelesen, dafür ausgiebig das aus dem Niederländischen übersetzte Buch eines an Typhus verstorbenen Mädchens. In Geschichte bekommen die lieben Kleinen beigebracht, daß ihre Großeltern allesamt Verbrecher gewesen waren.

Hat die Schule früher Wissen und Werte sowie Erziehung vermittelt, geht es heute darum, eine Persönlichkeit zu bilden. Und sollte diese Persönlichkeit zu einem jugendlichen Intensivstraftäter mit Migrationshintergrund heranwachsen, ist das nicht die Schuld der Schule, sondern jene des Staates, der einfach noch nicht genug zur Überwindung des Kapitalis- oder Faschismus getan hat.

Ehe jetzt jemand denkt, die Schuld liege bei den LehrerInnen - diese sind nicht die Ursache, sondern Symptome der Krankheit. Ein Volk, das seine Werte aufgegeben hat, bekommt Lehrer, die keine Werte mehr vermitteln können. Ein Volk, das sich unablässig einreden läßt, daß die eigene Geschichte nur zwölf Jahre umfasse und alle, die damals gelebt haben, Verbrecher gewesen wären, wird zum Opfer von Bildungsideologen, die bewährte Schulen mit unausgegorenen Experimenten überziehen. Ein Volk, das seine nationale Identität verleugnet, kann keine Zuwanderer integrieren, sondern sich nur selbst in der Zuwanderung auflösen.

Jene Lehrer-Persönlichkeiten, die ich vor 40, 45 Jahren erleben durfte, sind heute undenkbar. Ein pensionierter echter Volksschullehrer hat mir von einem Schulausflug erzählt. Seine Dorfkinder sind losgewandert, dann mit der Bahn nach Hause gefahren und einer der Väter hat die Klasse mit dem Leiterwagen vom Bahnhof abgeholt. Passiert ist - nichts. Die Kinder haben sich gefreut. Heute hätte der Lehrer eine Untersuchungskommission am Hals. Davon abgesehen, daß die Deutsche Bahn AG Kleinbahnhöfe nur noch selten anfährt, wäre der Leiterwagen ohne Kindersitze, Sicherheitsgurte, Überrollschutz, Knautschzone und Polizeieskorte eine absolute Sicherheitsgefährdung. Ein Klassenausflug ohne zweite Aufsichtsperson, Sanitäter und Notarzt in Bereitschaft ist sowieso schon strafwürdig. Womöglich hat sich der Lehrer auch noch unterstanden, die Kinder zeitweise aus den Augen zu lassen und sie so der Gefahr ausgesetzt, sich zu verirren.

Wir haben überbehütete Kinder herangezüchtet, die in einer überregulierten Schule zur Lebensuntüchtigkeit herangezogen werden. In den Kinderfilmen, die in meiner Jugend gezeigt wurden, gingen die Kinder in die Schule, haben ihre Hausaufgaben erledigt und ihre Abenteuer danach erlebt. In den heutigen Kinderfilmen kommt die Schule kaum noch oder gleich gar nicht vor. Die Kinder haben rund um die Uhr Ferien, können jederzeit das tun, was sie wollen. Ansprechpartner ist da nicht der Lehrer, sondern eher ein Agentenausbilder.

Im Werbefernsehen bekommen Kinder fortwährend Schokoriegel oder Fertigpudding, sie erhalten Spielsachen geschenkt, ohne jede Gegenleistung. Die Werbung gab es in den 60er Jahren zwischen 18 und 20 Uhr, in kurzen Blöcken, zwischen den Vorabendserien. Zu der Zeit war ich mit den Hausaufgaben fertig und bin vom Spielen zum Abendessen nach Hause gekommen. Heute läuft Werbung rund um die Uhr, in kindgerechten Fernsehkanälen kommt kindgerechte Werbung. Die lieben Kleinen werden schnell an die Konsumgesellschaft herangeführt. Schule ist leider langweiliger als "Bakugan".

Damals waren Schule und Freizeit strikt getrennt. Ich kann nur schätzen, wie oft ich damals mit meinen Freunden telephoniert habe, vielleicht einmal im Monat. Wenn wir uns treffen wollten, haben wir uns in der Schule abgesprochen und waren zur ausgemachten Zeit am ausgemachten Ort. Nichts Besonderes? Oh, das hat zur Persönlichkeitsbildung beigetragen! Wir haben Absprachen getroffen, mußten unseren Tagesablauf auf diesen Termin hin organisieren und dann diese Absprachen einhalten.

Heute geht es ohne Mobiltelephon nicht mehr. Es gibt keine Absprachen, sondern Absichtserklärungen. Wer, wann und wo wird spontan ausgehandelt. Dann kommt eben "etwas dazwischen". Und wer keine Lust hat, ins Schwimmbad zu gehen, organisiert schnell und einfach um. Der Zehnjährige von heute hat seine Freunde immer in Greifweite, sofern seine Eltern die Rechnung bezahlen. Das Internet hilft ebenfalls, miteinander in Kontakt zu bleiben. E-Mail oder Chat, skypen oder twittern, es geht immer alles. Dann kommt eben wieder "etwas dazwischen."

Wenn wir damals Probleme mit den Hausaufgaben hatten, mußten wir uns "mit Bordmitteln" behelfen. Also im Schulbuch nachschlagen, im Lexikon oder eben tüfteln, bis die Lösung sich offenbarte. Heute hilft der Rechner. Irgendwo im Netz steht schon die Lösung. Aus problemlösendem Denken ist problemlösendes Suchen geworden. Sollte nicht einmal das helfen, beruft man als gut ausgestatteter Schüler eine Videokonferenz ein, um gemeinsam die Lösung zu finden und per Mail auszutauschen. Warum jahrelang trainieren, um 100 Kilo zu stemmen, wenn überall Kräne herumstehen? Das gibt zwar keine Muskeln, dafür hat man viel Zeit, Bier zu trinken.

Die Schule ist völlig aus dem Ruder gelaufen. Der Ort, an dem Kinder für das Leben lernen sollen, ist zu einer Institution geworden, in der Kinder für das Leben verdorben werden. Wenn moderne "Pädagogen" propagieren, daß die ersten Jahre keine Noten vergeben werden, um den Kindern den "Leistungsstreß" zu ersparen, erzieht das zur Untüchtigkeit. Das Leben erwartet Leistungen, die Bewertungen erfolgen immer und überall. Nicht einmal Politiker werden ohne Leistung nach oben gespült, auch wenn deren Leistung höchstens der Partei, aber nie dem Volk nützt. Wir leben in einer Welt des Mangels und demzufolge in einer Welt der Konkurrenz. Selbst im Kultusministerium gibt es weniger Posten als Leute, die auf diese Posten befördert werden wollen. Der Aufstieg erfolgt nur durch Leistung, ob nun durch fachliches Können oder durch Parteibuch, ob durch Erfolge oder Elternhaus, ob durch Ideen oder richtige Religionszugehörigkeit - in irgendeiner Form taucht sie immer auf, die Leistung und die Prüfungssituation. Wer Kinder davor verschonen will, erzieht Erwachsene, die in Prüfungssituationen verzweifeln.

In der Wissenschaft gibt es die Erkenntnis, daß sich eine Theorie dann durchsetzt, wenn ihre Gegner weggestorben sind. Um ein Volk zu vernichten, ist der beste Weg, die Schulen zu korrumpieren. Es geschieht unmerklich, mit Kleinigkeiten. Die Mengenlehre, die Sechsjährige überfordert, ist ein Baustein für das Gefängnis, in das die Bildung geworfen wurde. Der einzige Klassiker, den ich in der Schule lesen "mußte", war Don Carlos. Dafür haben wir dreimal die Science-Fiction behandelt, Max Frisch und Alexander Solschenizyn gelesen. Anne Frank bin ich noch entkommen, die wurde erst später zur Pflicht, als die Mauer schon höher geworden war. Wir haben nie ein Technikmuseum besucht, dafür blieb uns auch ein Konzentrationslager erspart. Die neue deutsche Schlechtschreibung, die es erschwert, alte Bücher zu lesen, weil ständig die "falsche" Schreibweise aufstößt, ist ein gezielt inszenierter kultureller Bruch.

Wenn heute Finnland das beste Schulsystem der Welt hat, dann liegt das nicht an der besseren Konzeption finnischer Schulen, sondern an den Fehlern der deutschen Politik. Wobei Fehler das falsche Wort ist, denn unsere Politiker machen keine Fehler. Sie handeln in voller Absicht, um das, was einst vorbildlich und deutsch gewesen ist, aus den Schulen zu verbannen. "PISA" zeigt nicht das Versagen der Schule auf, auch nicht die Unfähigkeit der Lehrer. Die Ergebnisse zeigen noch nicht einmal auf, daß die "Migranten" den Bildungsschnitt nach unten ziehen. Eines zeigen sie hingegen ganz klar: Den Hochverrat am deutschen Volk durch Politiker, die sich dafür auch noch von diesem Volk bezahlen lassen.

© Michael Winkler