Zinsen - eine neue Betrachtungsweise (20.7.2011)

Ich habe über Zinsen schon des öfteren geschrieben und noch mehr darüber gelesen. In den ganzen Betrachtungen wurde jedoch immer nur die negative Seite abgehandelt, die ansteigenden Schulden. Dabei erleben wir unablässig, daß es der positive Teil ist, die geschaffenen Guthaben, die unsere Finanzmärkte durcheinander wirbeln.

Geld entsteht dank der doppelten Buchführung durch Paarbildung, das heißt, jedem positiven Euro Guthaben steht ein negativer Euro Schulden gegenüber. Die "Urzeugung" des Geldes findet in der Notenbank statt, die zumeist die Zentralbank eines Landes ist. Hier entstehen das erste Geld (der "lichte Zwilling") und die ersten Schulden (der "dunkle Zwilling"). Jeder einzelne Cent besitzt eine lichte und eine dunkle Seite, wird der Cent als Schuldentilgung zurückbezahlt, hören beide auf zu existieren.

Natürlich lösen sich Münzen und Scheine nicht auf, doch diese sind nur eine Form, in der das eigentliche Geld "Gassi" geführt wird. Das wirkliche Geld sind Bits und Bytes, sind die Summen in der Buchhaltung, die dem Werden und Vergehen unterliegen. Das Geld der Zentralbank ist dabei das Saatgut, mit dem in den Geschäftsbanken weiteres Geld geschaffen wird, als Schulden und Guthaben. Dieser Mechanismus wurde hinreichend oft beschrieben, Einlagen werden ausgeliehen, zu neuen Einlagen und diese wiederum zu neuen Ausleihen, deshalb begnüge ich mich mit dieser Kurzfassung.

Die bisherige Betrachtungsweise

Die Bank bzw. das Bankensystem schöpft Geld und stellt dieses der Wirtschaft zur Verfügung. Die Wirtschaft kauft damit Rohstoffe, bezahlt Löhne, verkauft Waren, kurz gesagt, sie arbeitet mit diesem Geld. Der negative Zwilling, in der Bank verbliebene Zwilling, die Schulden, "arbeitet" auch. Zumindest behauptet die Bank, daß dieses Geld arbeitet, in Wirklichkeit bucht der Bankrechner in gewissen Zeitabständen den Betrag hoch, ohne menschliches Zutun. In der guten alten Zeit geschah das "von Hand", der Geldverleiher schlug den vereinbarten Betrag auf und kassierte Darlehen und Zinsen.

Ob nun 50 Euro oder 50 Milliarden in der Wirtschaft kreisen, sobald der erste Cent an Zinsen anfällt, entsteht ein Problem: dieser Cent ist in der Wirtschaft nicht vorhanden, er übersteigt die ausgegebene Geldmenge. Der bisherige Lösungsansatz war, daß der nächste Schuldner sich Geld holt und aus diesem Geld die Zinsen für die erste Entleihe bezahlt werden. Dieses Modell hat den Vorteil, daß das Schneeballsystem leicht zu begreifen ist, ebenso sein ständiges Anwachsen und schließlich sein Zusammenbrechen, wenn die Schulden zu stark angewachsen sind.

Doppelte Buchführung

Der Natur wird ein "Horror vacui" unterstellt, ein Abscheu vor der Leere. In der Buchhaltung gibt es diesen Abscheu vor der Leere tatsächlich, Schulden und Guthaben sind immer gleich hoch, da gibt es keinen Leerraum oder Überhang einer Seite. Meine Schulden sind für den Gläubiger Guthaben, die er bei mir hat, und meine Guthaben sind für die Bank Geld, das sie mir schuldet. Deshalb sind die Zinsen, die auf die Schulden aufgeschlagen werden, ein Guthaben, über das die Bank verfügen kann.

Für die Verdeutlichung möchte ich Oma Tüttelbek bemühen. Sie hat sich 100 Euro von ihrer Rente abgespart und diese bei Sparkasse Nordoosterstedt eingezahlt. Diese hat Herrn Otto Lebemann einen Kredit über 100 Euro gegeben. Nach einem Jahr sind darauf fünf Prozent Zinsen fällig. Herrn Lebemanns Konto weist damit -105 Euro auf. Die Beute wird verteilt, die Oma bekommt zwei Prozent Zinsen und hat jetzt +102 Euro auf dem Sparbuch stehen. Ein Euro fließt als Gehälter an die diversen Bankangestellten, ein weiterer Euro dient dem Unterhalt des marmornen Schlosses, in dem die Sparkasse residiert, und der letzte Euro fließt als Gewinn an die Bankeigentümer, in diesem Fall die Gemeinde Nordoosterstedt.

Die in der alten Betrachtung fehlenden fünf Euro werden also tatsächlich erzeugt und sie fließen in die Wirtschaft zurück. Oma Tüttelbek beschenkt ihre Enkel und damit landen die Zinsen im Bonbonladen. Die Bankangestellten geben ihre Gehälter für Lebensmittel und Saunabar-Besuche aus, der Unterhalt der Gebäude wird zu Löhnen für die Bauarbeiter und die Gemeinde Nordoosterstedt baut dafür Krötenwanderwege. Und womöglich geschieht ein Wunder und alle fünf Euro sammeln sich bei Herrn Lebemann, der damit 105 Euro in Scheinen Gassi führt.

Die stimulierende Phase

Der erste Abschnitt im Lebenszyklus eines Papiergeldsystems profitiert von den Zinsen. Die Zinsen fließen vollständig in die Wirtschaft, erhöhen das Kapital und fördern den Geldfluß. Wenn ich dazu Jahreszahlen nennen soll, dann dürften das die Jahre zwischen 1948 und 1958 sein, das erste Jahrzehnt der D-Mark. Die Kreditzinsen fließen als Gehälter in den Wirtschaftskreislauf zurück, die Banken bauen ihre Gebäude wieder auf, die Bankeigentümer sind auf den Gewinnanteil als Einkommen angewiesen. Hinzu kommt der konsumtive Bedarf der Sparer, die ihre Wohnungen einrichten und dafür sparen, also ihre Sparzinsen wieder ausgeben.

In dieser Phase bezahlt der Kreditnehmer mit seinen Zinsen ein Extragehalt an die Gemeinschaft. Dieses Gehalt beflügelt und stimuliert die Wirtschaft. Insofern haben Zinsen in dieser Zeit eine positive Wirkung, es gibt relativ wenige Personen, die leistungslos von ihren Kapitalerträgen leben können.

Die akkumulierende Phase

Je mehr Geld in der Wirtschaft umläuft, desto mehr dunkle Zwillinge stehen in den Schuldbüchern. Je höher die Schulden steigen, desto höher werden die Zinserträge. Die Banken- und Versicherungspaläste stehen, die Zeit des Personalmangels ist vorüber, die Gehälter steigen nicht mehr so schnell wie früher. Der Anteil der Guthabenzinsen bleibt konstant, dafür wächst der Anteil der Bankeigentümer. Von nunmehr zehn Euro Zinsen des Herrn Lebemanns bekommt die Oma vier Euro, die Bankangestellten 1,50 Euro, das Bankgebäude verschlingt 1,50 Euro und die Bankeigentümer erhalten drei Euro. Weiten die Bankeigentümer ihren Konsum im selben Maße aus wie die Angestellten, ist alles in Ordnung, denn das Geld fließt weiter in die Wirtschaft. Man kann von Schnitzel auf Hummer umsteigen, von Bier auf Champagner, doch satter als satt geht nicht. Der Konsum stößt schließlich an eine Grenze und damit wird aus den Zinseinkommen Kapitalzuwachs.

Wir befinden uns jetzt im zweiten und der ersten Hälfte des dritten Jahrzehnts der D-Mark, die Jahre 1958 bis 1973. Wir erleben in dieser Zeit die erste Schuldenkrise der BRD und die letzte Haushaltskonsolidierung, bevor unter Herbert Frahm die Staatskassen geplündert werden und der Marsch in den Schuldenstaat beginnt. 1971 kappt das Papiergeldsystem die Ankertaue, die es noch mit dem Gold verbunden haben und 1973 haben wir die erste Ölkrise. Dies ist die Zeit der rauchenden Schlote, Geld wird in der Industrie verdient.

Das Geld häuft sich jetzt bei den Bankeigentümern an. Das alte "Extragehalt" wird weiterhin bezahlt, doch daraus fließt Geld in "Schatzkammern". Das leistungslose Einkommen wächst und mit ihm die Zahl derer, die Geld mit Geldgeschäften verdienen.

Die Phase der Gier

Gier steuert die nachfolgenden Phasen ebenso, doch jetzt, in der absoluten Hochzinsphase, tritt die Gier noch altbacken zu Tage. Es sind die Jahre von 1973 bis 1983, als Geldanleger haben Sie damals Pfandbriefe zu 8½ oder Sparbriefe zu 9% bekommen, die USA zahlen auf 30jährige Anleihen über 15% Zinsen. Bundeskanzler Schmidt riskiert fünf Prozent Inflation und bekommt trotzdem fünf Prozent Arbeitslose. Die USA taumelt in dieser Zeit durch das Vietnam-Trauma, als moralisch zerstörte Supermacht.

In dieser Zeit wird Geld mit Zinsen verdient, also mit dem bewährten Geschäftsmodell. Das liegt unter anderem auch daran, daß die Banken in den USA noch durch Gesetze eingeschränkt sind, durch deren Aufhebung ("Liberalisierung") die nächste Phase eingeleitet wird. Hohe Zinsen sorgen für hohe Profite auf der Bankenseite, sie gefährden jedoch die Existenz des Schuldners. Ein Parasit, der seinen Wirt schnell tötet, geht genauso schnell mit seinem Wirt unter. Denken Sie bitte an die Paarbildung, den dunklen und den lichten Zwilling. In dem Augenblick, in dem der dunkle Zwilling durch Insolvenz des Schuldners stirbt, verschwindet auch der lichte Zwilling, das Guthaben der Bank. Die Hochzinsphase schadet also nach einer gewissen Zeit den Banken, deshalb müssen diese andere Erwerbszweige finden, um das angehäufte Geld "arbeiten" zu lassen.

Die Banken haben in dieser Phase schon die Macht über Volkswirtschaften erlangt. Nicht mehr Öl, sondern Geld ist der wichtigste Schmierstoff der Wirtschaft geworden. Ein Viertelprozent Zinsen mehr oder weniger entscheiden über die Zukunft. Jetzt verfügen die Banken über den Hebel, um alle sie einschränkenden Gesetze aus der Depression ab 1929 zu überwinden. Die Lehren aus jenem Zusammenbruch sind vergessen, jene, die aus den damaligen Vorgängen gelernt haben, waren gestorben. Das Raubtier des Kapitalismus' wird entfesselt.

Börsenspiele

Es sind nicht die Schulden, sondern ihr Gegenstück, die durch Zinsen aufgeblähten Guthaben, die das Finanzsystem in die nächste Runde treiben. Die Zinsen sorgen für das leistungslose Grundeinkommen, denn obwohl sie in den Jahren 1983 bis 2000 nominal sinken, steigen sie in ihrer absoluten Höhe an. Zwölf Prozent von 100 Milliarden sind eben deutlich weniger als acht Prozent von einer Billion. Oma Tüttelbek, Otto Lebemann und die Sparkasse Nordoosterstedt sind in diesem Schauspiel unwichtige Statisten, nicht mehr als lebende Kulissen.

Hauptdarsteller sind die großen Investmentbanken, die jetzt mit den Aktien spielen. 1987 stolpern die Aktien noch einmal, dann geht es richtig los. Microsoft und SAP, Cisco und Amazon - die Börsenraketen hoben ab. Manche, wie EM-TV und Enron, sind mit spektakulärem Feuerwerk geplatzt, andere, wie die Deutsche Telekom oder Daimler-Chrysler, haben das Geld der Anleger säckeweise verbrannt.

Die Kunst des Aktienbesitzes ist, auf die junge Aktie aufspringen, sie zu reiten, bis sie den Höhepunkt ihrer Leistungsfähigkeit erreicht hat, und dann einen Dummen zu finden, der sie einem abnimmt, bevor sie abstürzt. Der Kleinanleger spekuliert mit eigenem Geld, die Hochfinanz mit den Zinsgewinnen, die sie in den vorherigen Phasen angehäuft haben. Perfekt wird das Spiel, wenn das Sparkapital der Kleinanleger durch die Aktien in die Taschen der Großkapitalisten wandert. Dazu werden Oma Tüttelbek ein paar Aktien angedreht, die ja so schön gestiegen sind. Das heißt, das Sparbuch der Oma sichert die Gewinne der Banken ab.

Die Banken sind ja so kulant... Wenn Sie 20.000 Euro vom Sparbuch abheben, bezahlen Sie Vorfälligkeitszinsen. Wenn Sie für diese 20.000 Euro Aktien kaufen und im Depot Ihrer Bank lagern, verzichtet die Bank überaus großzügig auf diese Vorfälligkeitszinsen. Das kann sie auch, denn Sie bezahlen ja die Maklerprovision und ab sofort Depotgebühren, und Sie tragen das Risiko, wenn die großartige Empfehlung des netten Bankberaters sich weniger großartig entwickelt als versprochen.

Die Börsenspiele werden durch den Geldüberhang vorangetrieben, und sie enden, wenn die Ernte eingebracht wird. Der Raubzug des Großkapitals hat in dieser Phase die Ebene der Zinsen verlassen, jetzt wird den kleinen und mittleren Anlegern das Kapital selbst entzogen. Geld wird nicht mehr nur durch Geld verdient, sondern durch Geld geraubt. Die Handlanger und Henkersknechte des Großkapitals bekommen ein paar Brosamen hingeworfen, die ach so horrenden Bonuszahlungen sind in vernünftig geführten Unternehmen nicht mehr als ein angemessenes Schweigegeld.

Casinomentalität

Mach Geld, mach mehr Geld, mach noch mehr Geld - das ist nicht nur das Motto der Scientologen, sondern auch das Motto der Hochfinanz in der Casino-Phase. Sie läuft seit dem Platzen der Aktienblase und hält derzeit immer noch an. Die Lehman-Pleite und die Turbulenzen von 2008 sind nichts weiter als eine kleine Schießerei am Pokertisch; die Leichen werden hinausgeschleift und die Partie fortgesetzt.

Das Manöver, das mit den Aktien so gut geklappt hat, wird jetzt auf anderen Ebenen praktiziert. Die Immobilienblase in den USA befolgte die gleichen Regeln. Das Geld der kleinen und mittleren Anleger wird eingesammelt, es werden "Subprime"-Kredite ausgegeben, die in Paketen versteckt und an unerfahrene Banken weltweit verteilt. Dabei gibt es wieder einmal rein zufällig ein paar jüdische Besonderheiten. Die Banken der Wall-Street, die davon profitieren, sind zufällig in jüdischen Händen, Alan Greenspan ist zufällig Jude und reist als Berater durch Deutschland, kurz bevor die deutschen Banken den amerikanischen Schrott aufkaufen und Israel ist laut eigener Aussage das einzige Land, das dank einer glücklichen Fügung nicht unter der Finanzkrise leidet. Daraus Zusammenhänge zu konstruieren ist natürlich böswillige Verschwörungstheorie.

In der Casino-Phase wird mit allem gezockt, mit dem sich unwissende Anleger ausnehmen lassen. Derivate, also abgeleitete Werte auf andere Werte, werden nach Belieben konstruiert. Sie können auf die Wertentwicklung einer Aktie wetten, Sie können auf den Ausfall von Krediten wetten, Sie können selbst noch auf Wetten wetten. Selbst Finanzmathematiker haben Schwierigkeiten, das zu verstehen, was ihre Kollegen da gerade auf den Markt bringen. Sie als Anleger haben keine Chance, Sie spielen Roulette nach Regeln, die Ihnen nicht erklärt werden, und bei dem Sie nicht wissen, ob sich die Kugel im Roulette-Kessel dreht oder in einer Revolvertrommel.

In dieser Phase werden Sachwerte eingesammelt. Greenspans willige Vollstrecker, Schröder, Fischer, Eichel, haben die alte "Deutschland-AG" aufgelöst, die gegenseitige Beteiligung und damit Absicherung deutscher Aktiengesellschaften. Diese sind heute keine wirklichen deutschen Firmen mehr, ihre Produktionsstätten liegen zum großen Teil im Ausland und ihre Aktionäre sitzen ebenfalls im Ausland. Sind Sie sicher, daß Ihr Rathaus noch Ihnen bzw. Ihrer Stadt gehört? Daß Ihr lokales Wasserwerk noch in deutschem Eigentum steht? Da wurde sehr viel verkauft, mit Cross-Border-Leasing. Diese Geschäfte wurden von einem erstklassigen Versicherer abgesichert, das steht so in den Verträgen. Der Versicherer hieß einst AIG und ist heute nicht mehr erstklassig. Daraufhin wurden diese Verträge teuer, sehr teuer - und bezahlen müssen Sie, die Bürger.

Nicht der dunkle Zwilling, der Schuldendollar zerstört die Finanzwelt, sondern sein lichter Bruder, der Guthabendollar. Das Kapital, das einstmals durch Schuldzinsen aufgebaut wurde, vagabundiert um die Welt. Es kostet Arbeitsplätze, die "unrentabel" werden, dank der Globalisierung. Wenn ich eine zwanzig Jahre alte Fabrik abreiße und neu baue, arbeitet die neue Fabrik immer effizienter und profitabler, ob ich sie nun neben der alten Fabrik errichte oder 10.000 Kilometer weit entfernt. Das haben wir in den 50er Jahren erlebt, als auf den Trümmern des Weltkriegs die modernste Industrie jener Zeit gebaut wurde.

Das grundlegende Spiel wird weiterhin betrieben, Geld aus dem Nichts erzeugt, als Guthaben und Schulden. Dabei werden mehr und mehr Schulden generiert, um über die Gegenbuchung noch mehr Geld in die jetzt schon unergründlichen Taschen der Hochfinanz zu spülen. Betrachten Sie Griechenland - das Faß ohne Boden, Rating BH - Black Hole - weil jeder Euro, jeder Cent, der nach Griechenland im Rahmen der Rettungspakete fließt, unwiederbringlich verloren ist. Die Kredite sind innerhalb des Bankensystems abgesichert, Credit Default Swaps (CDS) wurden massenhaft abgeschlossen. Trotzdem hat die EU und damit vor allem der deutsche Steuerzahler eine zusätzliche Garantie für Griechenland gegeben. Warum? Damit die armen Banken ihre Guthaben nicht antasten müssen, wenn Kredite ausfallen und das Geld fällig wird. Statt dessen werden die Steuerzahler ausgeplündert.

Es gibt heute so viel Geld wie nie zuvor. Das heißt jedoch, daß es noch nie zuvor so viele Schulden gegeben hat. Die Zinsen sind nominal niedrig, doch in ihrer Summe so hoch wie nie zuvor. Dieses Geld ist jedoch eine Illusion, es besteht aus Bits und Bytes. Dieses Geld wird schließlich implodieren, im finalen Raubzug des Großkapitals.

Kontraktionsphase

Sind wir schon so weit? Lichter und dunkler Zwilling, das heutige Geld besteht immer aus Guthaben und Schulden. Sobald der Schuldner zahlungsunfähig wird, lösen sich seine Schulden auf, werden uneinbringlich und damit wertlos. Die Gegenbuchung, das Guthaben, löst sich ebenfalls auf. Ein paar Milliarden verkraftet das Finanzsystem, doch wie sieht es aus, wenn ein paar Billionen verschwinden?

Banken sind Kartenhäuser, das ist ihr Gründungsfehler. Schon eine kerngesunde Bank hat ein Eigenkapital von fünf Milliarden und stemmt damit eine Kreditsumme von 100 Milliarden. Diese Bank ist stocksolide, keine Derivate, keine irgendwie gearteten Besonderheiten, nicht einmal griechische Anleihen, nur Sparbücher und Firmenkredite. Eine Firmenpleite kann die Bank ertragen, doch selbst wenn es nur ein einziges Prozent ihrer Kreditsumme ist - vorher hatte sie ein Verhältnis von Eigenkapital zu Kredit von 1 : 20, jetzt sind es (gerundet) 1 : 25. Die Pleitefirma ist Zulieferer und Kunde für andere Firmen, deren Geschäft nun ebenfalls bedroht ist. Bei der nächsten Pleite steigt das Verhältnis auf 1:: 33....

Was passiert, wenn ein Großschuldner ausfällt? Nun, das Eigenkapital der Bank ist weg, die Bank selbst pleite. Sie darf keine Kredite mehr vergeben. Unsere Musterbank hat fünf Milliarden verloren, 95 Milliarden wurden nicht angetastet, den Krediten stehen Einlagen in gleicher Höhe gegenüber, doch die Verwaltungsinstanz, die Bank, ist verschwunden. Die Finanzmärkte gehen in eine chaotische Phase über. Ohne Banken keine Kredite, folglich geraten weitere Firmen in Schwierigkeiten. Die schönen Konstruktionen im Finanz-Casino lösen sich auf, jetzt fällt ein Dominostein nach dem anderen.

Geld und Schulden verschwinden, Guthaben lösen sich auf, weil die Schuldner über die Wupper gehen. Wer rechtzeitig ausgestiegen ist, hat sein Geld vom Casino-Tisch genommen und in dauerhaftere Werte als Papier umgeschichtet. Firmenbeteiligungen, Grund und Boden, Rohstoffe, Gold und Silber - alles, was nicht mit dem Papier implodiert. Der Trick für den finalen Raubzug besteht darin, keine Guthaben mehr zu besitzen, wenn diese im "Big Crunch" untergehen.

Oma Tüttelbeks Sparbuch ist bereits verloren. Kleine, mittlere und sogar große Vermögen sind längst im Feuer. Die Zeit läuft ab, und leider habe ich keine guten Nachrichten. Wenn die Finanzwerte implodieren, beginnt eine große Depression.

Die Fronten für die sozialen Unruhen sind bereits aufgestellt. Die "Zuwanderer" in Merkeldeutschland werden hofiert und von der Justiz bevorzugt, um die Feindseligkeit der Deutschen zu wecken. Wenn diese Bevorzugung und diese Alimentierung nicht mehr finanzierbar ist, wächst die Feindseligkeit in dieser Bevölkerungsgruppe. Teile und herrsche, denn wenn die Leute sich untereinander kloppen, lassen sie die Regierung und die Hochfinanz in Ruhe.

Der Raubzug dient dazu, daß am Ende jene Leute, die heute das Geld und die Macht haben, auch nach dem Big Crunch noch das Geld und die Macht besitzen. In der Depression von 1929 ist ihnen das gelungen, und jedes Land, das wie das Deutsche Reich aus ihrem Spinnennetz ausscherte, wurde gnadenlos vernichtet. Die Angst vor Deutschland ist so groß, daß wir seit 66 Jahren umerzogen und mit Schuldkomplexen vollgepumpt werden, damit wir schön brav auf Linie bleiben und in die größte Depression der Geschichte taumeln.

Was wird diesmal anders sein? Vom Schwarzen Freitag 1929 bis zum offiziellen Kriegseintritt der USA 1941 befand sich das Land in einer schweren Depression, doch es war ein Industrieland. Die Fabriken existierten, man mußte nur die Leute an die Arbeitsplätze holen. Heute sind diese Arbeitsplätze nach China ausgelagert, die Maschinen entweder verschrottet oder gleich mit nach China geliefert worden. Die USA sind heute kein Industrieland mehr. Zu einem Produktionskrieg wie 1941 sind sie nicht mehr fähig. Wird heute ein US-Flugzeugträger versenkt, kommen nicht wie damals zwei größere und modernere an die Front, sondern jahrelang nichts mehr. Die überragende US-Militärmacht schafft nur noch einen Potentialkrieg, sie hatte bereits Schwierigkeiten, ihr Militär im Irak und in Afghanistan mit Munition zu versorgen.

Der Krieg wird trotzdem kommen, der letzte Versuch einer sterbenden Weltmacht, ihr Imperium zu behaupten. Danach wird eine neue Zeit anbrechen, eine Zeit, in der wir hoffentlich aus den Fehlern der Gegenwart gelernt haben.

© Michael Winkler