Verdrängen (25.1.2012)

Ich werde immer wieder gefragt, wieso die Menschen so blind sind, wieso sie nicht erkennen, was um sie herum abläuft. Warum durchschauen sie das Spiel der Mächtigen nicht, warum darf ihnen der Dienstwagenadel der Mittelmäßigkeit auf der Nase herumtanzen? Wieso begreifen sie nicht einmal, daß ihre Spargroschen für die Milliardenschulden der Staaten haften, daß schon jetzt alles verloren ist, was nicht in Gold und Silber in Sicherheit gebracht wurde?

Ich gestehe, in manchen verzweifelten Momenten frage ich mich das auch, dann, wenn zeitweise die Depression das vernünftige Denken übermannt.

Damit nähern wir uns auch schon dem Kern des Problems: Singletasking. Der Begriff stammt aus der Informations-Technologie und besagt, daß ein Rechner mit einer einzigen Aufgabe beschäftigt ist. Auf PC-Systemen war dieses Singletasking bis etwa 1995 Standard, seit etwa 2000 haben sich Multitasking-Systeme durchgesetzt. Wobei dieses Multitasking nur dem Menschen so vorkommt, solange es nur einen Prozessorkern gibt. Dann wird eine Aufgabe für eine gewisse Zeit bearbeitet ("Zeitscheibe"), anschließend wird diese Arbeit stillgelegt und die nächste Aufgabe bekommt ihre Zeitscheibe. Schon bei ein paar Zeitscheiben pro Sekunde sieht es so aus, als arbeite der Rechner an allen Aufgaben gleichzeitig. Seit 2005 gibt es Rechner mit mehreren Prozessorkernen ("Dual-Core", "Quad-Core"), bei denen jedem Kern ein eigener Prozeß zugeordnet werden kann, die folglich echtes Multitasking durchführen.

Wir Menschen haben nur einen Prozessorkern - unser Gehirn - und sind somit auf Singletasking ausgelegt. Wir arbeiten ebenfalls mit Zeitscheiben. Ich schreibe ein paar Worte - eine Zeitscheibe -, unterbreche, um einen Schluck Besatzerbrause zu trinken - wieder eine Zeitscheibe - und schreibe weiter. Mit dem Glas in der Hand kann ich nicht tippen...

Doch das ist nur die halbe Wahrheit, in Wirklichkeit haben wir Menschen mindestens drei Prozessorkerne. Ich verdaue, atme, lasse meine Haare und Fingernägel wachsen - das alles steuert ein weiteres "Gehirn", das auf der äußeren Magenwand sitzt. Das ist gewissermaßen der Maschinist, der die Routineaufgaben erledigt und so dafür sorgt, daß die Kommandobrücke - das Kopfgehirn - sich mit anderen Aufgaben befassen kann.

Das Kopfgehirn besteht aus zwei Hälften, der "rationalen" und der "kreativen" Hälfte. Dieses könnte man ebenfalls aus "Dual-Core" ansehen, als zwei Prozessorkerne, die an der gleichen Aufgabe arbeiten. Auf ihnen läuft jedoch noch ein "Unterprozeß" der Sinnesabfrage. Selbst wenn ich noch so sehr ins Schreiben vertieft bin, höre, sehe, rieche und fühle ich zusätzlich. Brandgeruch, das Klingeln des Telephons, der Stich einer Biene, ein plötzliches Aufblitzen - das alles nehme ich wahr, obwohl ich gerade beschäftigt bin.

Es gibt noch einen weiteren Prozessor, dessen wir uns weniger bewußt sind: das Unterbewußtsein. Wahrnehmungen und Beobachtungen fließen dort ein, selbst Informationen, die unserem Bewußtsein entgangen sind. Dieses Unterbewußtsein liefert dem Arbeitsprozeß im Bewußtsein weitere Daten, die diesen Prozeß fördern oder hemmen. Wenn Sie bei mir eine Formulierung besonders gelungen finden, war das oft ein Schub aus dem Unterbewußtsein, eine Verknüpfung, auf die der rationale Verstand nicht gekommen wäre.

Das Bauchgehirn wird im Folgenden keine Rolle spielen, die drei anderen Instanzen, das rationale Bewußtsein, das assoziative Bewußtsein (= die kreative Hirnhälfte) und das Unterbewußtsein hingegen sind wichtig, um das Verhalten der Menschen zu erklären.

Drehen wir unsere Armbanduhr um etwa 100.000 Jahre zurück. Entgegen dem allgemeinen Klischee in Bilderwitzen bestand die Brautwerbung schon damals nicht aus einem Keulenhieb und der anschließenden Vergewaltigung der Angebeteten. Da wurde geprotzt, es gab Geschenke, der Mann redete, die Frau zierte sich - wie heute auch. Jetzt lassen wir einen Löwen brüllen. 30 Meter nah und das Männchen hat schlagartig andere Sorgen. 1.000 Meter fern und das Männchen verdrängt das mögliche Problem, das Weibchen ist weitaus interessanter und wichtiger.

Lassen wir eine kleine Menschenhorde durch die afrikanische Savanne streichen. Sie braucht Tag für Tag Nahrung und Wasser, muß gefährlichen Tieren ausweichen und einen sicheren Schlafplatz finden. Früh am Morgen ist der Schlafplatz uninteressant, da geht es um Wasser und dann um Nahrung. Ein Platz, an dem die Weibchen ihre Kinder zur Welt bringen können, an dem die Gruppe ein paar Tage verweilen kann, ist unwichtig, wenn gerade niemand trächtig ist. Die Stelle, an denen es Feuersteine gibt, ist ebenfalls unwichtig, wenn die Gruppe versorgt ist. Wasser und Nahrung, die übliche Vorsicht vor wilden Tieren - die Gruppe wird sich mit nichts anderem beschäftigen.

Jetzt dürfen Sie Ihre Uhr wieder auf "Atomzeit" einstellen, auf das Zeitsignal von Mainflingen. Und ich befördere Sie zum Chef. Ob Ihre Untergebenen Streichhölzer sortieren oder eine neuartige Kosmologie entwerfen, Sie wollen bestimmt, daß sie bei der Sache sind. Das heißt, die lieben Arbeiter sollten tunlichst nicht an ihre Eheprobleme denken und auch nicht den Bauplan für ihr zukünftiges Eigenheim skizzieren. Sie sollen das Eine machen, wofür sie bezahlt werden. Single-Task, eine einzige Arbeit, wobei Sie vielleicht tolerant genug sind, um Kaffee- und Zigarettenpausen zu gestatten.

Nehmen wir uns den idealtypischen Arbeitnehmer vor: Um sechs klingelt der Wecker. Morgentoilette, Frühstück, Zeitung lesen und schon ist es sieben. Eine halbe Stunde kämpft er sich durch den Verkehr und ist glücklich "auf der Arbeit". Um zwölf ist Mittagspause, da kommt er endlich dazu, sich mit ein paar Kollegen zu unterhalten. Von eins bis fünf wird wieder gearbeitet, der Heimweg dauert, inklusive Einkäufen, eine Stunde. Erst jetzt, um sechs Uhr abends, ist unser Arbeiter frei, um ein wenig zu leben. Und müde von der Arbeit.

Was macht er jetzt? Lassen wir ihn essen und Nachrichten sehen. Als junger Mann wird er danach weggehen, zum Fußball-Training, in die Kneipe, in die Disco... Er möchte schließlich leben, ein paar Stunden genießen. Ist er älter, unterhält er sich mit seiner Ehefrau und spielt als guter Vater ein wenig mit seinen Kindern. Ist er noch älter, setzt er sich mit einem Bier vor den Fernseher und läßt sich berieseln.

Wann soll dieser Musterbürger Zeit für jene Probleme finden, die uns Informierten so auf den Nägeln brennen? Öffentliche Bibliotheken gibt es seit etwa 150 Jahren, das Internet für alle noch keine 20 Jahre, also einen winzigen Bruchteil der 100.000 Jahre Menschheitsgeschichte. Das Männchen der Savannen-Horde steckt noch in ihm, es verdrängt das entfernte Löwengebrüll.

Betrachten wir ein Musterbeispiel für einen Langzeitplaner, einen Bauern. Der ach so simple Landwirt muß jetzt, im Januar, schon seinen Jahresablauf planen. Er benötigt Saatgut, Dünger, Pflanzenschutzmittel... Er muß bereits den Verkauf seiner Erzeugnisse im Auge behalten und gegebenenfalls überlegen, was er nächstes Jahr auf seinen Feldern anpflanzt. Findet er für seinen Hof einen Erben? Für seinen Sohn eine Frau? Er muß sich mit diesen Problemen herumschlagen, doch er muß sie nicht jetzt, nicht in diesem Augenblick lösen. Jetzt ist Januar, jetzt muß er sich um die Reparatur seines Traktors kümmern. Alles andere verdrängt er "in den Hinterkopf".

Wir Menschen sind Single-Tasker, wir bearbeiten eine Aufgabe auf einmal. Der Musterbürger denkt an sein Auto, das merkwürdige Töne von sich gibt, an seine Frau oder Freundin, die plötzlich herumzickt, an seine Beförderung, an seinen Urlaub, an sein berufliches Weiterkommen... Es sind die Sorgen des Alltags, die ihn vollständig in Anspruch nehmen. Wir haben Januar, am Wochenende werden Sie vielleicht einen Skiausflug unternehmen. Sie werden die nächsten Monate nicht draußen grillen können, deshalb ist es sinnlos, Steaks, Würstchen und Holzkohle zu besorgen. Dafür ist im Mai und Juni Zeit, nicht jetzt.

Der 16. Juni 2012 ist ein Samstag, ein potentiell guter Tag zum Grillen. Wir wissen nicht, ob es da heiß sein wird oder uns ein Dauerregen die Stimmung versaut. Sie dürfen natürlich schon heute überlegen, ob Sie da im eigenen Garten, auf dem Balkon oder an einem öffentlichen Grillplatz feiern wollen. Allzu viel Zeit sollten Sie dafür jedoch nicht aufwenden, weil es dringendere Probleme gibt.

Jetzt kommt eine weitere menschliche Eigenschaft ins Spiel: Wir gehen davon aus, daß alles so weiterläuft, wie wir es gewohnt sind. In der Fußgängerzone treffen Sie vielleicht auf Schlußverkaufshyänen, aber nicht auf freilaufende Löwen. Deshalb schleppen Sie keine Waffen für die Großwildjagd mit sich herum, wenn Sie ein Paar Schuhe kaufen wollen. Die letzte Währungsreform habe ich als Westbürger... Nein, 1948 war ich noch nicht geboren. Die fünf Mark auf dem Werbesparbuch von der Sparkasse, das meine Eltern zu meiner Geburt bekommen haben, sind nie wertlos geworden. Zwar hätte mein Vater damals zehn Gläser Bier dafür bekommen, ich heute höchstens eines, aber dieser Wertverfall hat sich über mehr als 50 Jahre hingezogen.

Ich warne vor einem Währungszusammenbruch, seit ich diese Seite betreibe, also seit Oktober 2004. Bisher ist er nicht eingetroffen, es gab keinen Löwen in der Fußgängerzone. Anders ausgedrückt: Auch wenn jeder weiß, daß wir in einigen Monaten wieder am Wochenende grillen werden, ist es sinnvoller, für dieses nächste Wochenende Schnee und Wintersport einzuplanen.

Ja, es ist sinnvoll, Gold, Silber und Raviolidosen zu kaufen, doch wenn die Ehefrau lieber den Sommerurlaub planen würde, dient es dem Hausfrieden, mit ihr darüber zu reden. Es gibt immer etwas, das noch dringender wäre. 2004 hätte jemand für eine Unze Gold, für einen Krügerrand, 330 Euro bezahlt. Heute kostet die Münze das Vierfache. ABER - das tägliche Leben, die Preise für Brot, Wein und Käse, haben sich nicht vervierfacht. Goldbesitzer haben ihren potentiellen Reichtum vermehrt, aber das passiert laufend. Hin und wieder schafft es jemand, mit einem Euro Einsatz zehn Millionen Lottogewinn einzustreichen. Aber das beeinflußt das Leben der meisten Menschen überhaupt nicht.

Die Aussage, daß morgen das Wetter wie heute würde, trifft oft genug zu. Trotzdem weiß jeder, daß sie nicht allgemein gültig ist. Wir müssen alle die nächste Sekunde überleben, denn wenn wir dies nicht schaffen, ist schon die übernächste Sekunde völlig bedeutungslos. Aus diesem Grund konzentrieren sich die meisten Menschen auf das Nahe- und das Nächstliegende.

Bisher habe ich mich auf der Ebene des Bewußten bewegt. Staatserhaltend wirkt jedoch das Unterbewußte, denn hier werden wir konditioniert. Fernsehgrößen wie Gottschalk und Jauch, die zahllosen Show- und Talkmaster, sind wandelnde Aufziehpuppen, die eine Botschaft verkünden, die ihnen papageiengleich eingetrichtert worden ist. Die Botschaft selbst haben intelligentere Leute ausgearbeitet, die Offiziere in den Psychokampftruppen. Vierbeiner gut, Zweibeiner schlecht, mäh! So primitiv sind diese Botschaften.

Der "Kampf gegen Rechts" ist ein inszeniertes Schauspiel. Diese Schlacht hätte man 1930 schlagen können, nicht 2012. Es gibt keine SA, die auf freien Straßen marschiert, es gibt keine NSDAP, die im Bund oder in den Ländern dabei ist, die Macht zu übernehmen. Die "Empörung" über neun "Döner-Morde" ist gespielt, denn es gibt keine Fremdenhatz in diesem Land. Und selbst wenn man die "Morde mit rechtsradikalem Hintergrund" seit 1995 auf 148 oder meinetwegen 181 beziffert - Jahr für Jahr sterben mehr Menschen bei einem ganz gewöhnlichen Ehekrach. Normale Morde mit anderem Hintergrund passieren tagtäglich, und unsere geliebten Zuwanderer haben in dieser Zeit mehr Deutsche umgebracht als Deutsche diese geliebten Zuwanderer.

Würzburg ist bunt - gestern, am 23. Januar, wälzte sich ein Lichterumzug durch diese alte Bischofsstadt. Ein Umzug mit Trauerreden über Menschen, die kein einziger der Mitmarschierenden gekannt hatte. Es gab schon einmal eine große Lichterkette in dieser Stadt, 1995, am 16. März, zum 50. Jahrestag der Bombardierung Würzburgs. Damals sind 5.000 Menschen gestorben, allesamt Kriegstreiber, KZ-Schergen und völkermordende Invasoren, vor allem die Alten, Frauen und Kinder, die 1945 einer gerechten Strafe zugeführt wurden. Die meisten in der Lichterkette von 1995 haben Familienmitglieder verloren, eigene Angehörige, von denen nur noch sepiablasse Photographien geblieben sind, die in der Brandnacht gerettet worden waren.

In unserem manipulierten Unterbewußtsein wird durch ständige Wiederholung eine Konditionierung erreicht. Der gefürchtete Antisemitismus in Deutschland beschränkt sich auf ein paar Stammtischparolen. Lehrer, Versicherungsvertreter, Bankberater und Politiker haben ein weitaus schlechteres Ansehen, über sie werden weitaus bösere Witze erzählt. Kein Jude muß in Deutschland um sein Leben fürchten, zumindest nicht mehr als ein Deutscher. Ob Straßenverkehr oder U-Bahn-Schläger, da ist kein Rassismus im Spiel. Niemand pinselt "Deutsche, kauft nicht bei Juden!" an Geschäfte, niemand zündelt an Synagogen oder jüdischen Gemeindezentren. Trotzdem wird allenthalben von Antisemitismus und Rassismus geredet.

Das Spiel läuft über Bande. Wenn "Rechts" im Empfinden der Menschen gleichbedeutend mit "Böse" ist, wird die Argumentation einfach. Bevorstehende Währungsreform? Das ist eine rechte Parole! Würde jemand "böse Parole" sagen, wirkte er unglaubwürdig, aber rechts ist natürlich ganz anders. Der Rechte ist nicht nur böse, er hat auch noch böse Absichten. Damit wird jede Warnung vor den Rechten zum Schutz des Volkes.

Es gibt im Buch "1984" von George Orwell eine bezeichnende Stelle: Da wird die Sprache so überarbeitet, daß Unterhaltungen über unliebsame Themen nicht mehr möglich sind, weil den Menschen die Worte dafür fehlen. In diese Dimension werden unsere Sprachverfälscher nicht vorstoßen, dafür haben sie Killer-Vokabeln entwickelt: Rechtsradikal, Verschwörungstheorie, Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus. Mit diesen Vokabeln läßt sich jedes Argument widerlegen.

Der Euro wurde eingeführt, um die Völker Europas zu ruinieren. Verschwörungstheorie!
Die Wall-Street-Banken manipulieren die Weltfinanzen. Antisemitismus!
Deutschland wird mit Zuwanderern überschwemmt. Fremdenfeindlichkeit!
Bereiten Sie sich auf eine Währungsreform vor, schaffen Sie sich Vorräte an. Rechtsradikal!
Die vielen Zuwanderer sorgen dafür, daß das Niveau unserer Schulen stetig absinkt. Rassismus!

Sie wollen doch weder rechtsradikal, noch antisemitisch, fremdenfeindlich, rassistisch oder ein Verschwörungstheoretiker sein? Also hören Sie weg, wenn solche Argumente vorgetragen werden. Sie wollen lieber bunt sein statt braun. Bunt... Das funktioniert nur, wenn die Farben getrennt sind, wenn sie eben NICHT vermischt werden. Wenn Sie alle Malfarben vermischen, einschließlich Schwarz und Weiß, ist das Ergebnis ein dunkles, eintöniges Grau. Genau das, das konturlose Grau, ist das Endergebnis von "bunt". Tristes Alltagsgrau, Einheitsbrei, keine Kultur, sondern deren Abwesenheit.

Zuwanderer bereichern unsere Kultur? Bisher haben anatolische Bauern bei uns noch keinen Topkapi-Palast gebaut. Börek, Lamacun und Baklava - unseren Speisezettel mag das bereichert haben, aber das ist auch schon alles. Wer glaubt, daß die Nachfahren dieser Zuwanderer, Analphabeten in beiden Sprachen, türkische Dichtung bei uns hervorbringen? Oder ein deutsches Musikstück komponieren? Hier wird keine Kultur geschaffen, sondern Entwurzelte produziert.

Gutmenschen sind die wahren Fremdenfeinde, denn für deren Rassenmischungswahn büßen Millionen Menschen, die sich nirgendwo zugehörig fühlen. Aber wer wagt es, das zu denken, wenn er sich darum sorgt, ob er morgen noch einen Arbeitsplatz hat? Wie viel Zeit hat ein Leiharbeiter, der zwei "Jobs" braucht, um halbwegs auskömmlich zu leben?

Das Unterbewußtsein der Menschen wird ständig manipuliert. Wir werden mit Signalen überschüttet, die unser Denken in der Ablehnung von "rechtsradikal", "rassistisch", usw. beeinflussen sollen. Wir müssen privat für unser Alter vorsorgen. Warum? Weil die staatliche Rente nicht ausreicht. Warum? Weil die Staatskassen leer sind. Warum? Weil der Staat viel Geld verpulvert hat, indem der Staatsapparat aufgebläht worden ist, weil wir Europa geholfen haben, weil unsere Soldaten in ferneren Ländern stehen als auf dem Höhepunkt des zweiten Weltkriegs. Warum? Weil unsere Politiker das getan haben, um unseren "guten Freunden" zu helfen und ihre eigene Wiederwahl zu sichern. Warum?

Wie viele Warums wagen Sie zu fragen? Fast alle gaben sich mit einem Warum? zufrieden - und schlossen eine Riester-Rente ab, die sich mittlerweile als Geldvernichtungsmaschine herausgestellt hat. Die staatlichen Zuschüsse, die ganze Verwaltung - das alles hat zusätzliches Geld gekostet. Wer statt zu riestern gesilbert hätte, sein Geld also in Silber angelegt hätte, ohne Zuschüsse, der hätte heute einen massiven Wertzuwachs erlebt. Und er bräuchte keine Angst zu haben, daß seine Altersversorgung sich mit dem Euro in leere Versprechungen auflösen wird.

Wie viele Warums wagen Sie zu fragen? Wie viele Antworten bekommen Sie, bis eine Killer-Vokabel fällt? Geld für die Rentner haben wir nicht, Sozialhilfe für Zuwanderer können wir bezahlen. Wagen Sie ja nicht, noch einmal Warum? zu fragen, Sie rechtsradikaler, fremdenfeindlicher Rassist!

Ruhe ist die erste Bürgerpflicht... Diesen Satz haben wir derart verinnerlicht, daß wir die Ruhe über alles stellen. Ja, sicher, es gibt Leute, die gehen auf die Straße, um einen Castor-Transport zu behindern. Was ist, wenn sie "gewinnen"? Was wollen diese Deppen mit einem Dutzend Castoren, randvoll mit strahlendem Atommüll? Wenn die Mehrheit der Baden-Württemberger einen neuen Bahnhof für Stuttgart haben will, was tun die "Wutbürger" noch auf der Straße? Was an der Demokratie haben die nicht verstanden? Diese Leute treten nicht für ihre Rechte ein, sondern für ihre Wunschvorstellungen. Atomstrom, nein Danke, aber gefälligst kein Gaskraftwerk in meiner Nähe, keine Stromtrasse, keine Windräder.

Es gibt einen Straftatbestand der Volksverhetzung, die jedoch in dieser Beziehung nicht greift. Die Verhetzer zu diesen "Bürgerinitiativen" spielen Scheindemokratie, sie besorgen das Geschäft der politischen Führung, weil sie Kräfte binden und die Leute beschäftigen, während die Konditionierungen laufen. Würzburg ist bunt, Genosse Staatsratsvorsitzender. Die Schafherde, die heute hinter solchen Schildern herläuft, wäre vor 30 Jahren fröhlich vor Honecker marschiert, für den Ruhm des Arbeiter- und Bauernstaates. Mit der gleichen "Zivilcourage", mit der sie heute auf die wenigen "Rechtsradikalen" einschimpfen, hätten sie vor 75 Jahren die hilflose Minderheit der Juden vertrieben.

Der mündige Bürger, der sich seiner Handlungen bewußt ist, der nicht verdrängt, der sich nicht manipulieren läßt, war zu allen Zeiten die große Ausnahme. Über den eigenen Tellerrand hinauszusehen, war zu allen Zeiten anstrengend. Es ist einfacher zu verdrängen, als für seine Rechte einzutreten. Es ist ja bisher alles gut gegangen, es ist ja nichts passiert. Würzburg ist pleite, aber wenigstens einheitsgrau.

© Michael Winkler