Hymnisches

(26.3.2008)

Heil Dir im Siegerkranz,
Herrscher des Vaterlands,
Heil Kaiser Dir!
Fühl in des Thrones Glanz,
die hohe Wonne ganz,
Liebling des Volks zu sein!
Heil Kaiser Dir!

Ja, das ist die deutsche Kaiserhymne, die erste Strophe. Solche Loblieder entstehen nur selten spontan, oft genug sind sie Auftragsarbeiten, und sei es auch nur der hungrige Magen, der den Dichter beauftragt, sich die Dankbarkeit des Herrschers zu sichern. Immerhin, es gab damals noch kein heuschreckenkontrolliertes Krawall-Fernsehen, also hat man diesen Text garantiert nicht mittels "Deutschland sucht die Kaiser-Hymne" erwählt. Es gab auch keine rotzfreche Gruppe von Dummschwätzern, welche die eingesandten Entwürfe zerfleddert haben.

Text und Melodie einer Nationalhymne kann man befehlen, aber nicht die Gefühle, mit der sie gesungen wird. Nach allem, was wir heute wissen und was uns das öffentlich-rechtliche Geschichtskorrektur-Fernsehen noch nicht ausgeredet hat, wurde die Kaiserhymne gern und inbrünstig gesungen, das heißt, die Menschen empfanden das, was sie mit diesen Worten ausgedrückt haben.

Ich bin nicht alt genug, um mich zu erinnern, ob es unter Konrad Adenauer eine Phase gegeben hat, in der die Deutschen ihm ein solches Jubellied gesungen hätten. Helmut Kohl hat es in den Jahren 1990 und 1991 geschafft, als die Wähler noch nicht begriffen hatten, daß sie hauptsächlich verkohlt wurden. Erhard, Kiesinger, Brandt, Schmidt, Schröder und Merkel können von einer solchen Lobeshymne noch nicht einmal träumen.

Vergleichen wir doch einmal den letzten Kaiser mit der letzten Bundeskanzlerin:

- Der Kaiser hat gerne bunte Uniformen getragen, die Kanzlerin gerne bunte Hosenanzüge. Der Kaiser sah gut aus in diesen Uniformen.

- Der Kaiser wollte für Deutschland einen Platz an der Sonne. Die Kanzlerin will von Deutschland unbedingtes Eintreten für das Existenzrecht Israels.

- Der Kaiser herrschte über einen liberalen, demokratischen Rechtsstaat. Die Kanzlerin herrscht über einen Staat mit Meinungskontrolle, Parteiverboten und umfassender Bürgerausschnüffelung.

- Der Kaiser herrschte über ein prosperierendes Reich, das die Probleme seiner Zeit wirtschaftlich deutlich besser bewältigte als jeder andere Staat der Welt. Die Kanzlerin herrscht über einen Staat mit sinkenden Realeinkommen, wirtschaftlichen Schwierigkeiten, verschleierter Inflationsrate, der mehr Arbeitsplätze exportiert, als er im eigenen Land neu erschafft.

- Der Kaiser herrschte über ein Reich mit den meisten Nobelpreisträgern, den besten Schulen und den besten Universitäten seiner Zeit. Die Kanzlerin herrscht über einen Staat, der kaum noch Nobelpreisträger hervorbringt, in der PISA-Studie schlechte Plätze belegt und dessen Universitäten hauptsächlich von vergangenem Ruhm zehren.

- Der Kaiser verfügte über eine starke Armee und eine starke Flotte, die ausschließlich zum Schutz des Reiches gedacht gewesen war. Die Kanzlerin verfügt über eine schwache, schlecht ausgerüstete Armee und eine kleine Flotte, die hauptsächlich die Interessen fremder Völker in fernen Weltgegenden durchsetzen.

- Der Kaiser war ein integerer Mann, der das Wohl Deutschlands über allem anderen stellte, weil er sein Reich seinen Kindern vererben wollte. Die Kanzlerin stellt das Wohl Israels über allem anderen und möchte gerne wiedergewählt werden.

- Unter dem Kaiser war die Alterspyramide richtig proportioniert: viele Kinder, wenige Alte, die Menschen blickten voller Hoffnung in die Zukunft. Unter der Kanzlerin vergreist das Land, Kinder bekommen vor allem Zuwanderer, die dies als einfache Möglichkeit ansehen, noch mehr deutsche Sozialleistungen abzugreifen. Die Einheimischen sehen voller Besorgnis in die Zukunft.

- Unter dem Kaiser wanderten die Menschen hauptsächlich in die Kolonien aus, blieben also im Land. Wer nach Deutschland einwandern wollte, mußte entsprechende Qualifikationen mitbringen, um sich hier durchzuschlagen. Unter der Kanzlerin wandern tüchtige Nachwuchskräfte, die in der Lage sind, sich im Ausland allein durchzuschlagen, in Scharen aus. Dafür kommen Ausländer, die in Deutschland im großen Umfang Hilfen und Unterstützung beanspruchen, in Massen herein.

Ich fürchte, über Angela Merkel werden nie solche Hymnen gedichtet werden, nicht einmal als Auftragsarbeit. Außerdem bezweifle ich, daß man sich an die Merkelzeit so gerne erinnern wird, wie an die Kaiserzeit. Und als "die gute alte" wird man sie bestimmt nicht bezeichnen.

Schauen wir uns doch einmal die aktuelle Nationalhymne an:

Einigkeit und Recht und Freiheit
für das deutsche Vaterland!
Danach laßt uns alle streben,
brüderlich mit Herz und Hand!
Einigkeit und Recht und Freiheit
sind des Glückes Unterpfand!
Blüh im Glanze dieses Glückes,
Blühe deutsches Vaterland!

Als diese Verse geschrieben wurden, gab es kein "Deutschland", sondern nur eine Vielzahl kleiner deutscher Länder, deren Bürger sich nach Einigkeit und Recht und Freiheit gesehnt haben. Die Bürger - nicht die Regierenden der Kleinstaaten. Dutzende Kleinfürstentümer benötigten Dutzende Regierungen, jede davon mit zahlreichen schönen Pöstchen ausgestattet (Dienstwagen gab es damals noch nicht).

Der freieste Rechtsstaat auf dem Boden der Bundesrepublik des vereinten Deutschlands singt in seiner Nationalhymne davon, daß wir nach Einigkeit, Recht und Freiheit STREBEN, was also ganz klar zum Ausdruck bringt, daß wir weder Einigkeit, noch Recht, noch Freiheit BESITZEN. Wenn wir das alles hätten, wären wir glücklich und das Land würde im Glanze dieses Glückes aufblühen. Nur leider - wir haben das nicht. Sonst würden wir das doch nicht singen, oder?

Diese Nationalhymne wurde eingeführt, als das noch viel offensichtlicher gewesen war. "Wir sind die Eingeborn' von Trizonesien" hat sich als Hymne nicht durchgesetzt, deshalb verfiel man auf den alten Text von Hoffmann von Fallersleben. Der noch nicht einmal scheinsouveräne Staat von 1949 hat mit dieser Hymne ganz klar ausgedrückt, was ihm alles fehlt. Und der heutige Merkel-Staat singt das immer noch, bekennt sich also dazu, kein wirklich freier Rechtsstaat zu sein.

Ist das nun Ungeschick oder Absicht?

Deutschland, Deutschland, über alles,
über alles in der Welt!
Wenn es stets zum Trutz und Schutze
brüderlich zusammenhält!
Von der Maas bis an die Memel,
von der Etsch bis an den Belt,
Deutschland, Deutschland, über alles,
über alles in der Welt!

Diesen Text konnte sich Trizonesien natürlich nicht erlauben, enthält er doch einen "Gebietsanspruch" und obendrein auch noch "Allmachtsträume". Wenn unsere britischen Freunde stolz "Rule Britannia, Britannia rules the waves" intonieren, um damit ihren Herrschaftsanspruch über alle Weltmeere auszudrücken, dann ist das nicht mehr als ein wenig Folklore, wenn es aber ein Deutscher wagt, die Liebe zu seinem Vaterland in Worte zu fassen und das Gebiet der deutschen Kultur zu beschreiben, ist das selbstverständlich bösester Nationalismus.

Jeder Sportverein darf sich mit "We are the Champions" feiern, darf in Vereinsliedern sich selbst als die Allergrößten darstellen, ohne daß hier eine kriegerische Absicht unterstellt wird. Nur ein Patriot darf nicht das ideale Deutschland über alles stellen, als erstrebenswertes Ziel, dem er mit aller Kraft entgegenarbeitet.

Aber keine Sorge, niemand wird den verkohlten, zerschröderten und ausgemerkelten deutschen Staat der Gegenwart über alles stellen. Und von der Maas bis an die Memel, von der Etsch bis an den Belt reicht höchstens der deutsche Schuldkomplex. Wo andere Völker Heldendenkmäler errichten, oder wenigstens Mahnmale für die Opfer ihres eigenen Volkes, bauen wir Denkmäler, in denen unsere Eltern und Großeltern als brutale Mörder bezeichnet werden, derer wir uns in alle Ewigkeit zu schämen hätten.

Die Hymne ist unschuldig, Deutschland hat weder den ersten noch den zweiten Weltkrieg gewollt oder herbeigeführt. Der Kaiser hatte so wenig Grund, einen Krieg zu beginnen, wie der Führer. Beide Regierungen wollten die Früchte ihrer Erfolge ernten, statt dessen mußten sie Krieg führen, gegen eine Welt von Feinden. Kein Deutscher wollte in den Krieg ziehen, die Soldaten wurden einberufen, um das Vaterland zu schützen - zum Schutz und Trutze, nicht zur Welteroberung, wollten sie brüderlich zusammenhalten.

Aber es ist richtig, diese Hymne hat inspiriert, sie hat ein Gefühl von Größe vermittelt, die Menschen darauf hingewiesen, daß sein Volk mehr ist als nur eine Gruppe willkürlich zusammengewürfelter Menschen. Dieses Lied ließ die Soldaten auf dem Langemark vorstürmen, dieses Lied half, die Inflation von 1923 zu bewältigen. Dieses Lied gab den Menschen Mut, die Weltwirtschaftskrise zu überwinden, sich aufzuraffen und aufzubauen. Die Strophe, die heute als Nationalhymne dient, zeigt dagegen nur, was wir bis jetzt noch nicht erreicht haben.

Auferstanden aus Ruinen
und der Zukunft zugewandt,
laß uns dir zum Guten dienen,
Deutschland, einig Vaterland.
Alte Not gilt es zu zwingen,
und wir zwingen sie vereint,
denn es muß uns doch gelingen,
daß die Sonne schön wie nie
über Deutschland scheint,
über Deutschland scheint.

Das ist die DDR-Hymne, die ersten Strophe des verbotenen Textes, der nach 1970 nicht mehr gesungen werden durfte. Ich gebe zu, ich hätte 1987 bei Honeckers Staatsbesuch die Fischer-Chöre antreten lassen, um aus voller Kehle zu Ehren des geschätzten Staatsgastes diesen Text zu singen.

Auferstanden aus Ruinen... Das hat in die Zeit nach dem zweiten Weltkrieg gut gepaßt, aber es paßt auch in die heutige Zeit, in der die Ruinen nicht an den Straßenrändern, sondern in unserem Innern stehen, in Form eines heruntergewirtschafteten Staates, bei dem Anspruch und Wirklichkeit weiter auseinander klaffen, als es sich die meisten Menschen vorstellen können. Ruinen schaffen, ohne Waffen - das scheint der Wahlspruch der jetzigen Regierung zu sein.

Sind wir der Zukunft zugewandt? Schalten wir das Fernsehen ein, bekommen wir immer nur Vergangenheit vorgeführt, deutsche Vergangenheit, zwölf ausgewählte Jahre, die mit aller Akribie als die Entfesselung der Hölle auf Erden dargestellt werden, als die Zeit des Fleisch gewordenen Antichristen. Von Zukunft sehen wir keine Spur. Eine Zukunft für unser Land ist nicht geplant, was Deutschland noch ist, wird verkauft, verschenkt, als Tribut übereignet. Das Volk wird aus dem Land getrieben, dafür fremde Völker ins Land geholt.

Welchem Vaterland wird hier gedient? Jedenfalls nicht Deutschland, und erst recht nicht zum Guten dieses Landes.

Nachdem die alte Not beseitigt, bezwungen gewesen war, wird jetzt neue Not ins Land gezwungen. Immer mehr Menschen leben in diesem Land in Armut, doch die Kanzlerin schwebt in den Sphären der Superreichen, abgehoben, jenseits der Not der Menschen. Arm sind wir geworden, auch arm an Mut, unter dieser armseligen Regierung, die ganz Europa fördert, aber das eigene Land immer tiefer spaltet. Oh ja, wir sind ganz offiziell vereint, wir begehen den Tag der deutschen Einheit, doch es gibt keine Einheit mehr in diesem Volk. Die Zweidrittel-Gesellschaft, die uns einst drohend ausgemalt wurde, ist längst Realität. Doch nicht einmal diese zwei Drittel können sich in Sicherheit wiegen, ihr bißchen Wohlstand zu behalten.

Die Sonne scheint längst nicht mehr über Deutschland, schon gar nicht so schön, wie nie zuvor.

Die DDR-Hymne war ein Ausdruck der Hoffnung, jetzt ist sie ein Grabstein, ein Mahnmal für eine Hoffnung, die nicht mehr existiert.

Stolz in des Sieges Glanz,
Retter des Vaterlands,
Heil Herrscher Dir!
Windet den Jubelkranz
zur Freud' des Volkes ganz,
endlich befreit zu sein -
Heil Herrscher Dir!

Diese Strophe ist nicht historisch, sondern von mir. Aber vielleicht wird sie ja mal gesungen, oder ein Text, der ähnliche Gefühle ausdrückt. Natürlich nicht zu meinen Ehren, so vermessen bin ich nicht. Wenn es soweit ist, werde ich mitsingen, ganz leise, um niemanden mit meiner mangelnden Musikalität zu verstören.

Für wen dieses Lied gesungen wird, kann ich auch nicht sagen. Aber ich kann eine Menge Namen auflisten, für die ein solches Lied niemals gesungen werden wird. Schauen Sie in den Bundestag und die Landtage, schauen Sie ins Management, in die Reihen der Reichen, auf die Stützen des heutigen Staates - dann wissen auch Sie, wer es NICHT sein wird.

Sogar die dunkelsten Zeiten gehen zu Ende, nichts dauert ewig, nicht einmal das Dunkle Imperium, das Deutschland so fest in seinem Würgegriff hält. Wenn es endlich, endlich zerbricht, und die Völker in neu gefundener Freiheit aufjubeln, dann wird die Sonne so schön wie nie über Deutschland scheinen.

© Michael Winkler