Am Rubikon (31.12.2008)

Der Rubikon war der ehemalige Grenzfluß zwischen dem römischen Hauptland und den gallischen Provinzen. Als Gaius Julius Cäsar seine Truppen über den Rubikon setzen ließ, befand er sich im Krieg - im Krieg gegen seine eigene Heimat, gegen Rom, im Bürgerkrieg. Aus dem ruhm- und siegreichen Heerführer war ein Diktator geworden, ein Usurpator, der die Regierung seines Landes stürzen und selbst die Herrschaft übernehmen wollte.

Ja, wir haben Silvester 2008. Der Rubikon ist heute nur mehr ein Symbol, seine Bedeutung als Fluß ist viel zu gering. Wer heute den Rubikon überschreitet, will damit ausdrücken, daß er sich auf ein gefährliches Abenteuer einläßt, bei dem symbolisch oder real die Waffen eine wichtige Rolle spielen. Wer den Rubikon überschreitet, für den sind die Würfel gefallen, der möchte eine handstreichartige Entscheidung.

Wir hier in Deutschland merken von der Krise nichts, behaupten die Nachrichten. Wenn das die Krise ist, müssen wir demnächst anbauen, sagt der Einzelhandel zu den Umsätzen im Weihnachtsgeschäft. Die Deutschen seien sonst die sensibelsten Kunden, die beim geringsten Anzeichen schlechter Nachrichten den Einkauf einschränken, behauptet ein Wirtschaftsinstitut. Aber dieses Jahr hätten die Konsumenten in Frankreich und in Großbritannien gespart, während die Deutschen eingekauft hätten, als gäbe es kein Morgen.

Unsere Politiker können in die Weihnachtsferien, die Krise ist keine Sondersitzung wert. Höchstens ein paar Altvordere oder einige Jungspunde tönen jetzt herum, die einen in der Hoffnung, noch einmal gebraucht zu werden, die anderen in der Hoffnung, jetzt aufzufallen und nach oben zu kommen, dort, wo es die einträglichen Pöstchen und die Dienstwagen gibt.

Die CDU kungelt mit den Grünen, die CSU mit den Linken, die SPD mit der FDP - sie alle sind zuerst Kollegen, allesamt gleich unfähige und gleich ratlose Parteifunktionäre. Man hält sich alle Optionen offen, hat sich eingerichtet im Mittelmaß einer großen Koalition, die alle herausragenden Köpfe und Ideen einstampft und verwässert, die Lösungen findet, die nicht die Probleme angehen, aber dafür die Bürokratie erblühen lassen.

Der Finanzminister spricht noch von Aufschwung, als die konkreten Daten bereits die Rezession aufweisen. Die Kanzlerin spricht von einem starken Land, als die Partner in Europa schon dazu übergegangen sind, ihre Probleme ohne Merkel und ohne Deutschland zu lösen. Mehr als riesige Expertenrunden, die das Problem zerreden, hat diese Regierung nicht mobilisiert. Wenn Kanada gebannt auf die USA starrt, ihren großen Nachbarn, um zu erfahren, was der neue Präsident zu tun gedenkt, wenn er denn endlich sein Amt antritt, kann das jeder verstehen. Wenn Deutschland, auf einem anderen Kontinent gelegen, zentrales und wirtschaftsstärkstes Land seiner eigenen Region auf diesem Planeten, das Kaninchen spielt, das auf eine ferne Schlange starrt, dann wird das lächerlich.

Ich habe am Sonntag ein paar Minuten in jene Sendung hineingehört, die früher "Der internationale Frühschoppen" geheißen hatte. Die Damen und Herren Journalisten haben sich gegenseitig versichert, daß "in den letzten Jahren" die Regulationsfähigkeit der Politik abgenommen hätte. Der Staat hätte an Stärke verloren und die Bevölkerung fühle sich wohl mit einer großen Koalition. Ich habe es vorgezogen, auf eine Dokumentation über Eisbären umzuschalten, als weiterhin dem Geschwafel von Dummschwätzern zu folgen, die um den heißen Brei herumreden, ohne die Dinge beim Namen zu nennen.

Die Schwäche der Politik in den letzten Jahren ist die Schwäche der großen Koalition und der Regierung Merkel. Anstatt Impulse zu geben und das Land zu führen, wurde laviert und gemauschelt, aber nicht regiert. Der Glanz der Anfangszeit, mit EU-Präsidentschaft und G8-Gipfeln, ist längst verblaßt. Repräsentiert wurde genug, ins Ausland gereist übergenug, nur eben nicht regiert. Die Probleme des Landes wurden auf breiter Front ignoriert, anstatt so kraftvoll angepackt, wie es die rein zahlenmäßige Stärke in den Parlamenten erlaubt hätte.

Die Quatschköpfe in der Sendung haben davon gefaselt, daß die Stärke der Demokratie immer als die Stärke der Wirtschaft empfunden worden ist. Daran ist nur wahr, daß drittklassige Parteifunktionäre bei einer florierenden Wirtschaft die Mittel in die Hand bekommen, um sich die wichtigsten Probleme vom Leib zu kaufen. "Wer 10.000 Krontaler hat, der braucht kein Hirn", heißt es in einer Operette. Genau das ist bei Politikern der Fall, wer volle Steuerkassen hat und ungezügelt Schulden aufnehmen darf, der kann sich um die eigene Karriere kümmern, das Wohl des Landes vollzieht sich von allein.

Jetzt aber müssen Politiker, die bisher nur darüber nachgedacht haben, wie sie dem Volk noch mehr Geld aus der Tasche ziehen können, dieses ausgeplünderte Volk irgendwie unterstützen. Man könne ja Straßen bauen oder längst überfällige Schulgebäude renovieren, wird überlegt. Abgaben senken, schlagen andere Funktionäre vor, Konsumgutscheine ausgeben, will eine dritte Gruppe. Wo ein klares, aufeinander abgestimmtes Konzept stehen sollte, verbreiten Hobby-Ökonomen ihre Lieblingsideen.

Die Lösungen scheinen nirgendwo in Sicht. China, die aufsteigende Supermacht, die Werkbank der Welt, wird viel stärker gebeutelt, als unsere Medien es wahrhaben wollen. Wenn Zehntausende Fabriken schließen, stehen Millionen Menschen auf der Straße. Die Parteiführung, Funktionäre wie im Westen, steht dem ratlos gegenüber. Nicht die steuernde Politik hat das Wirtschaftswunder in China bewirkt, sondern der Rückzug der Funktionäre aus der Wirtschaft, nachdem sie sich als unfähig erwiesen hatten, diese voranzubringen. Die simple Erkenntnis, daß die Menschen, wenn man sie läßt, fleißig arbeiten, um Geld zu verdienen, hat das Land soweit gebracht, daß die ganze Welt angefangen hat, vom Jahrhundert der Chinesen zu reden.

Jetzt sind die Funktionäre entzaubert. Die Arbeitslosen werden zurück aufs Land getrieben, wo sie vor einigen Jahren abgewandert sind. Anders als 1989 auf dem Platz des himmlischen Friedens walzen keine Panzer die Aufstände nieder, es wird nur unbeachtet von westlichen Medien in die Menge geschossen. Statt zu lenken wird unterdrückt. Es ist trotzdem der Ritt auf dem Tiger, das Spiel mit dem Feuer. Wie viele Menschen kann das Regime dauerhaft unterdrücken und ruhig stellen? 100 Millionen? 200 Millionen? 500 Millionen? Wann nehmen Hunger und Verzweiflung überhand? Wann muß dem Mob ein Ziel vorgegeben werden, damit sich dessen Zorn jenseits der Landesgrenzen austobt?

Als die Ölpreise nur den Weg nach oben gekannt haben, sah Rußland wie der sichere Gewinner aus, wie der Staat, der die Zukunft Europas in der Hand hält. Nicht die Sowjetunion, sondern ein erneuertes Rußland unter dem Zaren Putin, griff mächtig nach alten Positionen und Vormachtstellungen. Die USA verzetteln sich in Kriegen, Rußland wird tagtäglich mächtiger. Der Bär zeigte in Georgien seine Krallen, als ein von Israel hochgerüsteter Schoßhund der USA zu laut zu kläffen wagte.

Seitdem hat Rußland das häßliche Gesicht zurückbekommen, das westliche Medien im kalten Krieg gezeichnet haben. Damals wurde es Stalin unterstellt, daß er die Sowjetmacht ausdehnen wollte, daß es zum kalten Krieg gekommen war. Ein Krieg, in dem Rußland bedrängt wurde, der Westen die kommunistischen Vasallen mit Dauerpropaganda abwerben wollte, bis Rußland ein ums andere Mal sein Interessengebiet mit bewaffneter Macht zusammenhalten mußte. Die Sowjets hatten damals die schlechteren Deutschen abbekommen, die zweite Garnitur der Ingenieure, die größere Beute hatten die USA eingesackt. Rußland war Kriegesgebiet, die USA hatten nur andere Länder verwüstet. Der kalte Krieg wurde von den USA unter günstigsten Voraussetzungen begonnen, die sich als die Macht fühlte, die sich Butter und Kanonen gleichzeitig leisten konnte, während dem Osten trotz der fehlenden Butter schließlich die Waffen verrosteten.

Rußland schien zurück auf der Bühne des Weltgeschehens, als das Öl die Kassen füllte und die USA in immer größere Schulden versanken. Rußland, das waren reiche Leute in teueren Pelzen, die stets nur das teuerste und beste einkaufen. Amerikaner, das waren uniformierte, staubige Cowboys, die überall um sich schießen, andere Länder überfallen, bombardieren und immer wertloser werdende Dollar in den Taschen haben. Rußland, das waren Investoren, die sich langfristig und zum beiderseitigen Nutzen in Firmen einkaufen. Amerika, das waren Heuschrecken, die Firmen übernehmen, kahl fressen, Arbeitsplätze vernichten und dann zum nächsten Weidegrund fortziehen, um noch mehr Profit zu erzielen, während die betroffenen Arbeiter verelenden.

Jetzt fehlt auch Rußland das Geld. Vom glitzernden Ölreichtum ist wenig geblieben, der Rubel, der zur gleichberechtigten Ölwährung aufsteigen sollte, verfällt fast so spektakulär wie der Simbabwe-Dollar. Ja, auch Rußland beabsichtigt ein Konjunkturprogramm, eines, das an Sowjet-Zeiten erinnert, denn es sollen Panzer gekauft werden und Waffen. Aufrüstung und Schwerindustrie - bestimmt nicht deswegen, um künftig den Amerikanern Hilfstruppen zu stellen, wie die Vasallenregime in Europa.

Wo die Sowjetmacht zurückgewichen war, hatte die NATO nachgesetzt, Rußland eingekreist und nicht als Partner, sondern als strategisches Ziel betrachtet. Wenn in Kasachstan und Usbekistan amerikanische Militärbasen entstehen, wenn in Polen Abwehrraketen aufgestellt werden, gegen "den Iran" oder "Nordkorea", wenn die Ukraine, die Kornkammer des Zarenreiches, in die NATO aufgenommen werden soll - dann muß man Rußland verstehen. Die USA haben gezeigt, daß sie nicht bereit sind, Abkommen und gegebene Versprechen einzuhalten. Das ist nicht anders als einst bei den Indianern, mit denen immer wieder "für alle Zeiten" bindende Verträge abgeschlossen worden waren, die ihnen Land und Überleben sicherten - bis eine neue Welle Siedler diese Verträge brach und die US-Cavalry den berechtigten Widerstand heldenhaft mit überlegenen Waffen niedermetzelte.

Was ist mit dem Reichtum Ölarabiens, mit der glitzernden Zukunftswelt Dubais? Despoten, die sich auf amerikanische Waffen stützen, ihre eigene Bevölkerung mit amerikanischem Geld ruhig halten und die Arbeiten durch importierte Lohnsklaven erledigen lassen, die mit amerikanischem Geld entlohnt werden. Amerikanisches Geld, das in Mengen gedruckt wurde, ohne einen inneren Wert zu besitzen. Beliebig vermehrbares Geld für Öl, das knapper wird und immer aufwendiger gefördert werden muß. Das ging gut, solange "anständige" Preise bezahlt wurden, doch jetzt, wo der Ölpreis in einem halben Jahr auf ein Niveau gesunken ist, das er vor fünf Jahren gehabt hatte, wird es schwierig.

Wir dürfen nicht vergessen, daß der Dollar heute viel weniger Wert besitzt als vor fünf Jahren. Haus- und Bodenpreise in den USA verfallen, die Industrie ist veraltet und längst nach China verlagert, die großmächtigen Autofirmen sind bankrott. Selbst die Armee, der Garant für den Dollar, ist in sinnlosen Kriegen verschlissen.

Dubai hat auf Sand gebaut, nicht auf dem Sand der Wüste, sondern auf dem viel gefährlicheren Treibsand der Kredite. Millionäre haben keinen Geldspeicher wie Dagobert Duck, sondern hauptsächlich Kredit, um in Sieben-Sterne-Hotels zu nächtigen oder sich ein "Land" auf einer im Meer aufgeschütteten Weltkarte zu kaufen. Ohne Kredit, ohne finanzierende Banken, geht nichts, denn das Vermögen ist angelegt, nicht flüssig. Wenn Billionen an den Aktien- und Derivatemärkten verschwinden, dann verschwindet die Kreditwürdigkeit. Ohne diese kein Luxuskonsum, keine Fernreisen in ein modernes Wunderland.

Ein paar Datteln und Kamelmilch, was den Vorfahren als Nahrung genügte, ist für den luxusverwöhnten Gaumen des heutigen Arabers eine Zumutung. Doch das, was da gegessen oder anderweitig konsumiert wird, sind Importwaren. Der Import funktioniert, wenn die Geldströme funktionieren. Wenn jedoch die Schiffe in billigen Häfen zwischengelagert werden, weil keine Fracht vorhanden ist, brechen die Warenströme schließlich zusammen.

Der Zauberstab des Kredits, der bloße Glaube daran, daß der Kreditnehmer seinen Verbindlichkeiten nachkommt, er zerfällt. Vorkasse funktioniert bestens mit Kleinbeträgen am Automaten, doch nicht im Welthandel. Wer kauft, muß diese Waren erst wieder verkaufen, um sie schließlich bezahlen zu können. In der Zeit dazwischen laufen die Kredite und verdienen die Banken. Doch wenn diese Banken daran zweifeln, ob die Waren auch wirklich verkauft werden, ob das Geld, das erlöst werden soll, auch wirklich eingenommen wird, gibt es keinen Kredit.

Der General Store im hintersten Minnesota, der nur noch halb so viele Hemden abnimmt, weil seine Kunden auf die Zwangsversteigerung ihrer Häuser warten, läßt die Gewinne der Importeure zusammenkrachen. Folglich bleiben Schiffe im Hafen, weil kein Mensch Hemden transportieren läßt, die er nicht verkaufen kann. Schiffe im Hafen brauchen keinen Treibstoff, weshalb die Tanker langsamer fahren können, um ihrerseits Treibstoff zu sparen. Hemden, die keiner will, werden nicht genäht, folglich stehen Chinesen vor verschlossenen Fabriktoren.

Die Globalisierung war so erfolgreich, weil sie alles mit allem vernetzt hatte. Ein Fließband von Waren umspannte die ganze Welt. Hier wurde produziert, dort transportiert, woanders konsumiert. Geld floß in die umgekehrte Richtung, zweigte zwischendurch ab, verrichtete an ganz anderen Orten Dienste, bis es schließlich als Bezahlung in irgendwelche Taschen floß.

Fließband-Produktion ist effektiv, aber auch anfällig. Jede Station ist auf die Zuarbeit der Vorgänger angewiesen. Stockt auch nur ein Arbeitsschritt, steht alles still, was danach folgt. Wenn das Band anhält, hält es im ganzen Betrieb. Früher gab es Springer, gut bezahlte Arbeiter, die an mehreren Stellen eingreifen konnten, wenn einmal ein Arbeiter Probleme hatte. Die dadurch erlangte Flexibilität hielt sich jedoch in Grenzen, kein Betrieb hatte eine komplette zweite Belegschaft, um unbegrenzt Leute ersetzen zu können.

Dieses Fließband der Weltwirtschaft gerät mehr und mehr ins Stocken. Mögen die deutschen Konsumenten es noch nicht spüren oder bewußt ignorieren - die Krise ist im Anmarsch. Rezession haben unsere Politiker akzeptieren müssen, bald werden sie von Depression und Inflation sprechen.

Wir stehen am Ufer des Rubikon, und erste Truppen setzen bereits über.

Im entheiligten Land wird schon wieder geschossen und bombardiert. Parteifunktionäre im Wahlkampf haben zum Säbel gegriffen, um ihre Stärke zu demonstrieren. Es gibt die schöne Geschichte, wonach die zugewanderten Juden ehemalige Khasaren sind, Nachkommen der Hunnen, keine Semiten, die in diesem Land nichts zu suchen haben. Aber auch, wenn es Hebräer sind, die auf der Welt verstreut waren und jetzt ihre alte Heimat wieder in Besitz nehmen - sie schlachten ihre eigenen Brüder ab, Hebräer, Juden, die im Land geblieben sind. Anders als das tolerante Christentum, das den Juden ihre Eigenheiten und ihren Glauben belassen hatte, sind die Juden in Palästina unter dem Druck des Islam schließlich übergetreten, haben zu Allah gebetet statt zu Jahwe.

Diese Nachkommen von Juden, die im Land geblieben sind und sich angepaßt haben, werden heute von den Nachkommen von Juden, die das Land verlassen und sich woanders angepaßt haben, entrechtet, verfolgt und ermordet. Der gleiche Fanatismus, der in den Führern der Hamas steckt, tritt im europäisierten Anzug bei den Politikern Israels zu Tage.

Dieser Krieg findet in einer instabilen Welt statt, die sich bereits am Abgrund bewegt. Die Regime Arabiens haben sich bis jetzt gehalten, obwohl die USA diese Region als Schießplatz mißbraucht hatte. Ströme von Dollar haben für Ruhe gesorgt, für Polizei und Militär, um das eigene Volk in Schach zu halten, wenn es das Geld nicht mehr vermochte. Die Menschen sind ausgewichen, wie sie es zu allen Zeiten getan haben. Wo der Staat nichts zu bieten hatte, übernahm die Kirche, übernahm die Religion. Religion aber predigt Haß, schürt Haß, fordert Expansion und Unterwerfung der Ungläubigen, im Namen des eigenen, barmherzigen, allgütigen Gottes, gepriesen sei sein Name!

Ja, wir sind am Rubikon angelangt. Und wie die Männer Cäsars, die von ihrem Feldherrn erwartet haben, daß sie ihn überschreiten, so können auch wir schon sehen, daß die Würfel gefallen sind.

In den Jahren davor habe ich Voraussagen gegeben, eher unterhaltend als ernst gemeint. Doch die Zeit der Unterhaltung ist vorbei, was auf uns zukommt, ist ein harter Feldzug gegen die eigenen Leute, ein Krieg mit wechselnden, tückischen Allianzen. Wer uns heute als Freund willkommen ist, kann schon morgen der Gegner sein, mit dem wir erbittert um ein paar Brotkrumen kämpfen.

Die Leute, die zu Weihnachten Flitterzeug gekauft haben, Spielkonsolen und Fernseher, Skiausrüstungen und Pelzmäntel, werden sich womöglich bald wünschen, statt dessen Ravioli und Corned Beef, Ölsardinen und Brot in Dosen im Haus zu haben.

Ein einziger Tag hat genügt, um den Rubikon zu überschreiten, doch es hat Jahrzehnte gedauert, bis Rom sich davon erholt hatte, bis im Augusteischen Zeitalter wieder Ruhe, Recht und Ordnung herrschten. Bis dahin war viel Blut vergossen worden, jede politische Entscheidung barg die Gefahr, auf der falschen Seite zu stehen. Wer sich jedoch nicht entschied, wurde zum Spielball aller Interessen, von allen bedrängt und genötigt.

Wir stehen am Rubikon und morgen beginnt 2009. Es wird kein gutes, sondern ein geschichtsträchtiges Jahr. Ein Jahr, bei dem es nicht darauf ankommt zu leben, sondern zu überleben.

Ich wünsche Ihnen eine robuste Gesundheit und immer die nötige Handbreit Wasser unter dem Kiel Ihres Lebensschiffes! Kommen Sie gut durch, in den schweren Zeiten, die jetzt anbrechen!

© Michael Winkler