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Der Verlust des Wunderbaren (19.7.2017)

Ich hebe den Blick zu den Sternen und empfinde eine Vertrautheit, eine Sicherheit. Dort oben ist sie, die Orion VIII, die mich, die uns, die die ganze Erde beschützt. Das Weltall ist unser Lebensraum, es ist der nächste Schritt, bald, ja bald ist es soweit. Die Zukunft ist etwas Wunderbares! Wie großartig würde doch das Jahr 2000 sein!

Das ist 50 Jahre her. Wenn ich heute den Blick zum Himmel erhebe, dann sehe ich einen Dunstschleier, der bei Tag das einst vertraute Blau verblassen läßt, und den bei Nacht nur wenige Sterne durchdringen. Zwischendurch gab es eine Zeit, da war dieses Weltall leer gewesen, leer und fremd, voller unendlicher Weiten. Nicht mehr das Kind, der Physiker schaute hinaus, jemand, der 15.000 Kilometer im Jahr mit dem Auto gefahren ist und ausrechnen konnte, daß ein Lichtjahr 9,5 Billionen Kilometer ist, also etwa 635 Millionen Jahre zu fahren. Zum nächsten dieser Lichtpunkte wäre ich 2,66 Milliarden Jahre unterwegs, was dem halben Alter des Sonnensystems entspricht.

Da draußen schwebt das Hubble-Teleskop, das phantastische Bilder jener Fernen zeigt, die uns Erdenmenschen immer mehr verschlossen werden. Die Hochatmosphäre ist mit Wasserdampf gesättigt, den der gewöhnliche Flugverkehr dort einträgt, dazu brauche ich keine "Chemtrails" oder "Sprühflugzeuge". Gegen diesen Treibhauseffekt wird nichts unternommen, klar, denn die Fluggesellschaften verdienen Geld, und auch die größten Klimaenthusiasten lieben die frischen Produkte, die aus der ganzen Welt eingeflogen werden. Unsere selbstherrliche Kanzlerin mag gegen Kohlendioxid predigen, sie selbst ist mit ihrem Kanzlerairbus eine Klimasau vor dem Herrn.

Ist das ein zu harter Aufschlag in der Realität? Der Osterhase, Sankt Nikolaus, das Christkind - sie sind alle verschwunden. Die sprechenden Tiere aus dem Dschungelbuch, die guten Feen aus dem Märchenbuch, der liebe Gott aus der Kinderbibel, der schützend seine Hände über uns hält - wo sind sie geblieben?

Der Verlust des Wunderbaren geht weiter, er ist viel schlimmer als wir es uns vorstellen. Die wohlwollenden Politiker, die sich für das Wohl des Volkes aufarbeiten, voller Weisheit und Güte, sind zu egoistischen Parteifunktionären geworden, die jeden persönlichen Vorteil mitnehmen, oftmals gescheiterte Existenzen, die im normalen Berufsleben untauglich waren. Personen, die es nötig hatten, bei ihren Doktorarbeiten zu betrügen, die nicht weiter denken können als bis zur nächsten Wahl, die Parteiinteressen über Volksinteressen stellen. Menschen, nicht in ihrer Größe, sondern in ihrer ganzen Erbärmlichkeit, Pädophile und Ehebrecher, die auf Kosten des Volkes zu gerne den Lebensstil barocker Fürsten pflegen. Versager, gewissenlose Jasager, die sich selbst die Taschen füllen, die ganz legal mit ihren Diäten und Pensionen den Staat ausplündern.

Wo sind sie, die gerechten Richter, die nach Wahrheit suchen, die Unschuldige beschützen? Eine "Staatsnote" macht aus ihnen keine besseren Menschen. Das sind Leute, die ihre Hypotheken abzahlen wollen, deren Kinder in der Schule versagen, die ihre Fälle abschließen wollen. Denen geht es nicht um Gerechtigkeit, sondern um geschlossene Aktendeckel, um den frühzeitigen Dienstschluß. Natürlich kuschen Richter und Staatsanwälte, wenn eine muslimische Großfamilie aufmarschiert und durchblicken läßt: "Wir wissen, wo Dein Haus wohnt!" Da wird der Kleine, der einzelne Deutsche, eben gehängt, damit man den Großen, den Ausländer im Schutz seiner Großfamilie, laufen lassen kann - oder zumindest glimpflich davonkommen läßt.

Oh ja, sie sind alle fehlbar, sie haben alle Angst, sie sind für Geschenke empfänglich. Natürlich im Rahmen der Vorschriften, wobei die oberste Vorschrift natürlich lautet: Du sollst Dich nicht erwischen lassen. Es gibt sie durchaus, die selbstlosen Menschen, die lieber geben, als immer mehr zu nehmen, jene Menschen, die wir aus Märchen und Sagen kennen. Doch sie sind die Ausnahme, die Besonderheit, deshalb erzählen Märchen und Sagen von ihnen. Größe ist in Menschen nur selten, und oft nur für begrenzte Zeit. Der Held, der in einer bestimmten Situation über sich hinauswächst, ist morgen wieder ein gewöhnlicher Mensch, ein Otto-Normal-Spießer.

Die Welt ist entzaubert. Und Gott? Laut heute gültiger Lehre ist das Universum 13,82 Milliarden Jahre alt, es gibt darin mindestens 10.000 Quadrillionen Sterne. Jetzt bitten Sie denjenigen, der dies alles geschaffen hat, Ihnen zu helfen, Ihre verlegte Fernbedienung für den Fernseher wiederzufinden. Oder Sie versuchen es eine Nummer kleiner, beim heiligen Antonius. Der ist nur für die Erde zuständig und auch dort nur für eine Milliarde Katholiken. Der führt Sie gerne zu Ihrer Fernbedienung, sucht in zwei Stunden Ihren Autoschlüssel und weiß anschließend sogar, wo Sie Ihren Regenschirm versteckt haben. Fünf Millionen derart hochwichtiger Anfragen pro Stunde dürften für einen Heiligen doch kein Problem sein.

Haben Sie keine Sorge, daß der liebe Gott Ihnen nicht zuhört. Der Verfassungsschutz tut es, ganz unauffällig, immer, wenn Sie telephonieren. Nicht so altmodisch wie einst die DDR, wo Menschen mit Kopfhörern vor einem Tonbandgerät sitzen, sondern per Computer. Der Rechner hört geduldig zu, wenn Sie über den Zustand der Innereien Ihrer Tante Frieda sprechen. Er merkt hingegen auf, wenn Sie die Worte "Schnee" oder "Bombe" benutzen. Ein Algorithmus entscheidet, ob Sie über Ihren Winterurlaub sprechen oder über gewisse Ausflüge aus der Wirklichkeit. Er bemerkt auch, ob die "Bombe" sich auf das Aussehen der neuen Chefsekretärin bezieht oder auf einen Rucksack, der irgendwo abgestellt werden soll.

Erfolglose Autoren gibt es nicht mehr, sie werden alle gelesen. Auch kleine Artikel und Bemerkungen, die Sie beispielsweise auf Facebook hinterlassen. Dafür gibt es die Antonio-Amadeo-Stiftung, die mit Ihrem Steuergeld vom Ministerium für Wahrheit finanziert wird. Dem Ministerium geht es ja nur darum, ein bißchen zu erziehen. Haßkommentare und Beleidigungen dürfen nur stehen bleiben, wenn sie die Richtigen treffen, ansonsten muß das Ministerium für Meinungszensur eingreifen. Und es dient ja nur der Wahrheit, wenn bestimmte Aussagen gelöscht werden. Also so üble Dinge wie "Die Bank an Ihrer Seite", bei einem Institut, das jeden Cent aus Ihnen herauspressen möchte, dessen es habhaft werden kann. Ach so, nein, solche Dinge stören das Ministerium für Wahrheit nicht. Warum auch? Wer legt sich schon mit Banken an?

"An jedem Tage, in jeder Lage, geht es mir besser und besser." Das sollen Sie sich immer wieder sagen, das ist eine Affirmation, das ist Positives Denken. Ist es da nicht herrlich, daß Kohl die Rentenkasse geplündert hat? Um wieviel geht es Ihnen besser, seit Schröder jene, die ihr Leben lang gearbeitet haben, mit jenen gleichgestellt hat, die noch nie etwas geleistet haben? Wie wunderbar war das damals, als Merkel die Mehrwertsteuer erhöht hat? Wie großartig sind Merkels offene Grenzen, wegen der wir nun Volksfeste wie Festungen sichern müssen? Seien Sie dankbar, daß es Ihnen von Tag zu Tag besser geht, daß Ihre Rente ständig verringert und das Renteneintrittsalter ständig erhöht wird. Seien Sie dankbar für jede Milliarde, die unsere Regierung zusätzlich zum Fenster hinauswirft. Freuen Sie sich, daß die Nachrichten in Merkeldeutschland noch besser gefiltert werden als in Nordkorea.

Meine Oma hat am Weihnachtstag das Wohnzimmer abgeschlossen, damit das Christkind in Ruhe unseren Baum schmücken konnte. Mein Opa hat einem lebenden Hasen Schokoladeneier ans Fell geklebt, die dieser zu meinem Staunen verloren, also gelegt hat. Eines Tages war diese wunderbare Welt entzaubert. Beide leben nicht mehr, doch ich bin ihnen heute noch dankbar für diese Täuschung, für das kleine bißchen Wunder in der schnöden Welt.

Wann immer eine "gute" Nachricht verkündet wird, muß man nachfragen, wem das nutzt, wer etwas davon hat, und vor allem, was derjenige davon hat. "There is nothing like a free lunch", sagen unsere amerikanischen Freunde. "Es gibt kein kostenloses Mittagessen", heißt das übersetzt, bei uns lautet das Sprichwort: Nichts ist umsonst. Sie wollen heute nicht spülen? Kein Problem, dann spülen Sie eben morgen doppelt soviel. Sie müssen für diese freie Zeit bezahlen, so wie Sie für alle Geschenke der Politiker bezahlen müssen. "Griechenland vor dem Staatsbankrott gerettet?" Na ja, mittlerweile fehlt uns der Glaube daran, doch für diese Nachricht haben wir bezahlt, mit Steuergeld und mit unseren Ersparnissen.

"Spenden Sie für die hungernden Kinder in Afrika!" Die Kinder dort hungern seit Jahrzehnten, und diejenigen, für die wir gespendet haben, setzen sich heute in seeuntüchtige Boote, um zu den Schiffen der großen Schlepperorganisationen zu fahren, die sie nach Europa bringen. Dort wollen diese Herren noch mehr abgreifen, auch das haben, was wir nicht spenden wollten. Ich bedauere, aber das ist die perfide Logik hinter den "Flüchtlingen". Unsere Spenden bewirken keine Wunder, sondern stören das Gleichgewicht, sie helfen nicht, sie lassen die Welt noch grausamer werden.

Das arme Würmchen mit den großen Kulleraugen, das uns flehentlich in den Werbefilmen anschaut, in denen um Geld für Afrika geworben wird... Ist daraus in zehn Jahren ein Kindersoldat geworden, der bedenkenlos auf seine Nachbarn schießt? Besteigt er in fünfzehn Jahren ein "Flüchtlingsboot", um ins Schlaraffenland zu übersiedeln? Steht er in zwanzig Jahren als Vergewaltiger auf der Kölner Domplatte? Das sagt uns dieser Werbefilm nicht, das ist die Realität. Oh, natürlich kann daraus ein anständiger Mensch werden, das ist durchaus möglich, aber nicht garantiert.

Die Apartheit war böse, sagt man uns. Die Weißen in Südafrika haben die Schwarzen unterdrückt und ausgebeutet, sagt man uns. Die Schwarzen haben seit dem Ende der Apartheit 70.000 Weiße oft bestialisch ermordet, aus Haß, aus Rassismus. Nein, das sagt man uns nicht, das müssen wir selbst nachschlagen. Die wunderbare Regenbogen-Nation ist eine Mördergrube, in der schwarze Rassisten rauben, stehlen, morden und vergewaltigen. Ein Staat, der aus der Substanz lebt, der heruntergewirtschaftet wird, wie jeder andere Staat Afrikas, in dem die Schwarzen die Herrschaft übernommen haben. Hochgearbeitet hatte sich nur Libyen, da hat ein Diktator für sein Volk gesorgt. Deshalb haben unsere Leute, der hochgelobte Westen, den Diktator vernichtet, Libyen in die Steinzeit bombardiert, auf afrikanisches Niveau zurückversetzt.

Die Geschichten aus Tausendundeiner Nacht, Reiseberichte, die Erzählungen Karl Mays, sie haben uns über die Wunder des Orients berichtet. Die märchenhaft reichen Ölscheichs haben diese Wunder Realität werden lassen. Doch sobald man an der Oberfläche kratzt, blättert der goldene Schein ab. Da zeigt sich eine rückständige Religion, mit rückständigen Sitten. Da wird ausgepeitscht, Dieben die Hand abgehackt, da wird geköpft, da sind Frauen minderwertig, da werden Menschen noch immer als Sklaven gehalten. Und wo ein Blümchen der Freiheit entsteht, wird es alsbald in den Staub getreten, von einem bärtigen, gewalttätigen Mann, mit dem Koran unter dem Arm.

Betrachten wir die Juden, die so gerne von Auschwitz sprechen, vom "Nie wieder!", von Toleranz und Gleichberechtigung. Was haben sie in Israel getan? Sie haben Ghettos errichtet, für die einheimische, für die semitische Bevölkerung des Landes. Nichtjuden sind dort Bürger minderen Rechts, die enteignet und vertrieben werden, wenn es der Herrenrasse gefällt. Mit der rechten Hand wird anklagend auf die Täter von einst gezeigt, mit der linken Hand die Verbrechen der Gegenwart begangen, im ach so wunderbaren Israel.

Was ist mit denjenigen, welche "die Großen" genannt worden sind? Friedrich der Große, Otto der Große, Karl der Große, Konstantin der Große? Ach, nehmen wir Wilhelm den Großen. Den kennen Sie nicht? In den Geschichtsbüchern steht er als Wilhelm II. 1913 stand er an der Spitze eines aufblühenden Reiches und wurde bereits von Schmeichlern als "der Große" bezeichnet. Hätte er den Weltkrieg gewonnen und bis zu seinem Lebensende 1941 regiert, wäre er ganz zweifellos zu den Großen der Geschichte gezählt worden. Friedrich hat seine Kriege gewonnen und viel für Preußen getan, doch die Mütter, deren Söhne in diesen Kriegen gefallen sind, haben das mit der Größe ganz anders gesehen. Und Karl der Sachsenschlächter war in vielen Fällen ein Übeltäter, dessen Geschichte er als Sieger selbst geschrieben hatte. So gehen sie dahin, die ach so großen der Vergangenheit. Auf dem Thron sitzend, im kaiserlichen Ornat, wirkte Otto der Große sicher beeindruckend. Auf dem Donnerbalken sitzend... Sie verstehen?

Das Wunderbare entschwindet immer mehr aus einer Welt, die nur noch einem einzigen Gott dient, dem Baal Mammon, dessen Hohepriester an der Wall Street sitzen. Rein zufällig sind die meisten von ihnen Juden. Sie entscheiden über das Schicksal der Menschen, lösen dort eine Krise aus, hier einen Boom. Wohin sie viel Geld lenken, wollen sie bald noch mehr Geld zurück. Es geht nur um den Profit, ob das Land danach kahlgeschlagen ist, interessiert sie nicht. Jugoslawien, der ganze Balkan, war einst bewaldetes Land. Heute ist das eine öde Karst-Landschaft. Wo die Bäume hingekommen sind? Viele liegen am Grund des Meeres, verbaut in römischen Schiffen. Die Wälder Italiens haben die Römer und die anderen dort lebenden Völker schon früher abgeholzt. Die Wälder Germaniens waren den zivilisierten und waldlosen Römern unheimlich.

Die Entzauberung der Welt zum Zwecke des Profits ist eine Erscheinung, die es nicht nur in der Gegenwart gegeben hat. Die Anasazi, die Bewohner der Osterinsel, die Maya - die haben ihre Umwelt zerstört, ganz ohne Juden, ganz ohne Baal Mammon. Wenn Ratten auf günstige Umstände treffen, vermehren sie sich hemmungslos. Und schließlich, wenn sie ihre Ressourcen überreizt haben, sterben sie in Massen. Europa war zwischen 1650 und 1900 die große Ausnahme, da wurden ständig neue Ressourcen erschlossen, da wuchs ein Gebiet zur höchsten Blüte... Und hat sich im Überfluß in zwei Weltkriegen ruiniert.

Die USA haben den Zenit ihres Imperiums um 1950 überschritten. Hundert gute Jahre, von 1850 bis 1950... Meinetwegen auch von 1865 bis 1965, da will ich nicht kleinlich sein. Die USA sind längst in die Phase der spätrömischen Dekadenz eingetreten, das Land zerfällt, da kann auch kein Präsident Trump etwas ändern. Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten sind längst die Verarmten Staaten von Amerika geworden, ein Land der unbegrenzten Schuldenberge. Das Kartenhaus bricht zusammen, wenn das Kreditgeld auf den Wert zusammenschrumpft, der ihm innewohnt: NULL.

Also, mache ich mich mal ganz reich. Guthaben: 20.000.000,- Euro. Glauben Sie mir, das steht dort. Wäre ich eine Bank, könnte ich Ihnen etwas abgeben. Wie wäre es mit 2,50 Euro für eine Bratwurstsemmel? Andererseits, wie wäre es mit 450.000,- Euro für einen Ferrari? Ich buche dem Autohaus Gute Hoffnung mal eben ein Guthaben in Höhe von 450.000,- Euro, verringere meinen Reichtum auf 19.549.997,50 Euro, dann sind Ferrari und Wurstsemmel bezahlt. Oh, Sie wollen nicht? Das seien nur Zahlen auf dem Bildschirm? Richtig - Ihr echtes Konto bei Ihrer echten Bank weist allerdings auch nur Zahlen auf dem Bildschirm aus. Dahinter steckt nur die Bank - und die ist sterblich, kann jederzeit verschwinden.

Alles ist nur Illusion...

Wenn Sie mit dem Hammer, der eine Illusion ist, einen Nagel, der eine Illusion ist, in eine Wand schlagen, die nur Illusion ist, dabei Ihren Daumen treffen, der nur Illusion ist, werden Sie Schmerzen fühlen, die auch nur Illusion sind. Trotz der ganzen Illusionen werden Sie ganz real vor sich hinfluchen. Auch der große und allweise Mönch Lamarasu Nirwalima ist von dieser Schmerzillusion nicht allzu begeistert, wenn es sich um seinen eigenen Daumen handelt.

Der Verlust des Wunderbaren entspricht dem Verlust der Illusionen. Wir schlagen in der Realität auf, und wenn es nur unseren Daumen trifft, haben wir noch Glück. Wenn Geld auf Antigeld trifft, passiert in etwa das, was passiert, wenn Materie auf Antimaterie trifft: beides verschwindet. Materie und Antimaterie haben nach der Poincares Formel E=mc² einen Energiegehalt, der in Form von Strahlung freigesetzt wird, Geld und Antigeld haben allenfalls einen emotionalen Gehalt, der in Form des Jammerns freigesetzt wird. Antigeld trägt übrigens den Namen Schulden. Anders als im Universum, wo Materie dominiert und die Antimaterie verschwunden ist, gibt es genausoviel Geld wie Antigeld. Wenn alle Schulden der Welt verschwinden, ist nirgendwo Geld übrig.

Laut gängiger Lehre ist das mit Materie und Antimaterie gleich nach dem Urknall passiert. Und wir, die wir heute leben, sind aus dem Bruchteil des Materieüberschusses entstanden, der diese Vernichtung überlebt hat. Bei der Vernichtung des Geldes wird ebenfalls ein Überschuß überleben: das Bargeld. Ob Sie dafür noch etwas kaufen können, möchte ich dahingestellt lassen. Bargeld hat nur dann einen Wert, wenn der Empfänger glaubt, daß es einen Wert hat. Anders ausgedrückt: Wenn er der Illusion des Geldwerts unterliegt.

Tja, und nun? Unsere Welt ist ein Wunder, die Entstehung des Lebens ist ein Wunder, der Mensch an sich ist ein Wunder... Und wir Menschen haben es geschafft, dieses Wunderbare zu verlieren. Wir haben uns in den Alltag hinabziehen lassen, ins Hamsterrad, haben unseren Blick auf den eigenen Tellerrand gerichtet. Wir haben den Sinn für das Wunderbare durch die Erkenntnis des Banalen ersetzt. Das Christkind, der Osterhase, der Nikolaus... die guten Feen, die sprechenden Tiere... Von denen mußten wir uns verabschieden. Sie waren ein Geschenk unserer Eltern, damit wir leichter in diese Welt finden.

Aber was ist mit dem anderen, das diese Welt uns bietet? Die weisen, wohlmeinenden Politiker, die gerechten Richter, die ehrlichen vertrauenswürdigen Mitmenschen? Die Menschen, die uns helfen könnten, aus dieser Welt einen wunderbaren Ort zu machen? Wo sind sie?

Otto der Große auf dem Kaiserthron, derselbe Otto auf dem Donnerbalken... Kein Mensch ist immer nur groß, oft genug ist er ganz einfach Mensch. Schauen Sie doch mal in den Spiegel. Welcher der beiden Ottos wären Sie? Welcher möchten Sie sein? Perfektion wird von Ihnen nicht verlangt, Sie dürfen sich irren, Sie dürfen sich falsch verhalten. Nur eines dürfen Sie nicht: erkannte Fehler wiederholen. Sie haben es tagtäglich in der Hand, ein bißchen mehr auf dem Kaiserthron zu sitzen.

Dies ist unsere Welt, wir haben keine andere. Und es ist unsere Entscheidung, das Wunderbare für immer verschwinden zu lassen oder es zurück in unsere Welt zu holen. Nicht den Osterhasen, sondern den Opa, der ihm Schokoladeneier ins Fell klebt. Nicht das Christkind, sondern die Oma, die das Wohnzimmer abschließt. Nicht den Nikolaus, sondern den Nachbarn, der ein Paket annimmt. Das Wunderbare kommt mit den Kleinigkeiten zurück, mit einem freundlichen Lächeln, mit einer kleinen Geste, die uns wenig bis nichts kostet. Was uns bleibt, ist die Hoffnung, die Hoffnung auf das Wunderbare, das zum ganz großen Wunder wird!

© Michael Winkler

Dieser Text ist der 612. Pranger. Seine Kollegen stehen im geschützten Archiv nur einige sind frei zugänglich. Was Ihnen entgeht, sehen Sie in dieser Liste und in jener. Falls Sie das überzeugt - hier lesen Sie, was Sie ein Paßwort kostet. Aber vielleicht kann ich Sie ja auch für meine Bücher begeistern:

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Erschienen 2007
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Neuauflage 2017
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2016er Version
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Dritte Auflage!

Erschienen 2009
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Erschienen 2009
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Erschienen 2010
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Erschienen 2010
232 Seiten
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Erschienen 2013
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Erschienen 2013
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Erschienen 2014
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