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Dharma (13.9.2017)

Dieses Wort stammt auch aus Indien. Es handelt sich dabei um den kleinen, viel weniger bekannten Bruder des Karma. Sie können dieses Wort mit "Schicksal" oder "Bestimmung" übersetzen, richtig treffend ist die Übersetzung allerdings nicht. Die deutsche Sprache ist vermutlich die reichste der Welt, sie vermag Sachverhalte so präzise und nuancenreich auszudrücken wie keine andere. Oft brauchen Sie mehrere Worte, wenn nicht gar ganze Sätze, um die Bedeutung eines deutschen Wortes vollständig in eine andere Sprache zu übertragen. Dharma und Karma gehören zu den Worten, bei denen es sich umgekehrt verhält. Das liegt daran, daß das Christentum sich der Lehre der Wiedergeburt entledigt hat, damit ihre Schäfchen sich nicht trauen, in ihrem einzigen Leben an den Lehren der Kirche zu zweifeln.

Über das Karma grassieren seltsame Geschichten, so soll das Karma dafür verantwortlich sein, daß Sie in Ihrem nächsten Leben als Regenwurm auf die Welt kommen. Bei gutem Karma kommen Sie als Prinzessin zur Welt oder zumindest als Sohn eines Milliardärs. So weit so unsinnig.

Dharma und Karma lassen sich wunderbar ganz profan erklären. Sie werden beruflich ins Ausland versetzt. In die Schweiz, nach Amerika, nach Neuseeland, jedenfalls außerhalb der EU. Sie haben als ordentlicher Deutscher natürlich ein Konto bei einer deutschen Bank, Überweisungen in Nicht-EU-Länder kosten unangenehm hohe Gebühren. Miete, Strom, Wasser, Gas, Geld aus dem Automaten... Dafür brauchen Sie ein Konto in dem Land, in dem Sie arbeiten werden. Sie richten das Konto ein, und damit es nicht gleich unter Null geht, überweisen Sie einmalig einen ausreichend hohen Betrag von Ihrem deutschen Konto. Dieses deutsche Konto ruht anschließend, bis Sie wieder zurückkehren. Den alltäglichen Zahlungsverkehr wickeln Sie über Ihr Auslandskonto ab. Am Ende, wenn Sie wieder in die Heimat zurückkehren, lösen Sie das Auslandskonto auf. Ein vorhandenes Guthaben überweisen Sie nach Deutschland, eine eventuelle Unterdeckung gleichen Sie aus Ihrem deutschen Konto aus. Sehen Sie, so einfach funktionieren Karma und Dharma.

Karma ist das "große" Schicksal, das Sie durch alle Leben hinweg begleitet. Dharma ist das "kleine" Schicksal, das Sie während Ihres Erdenlebens anhäufen. Am Ende Ihres Lebens wird das Dharma auf Ihr Karma gebucht und das war es. Eigentlich ganz einfach, oder? Wenn ich jedoch jetzt aufhöre, da alles gesagt ist, werfen Sie mir vermutlich Faulheit vor. Anders ausgedrückt, Sie wollen, daß ich weiterschreibe. Wenn nicht, klicken Sie die Seite weg, es kommt nichts Neues mehr. Versprochen.

Die häufigste Namenskombination in Deutschland ist Thomas Müller, also reden wir von ihm. Nein, der Fußballspieler ist damit nicht gemeint. Als erstes pflanzen wir... Einverstanden, Samen- und Eizelle. Irgendwie müssen wir ja zu diesem Thomas Müller kommen. Diese befruchtete Eizelle beginnt schnell, sich immer wieder zu teilen. Das muß sie, schließlich ist Thomas Müller kein Einzeller. Die menschlichen Zellen können sich etwa 50mal teilen, dann sind sie verbraucht. Der ausgewachsene Mensch besteht aus zwei Billionen Zellen, das heißt, bis Sie so richtig auf der Welt sind, haben Sie 40 dieser Teilungen verbraucht. Mit den restlichen zehn Teilungen müssen Sie Ihr verbleibendes Leben auskommen. Bis zur Geburt passiert also viel mehr als danach.

Dem Zellklümpchen wird irgendwie eine Seele zuteil. Die lasse ich vom Himmel fallen, was in diesem Fall eine weitaus bessere Beschreibung ist, als in so vielen Zusammenhängen. Die Seele bringt das Karma mit, was letztlich nur heißt, daß sie in den ihr entsprechenden Lebensumständen inkarniert. Das deutsche Wort "verfleischlicht" mag zwar anschaulich sein, es klingt jedoch eher nach Metzgerei als nach Spiritualität. Dafür beschreibt das Sprichwort: "Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm" sehr gut, was Karma bedeutet.

Wenn Ihre Eltern gelbe Dreiecke sind, kommen Sie nicht als blauer Stern zur Welt. Setzen Sie statt Farbe und Form Charaktereigenschaften, wie Ehrlichkeit, Streitsucht, Religiosität... Was immer Sie wollen. Das Karma ist nichts anderes als dieser Grundcharakter, den Sie in die Welt bringen, gewissermaßen der Kontostand, den Sie aus der Heimat überweisen. Wobei noch etwas dazukommt, die Lebensaufgabe(n). Wenn Ihre Firma Sie ins Ausland versetzt, dann sollen Sie dort nicht den Weltrekord im Däumchendrehen aufstellen, sondern ganz bestimmte Arbeiten erledigen. Diese Lebensaufgabe, die auch Ihre Bestimmung genannt werden kann, bringen Sie mit.

Unser künftiger Thomas Müller besteht aus einem Zellklumpen, der langsam so aussieht, wie ein Fisch, mit grundlegenden Charaktereigenschaften und der einen oder anderen Lebensaufgabe. Ja, das ist das geheimnisvolle Dharma. Der Fisch formt sich um zum Menschen, schließlich wird er in die böse Welt entlassen. Der Säugling verfügt über eine Grundprogrammierung, die angeborenen Instinkte. Aus früheren Leben nimmt er keine bewußten Erinnerungen mit. Warum? Das Gehirn des Neugeborenen muß in den nächsten Jahren auf die dreifache Größe anwachsen, um seine volle Funktion zu erlangen. In dieser Zeit verbrät das Gehirn bis zu 60% der Energie, die der Wonneproppen in sich hineinschlingt. Ein ausgewachsenes Gehirn begnügt sich mit 25%, nur so nebenbei angemerkt.

Jedenfalls bekommt das hilf- und wehrlose Kleinkind den Namen Thomas Müller und wird anschließend erzogen. Da trifft es sich gut, daß Eltern, die gelbe Dreiecke sind, ein gelbes Dreieck als Nachwuchs bekommen haben. Das Kind sammelt erste Erfahrungen, beispielsweise daß sich Hammer und Fensterscheibe nicht allzu gut vertragen, oder daß der Schwanz einer Katze nicht dafür gedacht ist, daran zu ziehen. Aus dem netten kleinen Jungen wird schließlich ein Pubertier, das eigene Verhaltensmuster ausprobiert, und schließlich ein Erwachsener.

Damit beginnt die Sache mit dem Dharma so richtig. Im Jenseits hat der noch nicht inkarnierte künftige Thomas Müller beschlossen, sich zu einem grünen Fünfeck weiterzuentwickeln. Seine Bestimmung ist also dieses grüne Fünfeck. Mittlerweile ist der ausgewachsene Thomas Müller ein orangenes Viereck geworden, er hat also eigene Wege eingeschlagen. Orange ist, nach den Regenbogenfarben, die falsche Richtung. In diesem Fall lebt er gegen seine Bestimmung. Ein Viereck ist hingegen der richtige Weg.

Wobei diese Worte eine Wertung enthalten, die es so nicht gibt. Ein "richtig" existiert ebensowenig wie ein "falsch". Sie sitzen am Steuer Ihres Lebens, Sie können jeden Tag neu entscheiden, was Sie tun, in welche Richtung Sie sich entwickeln wollen. Sie können auf Ihrem Auslandskonto Geld ansammeln, oder dieses Geld für etwas ausgeben, das Ihnen wertvoller erscheint. In den USA gibt es Mount Rushmore, Yellowstone und andere Sehenswürdigkeiten. Wollen Sie die besuchen? Oder wollen Sie lieber möglichst viele Bourbons probieren? Interessieren Sie Museen oder der Broadway? Wollen Sie viele Amerikaner kennenlernen? Disneyland und Miami Beach?

Haben Sie Frau und Kinder zu Hause und müssen eine Hypothek abzahlen, sind Sie natürlich gebunden. Frau, Kinder und Hypothek sind jedoch Ihre eigene Entscheidung gewesen. Das ist Schicksal, Dharma, es sind die Konsequenzen Ihres Handelns und Ihrer Entscheidungen. Es gibt keinen bösartigen Gott, der Ihnen vorschreibt, was Sie tun und lassen sollen. Dieser Gott ist eine Erfindung der Kirche, die damit bewirken will, daß Sie immer im Sinne der Kirche handeln. Oder daß Sie das tun, was Mohammed getan hat. Gott hat Ihnen alle Freiheiten gelassen, doch mit jedem Schritt, den Sie gehen, haben Sie ein Stück des Weges zurückgelegt, das eine getan und das andere gelassen.

Sie sind die Summe all dessen, was Sie gedacht, gefühlt, erlebt und getan haben. Sehr vieles davon ist die direkte Folge Ihres eigenen Wollens. Das Strafmandat wegen zu schnellen Fahrens haben Sie nicht gewollt? Einverstanden, das glaube ich Ihnen. Sie haben jedoch den Führerschein gewollt, Sie haben ein Auto gekauft, Sie haben entschieden, die Straße zu nehmen, an der das Blitzgerät steht. Und es war Ihre Entscheidung, ob bewußt oder unbewußt, der Verkehrslage entsprechend zu fahren und sich nicht nach den Vorschlägen der Stadtverwaltung zu richten, die ein paar Verkehrsschilder aufgestellt hat. Das Schreiben mit dem Freu Dich, zahl mal wieder, ist somit die Folge Ihres Handelns und Ihrer Entscheidung. Wenn Sie deswegen über Wegelagerei und Raubrittertum schimpfen, ist das ebenfalls Ihre Entscheidung.

Roßtäuscher... Mit diesem Begriff verbinden Sie bestimmt etwas. Auch der Hallodri hat ein paar Eigenschaften. Aber bleiben wir lieber beim gelben Dreieck. Sie betreten die Welt als gelbes Dreieck, und Ihre Eltern versuchen alles, Sie zum größeren gelben Dreieck heranwachsen zu lassen. Fühlen Sie sich dabei wohl? Ist es gar Ihre Bestimmung, ein gelbes Dreieck zu sein? Dann kehren Sie mit dem Rucksack voller Dharma ins Jenseits zurück, den Sie von dort als Karma mitbekommen haben. Ihr Leben war nicht etwa sinnlos, sondern es hat Sie in Ihrer Rolle als gelbes Dreieck bestätigt.

Aber Sie wollten doch ein grünes Fünfeck werden? Nun, das haben Sie nicht geschafft. Sie beenden Ihr Leben mit diesem Dharma, das Sie erneut als Karma ins Jenseits tragen. Sie haben die Schulklasse nicht geschafft, sind aber deutscher Meister beim Ringen im griechisch-römischen Stil geworden. Es gibt jedes Jahr weniger deutsche Meister als Mitschüler in Ihrer Klasse, die versetzt werden. Wer hat den größeren Erfolg errungen? Die Klasse wiederholen Sie im nächsten Jahr, na und? Sie sind nicht der Einzige! Sie haben sehr viele Leben vor sich, um zum grünen Fünfeck zu werden.

Das mag beruhigend klingen, für das Lebensglück sieht es ein wenig anders aus. Wenn Sie Ihre Bestimmung leben, fügt sich vieles "wie von selbst". Leben Sie gegen Ihre Bestimmung, wird der Weg eher steinig. Leben Sie nach Ihrer Bestimmung, erfüllen Sie also Ihre Lebensaufgabe, ist das wie entspanntes Fahren auf der Autobahn, ohne Baustellen, ohne Staus, mit 100 bis 120 km/h. Gegen Ihre Bestimmung fahren Sie auf Kreisstraßen, hinter Traktoren, durch enge Ortsdurchfahrten, obendrein behauptet Ihr Navi, daß Sie bis in die Flußmitte fahren sollen und dann rechts abbiegen. Es ist letztlich Ihre Entscheidung, Gott, das Schicksal, Dharma und Karma akzeptieren Ihren freien Willen. Sie müssen letztlich damit leben, vermutlich nicht nur einmal.

Im Buddhismus erreicht die Seele schließlich das Nirwana, den Ausstieg aus dem Kreis der Wiedergeburten. Ob Sie dafür tausend oder zehntausend Leben brauchen, ist dabei gleichgültig. Sie haben Ihr Karma aufgelöst, heißt es da. Anders formuliert, Sie haben alle Lebensaufgaben erfüllt. Um im Bild zu bleiben: Sie sind zum farblosen, durchsichtigen Kreis geworden. Alle Farben, alle Ecken, alle Kanten sind verschwunden. Sie haben in diesen vielen Leben jeweils Ihr Dharma erfüllt, Ihre Bestimmung erreicht. Sie sind vorangeschritten, langsam, bedächtig, und Sie sind angekommen. Und wo? Sie erscheinen als schwarzer Tetraeder, nun dreidimensional, um auf dieser höheren Ebene zur gläsernen Kugel zu werden. Oder Sie sind wirklich dort, wo Sie sich auflösen, Eins werden mit dem All, mit der Schöpfung, mit Gott.

© Michael Winkler

Dieser Text ist der 616. Pranger. Seine Kollegen stehen im geschützten Archiv nur einige sind frei zugänglich. Was Ihnen entgeht, sehen Sie in dieser Liste und in jener. Falls Sie das überzeugt - hier lesen Sie, was Sie ein Paßwort kostet. Aber vielleicht kann ich Sie ja auch für meine Bücher begeistern:

Was wirklich im Grundgesetz steht

Vergriffen

Neuauflage fraglich

Erschienen 2005
100 Seiten
5,95 Euro

Neuaflage 2014
112 Seiten
8,90 Euro

Erschienen 2007
108 Seiten
8,90 Euro

Neuauflage 2017
192 Seiten
13,80 Euro

Erschienen 2009
320 Seiten
9,90 Euro

2016er Version
300 Seiten
18,00 Euro

Dritte Auflage!

Erschienen 2009
220 Seiten
14,95 Euro

Erschienen 2009
236 Seiten
14,95 Euro
Erschienen 2010
208 Seiten
14,95 Euro
Erschienen 2010
232 Seiten
14,95 Euro
Erschienen 2012
228 Seiten
14,95 Euro
Erschienen 2012
244 Seiten
14,95 Euro
Erschienen 2013
144 Seiten
9,90 Euro
Erschienen 2013
144 Seiten
9,90 Euro
Erschienen 2014
148 Seiten
9,90 Euro