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Die Glocke von Asgard - Teil 4 (29.11.2017)

Dies ist der vierte und letzte Teil der vierteiligen Fortsetzungsgeschichte.

Ragnarök

„Dem Gesetz muß in jedem Fall Geltung verschafft werden. Angesichts der immer häufigeren und respektloseren Leugnung des Holocausts empfehle ich dem Gericht, ein Zeichen der Strenge zu setzen. Die Staatsanwaltschaft fordert zwei Jahre Gefängnis ohne Bewährung, was auf Grund der Hartnäckigkeit des Angeklagten angemessen erscheint.“

Der Staatsanwalt hatte sein Bestes gegeben. Der Vortrag des Verteidigers und die letzten Worte des Angeklagten waren nur eine Formalität, ebenso die Beratung des Gerichts. Prozesse wegen Verstoßes gegen §130 StGB waren für die Staatsanwaltschaft Heimspiele mit bestochenem Schiedsrichter, da gab es keinerlei Überraschungen.

Die Richterin und die beiden Schöffen kehrten zurück. „Im Namen des Volkes ergeht folgendes Urteil…“

Der letzte, strafende Blick auf den Angeklagten sollte diesen vor Scham in den Boden versinken lassen. Den Boden ließ dieser Blick unbeeindruckt, dafür verschwand der Angeklagte von einem Augenblick zum anderen.

Die Richterin blickte ratlos zum Staatsanwalt. „Was ist da gerade geschehen? Wo ist er hin?“

Die Zuschauer im Gerichtssaal reagierten genauso verblüfft. Dann verschwanden auch sie, einer nach dem anderen. Nur die Vertreterin der Presse blieb zurück, und Kevin Falke, der als verdeckter Ermittler für den Verfassungsschutz in der rechten Szene arbeitete. Das wußte jedoch nicht einmal das Gericht.

„Das ist doch nicht möglich…“ Die Richterin erhoffte sich eine Antwort von den beiden Polizisten, die im Saal für Sicherheit sorgen sollten. Doch sogar von denen verschwand einer.

Was in dem Gerichtssaal seinen Anfang genommen hatte, setzte sich fort, im ganzen Land, auf der ganzen Welt. Die Leute verschwanden einfach. Es kam zu Staus, weil Autos an den Ampeln stehen blieben, da kein Fahrer mehr darinnen saß. In einem Fall landete ein Flugzeug sicher, rollte auf seine Parkposition, dann verschwanden die Piloten. In vielen Fällen verschwanden ganze Familien.

* * *

„Sie verschwinden! Ist das nicht Klasse? Das ganze Dreckspack verschwindet!“ Hein kommentierte die Tagesschau, die gerade berichtet hatte, daß bei der PEGIDA-Demo in Dresden etwa ein Drittel der Teilnehmer sich einfach in Luft aufgelöst hatte. Sie zeigten sogar Filmaufnahmen, in denen Menschen von einem Augenblick zum nächsten verschwanden. Die Kundgebung hatte sich schließlich in Panik aufgelöst.

„Bist blöd oder was?“, fauchte Charlene gereizt. „Wenn die ganzen Nazischweine einfach verschwinden, wer braucht uns dann noch? Wer bezahlt dann noch die Antifa?“

Kevin beruhigte sie: „Die Dreckskerle haben doch Ersparnisse, Wohnungen, Autos – da fällt doch sicher was für uns ab.“

Charlene ließ sich davon nicht überzeugen. „Die Wohnungen kriegen zuerst die Scheiß-Moslems, für uns bleibt das nichts über.“

Hein wunderte sich. „Haben wir das nicht immer gefordert? Wohnungen für Ausländer?“

„Solange da Nazischweine gewohnt haben, war das in Ordnung“, belehrte ihn Charlene. „Jetzt, wo die weg sind, sind die Wohnungen leer und wir kriegen nichts!“

„Die lassen uns schon nicht fallen“, widersprach Kevin. „Die brauchen uns bestimmt noch!“

„Kannst ja arbeiten gehen“, empfahl Charlene. „Die Deppen, die bisher den Laden am Laufen gehalten haben, sind jetzt weg. Da brauchen die jeden.“

„Arbeiten? Wir?“, fragte Hein fassungslos.

„Darauf läuft es hinaus“, knurrte Charlene. „Die Nazis nennen uns ja nicht umsonst Zecken. Wir leben vom Blut anderer Leute – und gerade die verschwinden jetzt.“

„Diese verdammten Drecksäcke“, ärgerte sich Kevin, der langsam begriff, was Charlene erklärte. „Hauen einfach ab und lassen uns in der Scheiße sitzen!“

* * *

Gustav Reinders hatte das Hamburger „Schietwetter“ immer für ein Klischee gehalten. Als ihn sein Berufsweg nach Hamburg gebracht hatte, hatte er lange gegen das Klischee angekämpft. Er hatte in Hamburg seine Frau kennengelernt, erst dank Wibke hatte er den Begriff „Schietwetter“ in seinen Wortschatz aufgenommen.

An diesem Tag drang das Sonnenlicht durch die Ritzen der geschlossenen Nachtvorhänge. Gustav zögerte die Sekunden des Aufwachens hinaus, solange er konnte. Dieser Kampf war vergebens, folglich gab er auf. Er küßte seine Frau auf die Stirn und stand auf. Wibke brummte unwillig, doch auch sie stellte sich dem neuen Tag.

Gustav zog die Vorhänge auf. Er erwartete, die tristen Häuser Hamburgs zu sehen, mit Blick auf die Straße acht Stockwerke unter ihrer Wohnung. Die Bäume überraschten ihn, ebenso das freie Land, das sich vor seinem Fenster erstreckte.

„Wibke… Was… Wo…“

Frau Reinders stellte sich neben ihren Mann. Sie öffnete das Fenster und ließ die frische Luft ins Schlafzimmer. Die Sonne stand bereits höher am Himmel, der Morgen war dem Vormittag gewichen.

„Haben wir uns das nicht immer gewünscht?“, fragte Wibke, mit einem zufriedenen Klang in der Stimme.

Gustav hatte Speditionskaufmann gelernt, er arbeitete als Disponent für eine internationale Logistikfirma. Wibke war Bürokauffrau, sie arbeitete als Lohnbuchhalterin in einem Handwerksbetrieb. Ihr Traum war ein Bauernhaus gewesen, ein landwirtschaftlicher Betrieb. Das Bauernsterben hatte solche Betriebe freiwerden lassen, doch deren Felder hatten sich andere Bauern gesichert. Gustav und Wibke hatten nicht genug Geld, um sich einen solchen Bauernhof zu kaufen. Das Risiko einer Pacht wollten sie bei den schlechten Preisen nicht auf sich nehmen.

Gustav und Wibke standen am Fenster. So langsam wurde ihnen bewußt, daß Hamburg und dessen „Schietwetter“ hinter ihnen lagen. Disponent und Lohnbuchhalterin waren gestern, ebenso die Wohnung im achten Stock und der ständige Autoverkehr. Heute, das war Bauer Reinders, mit seinem eigenen Hof. Die Familie Reinders wußte, wie man Felder bestellt, sie wußte, wie man Vieh versorgt. Zu ihrem Hof gehörten die nötigen Maschinen, ein Trecker ebenso wie ein Mähdrescher. 30 Kühe standen im Stall, ein Dutzend Hühner scharrten auf dem Hof. So ein Kleinbetrieb war in Deutschland unrentabel gewesen, dank der EU hatte er sich nicht mehr gelohnt.

Aber dies war nicht jenes Deutschland, eine EU existierte hier nicht. Dies war der Erbhof der Familie der Reinders, für zukünftige Generationen. Gustav und Wibke sahen sich an. Künftige Generationen… Dafür mußten sie erst noch sorgen. Zugleich schauten sie in Richtung Bett. Ein Erbhof benötigte einen Erben… Morgen würde sie der Bauernhof in Atem halten, heute noch nicht, heute war ein freier Tag, ein Tag, den sie nutzen sollten.

* * *

„Frau Bundeskanzlerin, die Lage läßt sich in zwei Worten zusammenfassen: Hungerrevolte und Bürgerkrieg.“ Offiziell gab es keinen Regierungsbunker mehr, sowohl der für die Bonner als auch der für die Ostberliner Regierung waren aufgegeben worden. Die Anlage unter dem noch immer unfertigen neuen Hauptstadtflughafen existierte jedoch, sie war fertig und streng geheim. Die Nähe zum Regierungssitz, die Erreichbarkeit per U-Bahn hatte den Ausschlag gegeben.

Bei einem Angriff aus dem Osten wären 400 oder 500 Kilometer weiter im Westen zu abgelegen gewesen, um die Anlage noch zu erreichen. Es gab dieses zweite Zentrum tatsächlich, bei genügend Vorwarnzeit hätte sich die Regierung dorthin abgesetzt. Beide Zentren waren für jeweils drei Monate autark, sie schützten vor ABC-Waffen, sie besaßen umfassende Kommunikationsmittel.

Zwei Tage nachdem das Verschwinden begonnen hatte, hatte die Kanzlerin sich für die Evakuierung entschieden. Zuerst sie selbst und das Kanzleramt, anschließend die übrigen Ministerien. Im Zentrum West war nur die Notfallbesetzung eingerückt, die Fäden der Regierung liefen ausschließlich im Zentrum Ost zusammen.

Da Hunger und Bürgerkrieg sie vorläufig nicht bedrohten, fragte die Kanzlerin: „Was ist mit dem Verschwinden? Hat das aufgehört?“

„Seit zwei Wochen wurde kein Verschwinden mehr gemeldet“, berichtete der Lagedirektor des Innenministeriums. „Wie es aussieht, hat diese Phase nur zwei Wochen angedauert.“

„Wissen wir wenigstens, was dahintersteckt?“, hakte die Kanzlerin nach.

„Wir können es uns nicht erklären“, gestand der Direktor. „Laut christlichen Prophezeiungen handelt es sich bei dem Verschwinden um die sogenannte Entrückung, bei der die Gerechten von Gott hinweggenommen werden, bevor die Zeit der Plagen anbricht. Allerdings haben wir bei den Entrückten keine christliche Präferenz feststellen können. In unserem Bereich hat es hauptsächlich Biodeutsche betroffen, ob nun Christ oder Atheist scheint gleichgültig. Moslems wurden nur wenige entrückt, Juden waren überhaupt nicht betroffen.“

Das entlockte der Kanzlerin ein triumphierendes Grinsen, schließlich war sie jüdischer Abstammung. „Mit den Gerechten hatte das also nichts zu tun?“

„Kommt darauf an, was Sie unter Gerechtigkeit verstehen“, erwiderte der Direktor. „Es waren genügend Vorbestrafte darunter, die meisten Entrückten hatten einen rechtskonservativen Hintergrund. Richter und Staatsanwälte wurden ebenfalls nicht betroffen.“

„Haben Sie Zahlen über die weltweite Verteilung?“, fragte die Kanzlerin.

„Prozentual hat es uns am heftigsten erwischt, soweit wir das abschätzen können.“ Der Direktor wischte auf seinem Datentablett herum. „Ah, hier. In der Bundesrepublik Deutschland wurden etwa 25 Millionen Menschen entrückt. In ganz Europa einschließlich Rußlands sind es etwa 70 bis 80 Millionen, in den USA und Kanada 20 Millionen, ebenso in Latein- und Südamerika. Japan meldet etwa 20 Millionen, der Rest Asiens 50 bis 60 Millionen. Afrika und die islamischen Länder wurden so gut wie gar nicht betroffen, in Australien und Ozeanien sind es vielleicht fünf Millionen. Weltweit sind rund 200 Millionen Menschen verschwunden – auf keinen Fall mehr als 250 Millionen. Angesichts einer vorherigen Weltbevölkerung von 7,6 Milliarden sind die Verluste unerheblich.“

„Wir haben folglich den größten Schaden erlitten?“, folgerte die Kanzlerin.

„Ja, wobei der Brain Drain weltweit signifikant ist“, dämpfte der Direktor die Hoffnungen. „Es sind überproportional viele Weiße betroffen, außerdem überproportional viele gut Ausgebildete. Während es unter den Staatsbediensteten nur geringe Verluste gegeben hat, fehlen praktisch weltweit die Ingenieure.“

„Wir haben doch die jüdischen Wissenschaftler?“, wandte die Kanzlerin ein.

„Oh ja, aber die produzieren hauptsächlich Papier, keine Erfindungen“, stellt der Direktor fest. „Nehmen Sie den hochgelobten Einstein, der hat keine einzige Erfindung hinterlassen, die in der Industrie oder auch nur im Haushalt genutzt werden kann. Kein Edison, kein Tesla, kein Watt, kein Diesel, kein Benz… Uns fehlen die Facharbeiter, vom Entwicklungsingenieur über die Werkmeister bis hin zum qualifizierten Handwerker. Mit Verlaub, 100.000 Staatsanwälte ersetzen nicht einen einzigen Bauingenieur.“

„Was heißt das konkret?“, fragte die Kanzlerin.

„Unsere Infrastruktur wird weitgehend zusammenbrechen“, berichtete der Direktor. „Uns fehlen die Techniker, die Kraftwerke am Laufen halten, uns fehlt das Personal, das Lokomotiven wartet, uns fehlen die Ingenieure, die Brücken sanieren. Die Versorgung ist bereits jetzt beeinträchtigt, deshalb die Hungerrevolten. Uns fehlen die Bauern ebenso wie die Viehwirte, wir wissen nicht, wie wir die Ernten einbringen sollen. Unsere zugewanderten Mitbürger sind nicht befähigt, da einzuspringen, im Gegenteil, sie fühlen sich unterversorgt und haben eigene Aufstände begonnen. Die Bahnhofsklatscher wehren sich nicht, die werden abgeschlachtet.“

„Wir setzen doch das Militär ein?“, wunderte sich die Kanzlerin.

„Militär?“ Der Direktor lachte auf. „Wir haben die Bundeswehr von nationalen Tendenzen gesäubert, deshalb fehlen uns jetzt die Patrioten, die für das Land ihre Haut riskieren. Viele Offiziere sind verschwunden, die Soldaten mit Migrationshintergrund schießen lieber auf Deutsche als auf ihre Landsleute.“

„Das heißt, wir sind fertig?“ Die Kanzlerin klang so unaufgeregt und distanziert wie immer.

„Ja, Frau Bundeskanzlerin“, gab der Direktor unumwunden zu. „Wir haben mehr Menschen verloren als in beiden Weltkriegen zusammen, und das binnen zweier Wochen. Wenn die Bürgerkriege vorüber sind, leben wir in einem zerstörten Land, dessen Industrie nicht mehr auf die Beine kommen wird. Wir rechnen mit dem Zusammenbruch Europas. Am besten dürfte China mit der neuen Weltsituation zurecht kommen, der Westen ist Geschichte.“

Die Kanzlerin lehnte sich zurück und dachte nach. Wohin konnte sie sich absetzen? Ihr gehörte eine Ranch in Paraguay, doch den Deutschen dort war sie nicht willkommen. Allerdings sollten dort viele der national gesinnten Auslandsdeutschen verschwunden sein. Die USA schieden aus. Die jüdische Herrschaft würde sich dort ohne die weißen Techniker nicht halten können. Und Israel? Israel war ohne Unterstützung von außen nicht lebensfähig. Die USA konnten keinen Nachschub mehr liefern, und Deutschland war am Ende, fiel also als Zahlmeister aus.

Deutschland war zerstört, da hatte die Kanzlerin keine Einwände. Es war jedoch viel zu schnell passiert. Gab es doch eine höhere Macht? Wieso hatte Jahwe dieses Chaos zugelassen?

* * *

Die Nationalversammlung fand am historischen Ort statt: in der Frankfurter Paulskirche. Die Delegierten vertraten 40 Millionen Menschen, die in Deutschland, Österreich, Liechtenstein, der Deutsch-Schweiz, Elsaß-Lothringen, Luxemburg, den Niederlanden, Holstein und Dänemark, Pommern, Schlesien, Posen, West- und Ostpreußen, dem Sudetenland und Böhmen lebten. In diesen Gebieten wurde Deutsch gesprochen, gab es deutsche Schulen und deutsche Universitäten.

„Meine Damen und Herren, ich begrüße Sie hiermit zur Deutschen Nationalversammlung. Unser Ziel ist der Beschluß einer Verfassung und die Wahl einer Regierung für das Deutsche Reich.

Vor einem Jahr sind wir auf dieser Welt angekommen, die der uns bekannten Erde so sehr ähnelt. Wir haben uns in Häusern wiedergefunden, von denen wir gewußt haben, daß sie uns gehören. Dieses Land wird von Straßen, von Autobahnen durchzogen, es gibt Eisenbahnstrecken, Kraftwerke und sogar Industriebetriebe.

Jene von uns, die bereits im höheren Alter gewesen sind, wurden wieder jung, wer krank und gebrechlich gewesen ist, wurde wieder gesund. Die neue Welt hat uns allen ein neues, ein besseres Leben geschenkt.

Wir wissen nicht, was geschehen ist, doch es ist, als hätten wir das Paradies wiedererlangt. Diese Welt ist sauber, sie ist fruchtbar und warm. Wir haben Technologie vorgefunden, die auf unserer früheren Erde unterdrückt war, Schauberger und Tesla haben uns das gegeben, was wir heute nutzen.

Die Astronomen haben festgestellt, daß wir uns immer noch im vertrauten Sonnensystem befinden, doch in diesem Sonnensystem sind Mars und Venus lebende, von Ozeanen bedeckte, einladende Welten. Auf unserer Welt, auf unserer neuen Erde, gibt es keine Wüsten. Wir leben in einem optimalen Klima.

Deshalb, meine Damen und Herren, möchte ich folgende einleitende Worte sagen: Es gibt einen Gott, und dieser Gott ist uns wohlgesonnen!“

* * *

„Die Menschen wissen nicht, daß sie es selbst waren, die sich diese neue Erde geschaffen haben“, stellte Isis fest. „Die sich neu bildende, aufgestiegene Erde war am Anfang mit ihren Gedanken und Wünschen formbar.

„Da dies nur direkt bei ihrer Ankunft auf der aufgestiegenen Erde möglich war, haben sie nicht herausgefunden, wie sie ihre Wirklichkeit geformt haben“, erwiderte Osiris. „Mein Aufenthalt auf der alten Erde hat sich gelohnt, deshalb konnte ich ihnen helfen, die unterdrückten Technologien zu benutzen.“

„Imhotep hat nicht gewußt, daß er dich die ganze Zeit in sich getragen hat.“ Isis lachte leise. „Du hast das halbe Jenseits eingespannt, um ihre Welt einzurichten. Bahnlinien und Autobahnen – daran hätten die Menschen nicht gedacht. Und ein wenig parteiisch warst du dabei auch, weil du dich vor allem um Deutschland gekümmert hast.“

„Die vielen deutschen Seelen im Jenseits haben sehr viel dazu beigetragen“, verteidigte sich Osiris. „Sie haben sich den Platz geformt, wo sie in Zukunft inkarnieren wollen.“

„Du hast den Menschen also nur ein paar ganz kleine Geschenke gegeben?“, stichelte Isis.

„Nun ja, die Pyramiden von Gizeh sind mein Werk“, gab Osiris zu. „So, wie sie ursprünglich ausgesehen haben, mit ihrer weißen Verkleidung und ihren goldenen Spitzen. Ohne den Sphinx wäre das nicht vollständig gewesen. Du hast den Menschen den Suezkanal geschenkt, und Horus ihnen den Panamakanal. Ich gebe zu, da wart ihr beide wesentlich nützlicher als ich.“

„Unsere letzte Tat war das Rechenzentrum Würzburg“, sagte Horus.

Die große Serverbank, eingelassen in massivem Gestein, die das Wissen der alten Erde enthielt, auch das verlorene, wie die vollständige Bibliothek von Alexandria, die vernichteten Schriften der Maya oder der Osterinsel, war das letzte Geschenk gewesen, das die höhere Ebene der neuen Erde hatte geben können. Die Geschichte der Menschheit war dort verzeichnet, auch die Kapitel über Atlantis und Lemuria, die untergegangenen Reiche der Menschen. Und Osiris hatte seinen Diener belohnt. Vor der großen Bibliothek im alten Alexandria waren die Statuen von Apollon und Asklepios gestanden, vor der neuen in Würzburg standen zwei altägyptische Statuen von deren Gott der Heilkunst – von Imhotep.

Ihre Ebene war nun wieder abgegrenzt, konnte nur noch beobachten, nicht mehr handeln und erschaffen. Der Weg zur Erde war Isis, Osiris und Horus wieder verschlossen. Sie betrachteten ihre Schuld gegenüber der Menschheit, die sie hervorgebracht hatte, als getilgt. Allerdings begannen sie zu ahnen, welche Aufgabe ihrer Form der Existenz zukam: die der kosmischen Geburtshelfer.

„Wenn die Menschheit nach den Sternen greift, werden wir wieder gebraucht“, formulierte Isis diesen Gedanken. „Bis dahin – laßt sie uns beobachten.“

* * *

Zeit: 2050, Ort: Jerusalem, Landwirtschaftsministerium, alte Erde

„Sie wollen uns allen Ernstes erklären, daß wir dieses Jahr eine Hungersnot haben werden?“, tobte der Regierungschef. „Wie ist das möglich? Wer hat da geschlampt?“

„Wir alle“, verteidigte sich der Landwirtschaftsminister. „Wir haben dieses Saatgut weltweit eingeführt, das nur einmal keimt. Das hat weltweite Hungerkatstrophen herbeigeführt und die überflüssigen Esser erfreulich verringert. Allerdings ist unser eigenes Saatgut ebenfalls kontaminiert worden. Wir haben nicht mehr genug Saatgut, um unsere Ernährung sicherzustellen.“

„Warum holen wir uns die Nahrung nicht von außerhalb?“, knurrte der Premierminister. „Nehmen wir uns doch einfach, was wir brauchen!“

„Das können wir nicht – nicht mehr“, wendete der Verteidigungsminister ein. „Unsere schweren Waffen sind kaum noch einsatzbereit. Uns fehlen die Ersatzteile, die wir früher von den Gojim bezogen haben, uns fehlt der Treibstoff, vor allem für unsere Flugzeuge. Wenn wir intervenieren, schwächt das die IDF so sehr, daß wir die Verteidigung des Landes nicht mehr garantieren können.“

„Haben wir nicht alles aus den USA abgezogen, was wir benötigen?“, bohrte der Premier nach.

„Ja, nur deshalb haben wir heute noch funktionierende Panzer und Flugzeuge“, sagte der Verteidigungsminister. „Allerdings gehen die Vorräte und Ersatzteile langsam zu Ende. Unsere Leute sind nicht in der Lage, das nachzubauen.“

„Kann irgend jemand auf der Welt uns helfen?“, fragte der Premier verzweifelt.

„Höchstens China“, erwiderte der Außenminister. „Allerdings sind unsere Beziehungen zu China derart schlecht, daß wir da wohl keine Hilfe erwarten können. Europa ist ein einziges Chaos, da beherrschen lokale Warlords kleine Gebiete, technologisch sind die längst am Ende. Nordamerika wurde von den Rassenunruhen zerstört, die wir dort angezettelt haben. Rußland hat mit sich selbst zu tun, zu Südamerika besteht kaum noch Kontakt, und Afrika ist weitgehend entvölkert.“

„Das ist nur die Hälfte der schlechten Nachrichten“, meldete sich der Bildungsminister. „Die Weltraumtechnik ist komplett ausgefallen, wegen der Schrottdichte bekämen wir selbst dann nichts mehr hoch, wenn noch jemand funktionierende Raketen hätte. Die unterseeischen Glasfaserkabel sind wegen Altersschwäche ausgefallen, nur die alten Telegraphenkabel funktionieren noch. Wir bekommen jedoch kaum noch Nachrichten, da viele unserer Leute die Diaspora verlassen haben.“

„Was ist mit Spitzbergen?“, fragte der Justizminister. „Existiert der genetische Tresor dort noch?“

„Das ist nicht bekannt“, gab der Außenminister zu.

„Wenn wir alles zusammenkratzen, könnten wir ein Unterseeboot hinschicken“, sagte der Verteidigungsminister. „Ohne Waffen könnten wir 30 bis 50 Tonnen Saatgut abholen. Überwasserschiffe sind zu riskant, wenn andere Nationen mitbekommen, daß wir uns den letzten Schatz der Menschheit sichern, räumen die Spitzbergen aus.“

„Zwei Unterseeboote, 100 Tonnen“, schlug der Landwirtschaftsminister vor. „Das wendet die Hungersnot dieses Jahr nicht ab, doch so bauen wir genug Kapazität für das nächste Jahr auf.“

„Wir haben nur noch drei funktionierende deutsche Unterseeboote“, überlegte der Verteidigungsminister. „Wir können alle drei losschicken, damit zwei sicher zurückkommen. Wenn es alle drei schaffen, werden wir am Ende eines ausschlachten müssen.“

„Es geht um die Existenz unseres Volkes“, hielt ihm der Premier vor. „Zwölf Millionen Juden, die überleben müssen, bis die Umweltschäden auf der Erde zurückgegangen sind.“

„Verdammt“, entfuhr es dem Oberrabbiner. „Wir haben diese Welt doch beherrscht! Wir haben gejubelt, als die Gojim verschwunden sind! Warum hat Jahwe uns dafür derart bestraft?“

Diese Frage konnte niemand in der Runde beantworten.

* * *

Zeit: 2050, Ort: Frankfurt am Main, Kaiserliches Kabinett, aufgestiegene Erde

„Majestät, die Nahrungsmittelexporte des Reiches erreichen dieses Jahr ein erneutes Minimum“, begann der Landwirtschaftsminister. „Die Welt ist praktisch in der Lage, sich ohne unsere Hilfe zu ernähren. Unsere Landwirtschaft ist mittlerweile vollständig nachhaltig, seit wir die Terra-Preta-Techniken eingeführt haben.“

„Das sind erfreulich gute Nachrichten“, befand der Kaiser. „Herr Innenminister?“

Der Angesprochene begann seinen Kurzbericht: „Die Bevölkerung des Reiches ist auf 70 Millionen Menschen angewachsen, die Menschen bekommen eifrig Kinder, sie vertrauen in die Zukunft unseres Landes. Elsaß-Lothringen ist vollständig integriert, Böhmen und Mähren sind ins Reich zurückgekehrt, außerdem Teile Polens, der Schweiz und Italiens. Das Reich ist konsolidiert, wir sehen der Zukunft gelassen entgegen.“

Der Minister für Industrie, Technologie und Außenhandel übernahm direkt. „Das Internet ist weltweit wiederhergestellt, wobei allerdings nur im Reich in jedem Haushalt eine 20-Gigabit-Leitung verfügbar ist. Unsere Fernseh-Satelliten übertragen das deutsche Fernsehprogramm weltweit, die jeweiligen Länder haben lokale Kanäle hinzugemietet. Die erdnahen Umlaufbahnen haben wir reserviert, das internationale Abkommen zum Verzicht auf eigene Trägersysteme trägt Früchte. Die Expeditionen zu Mars und Venus werden nächstes Jahr planmäßig stattfinden.“

Der Außenminister vermeldete ein Problem. „Unsere Religion des Weltenschöpfers und der gestaltenden Prinzipien des Baldur und der Ostara trifft auf weltweite Resonanz. Wir können gar nicht so viele Missionare ausbilden, wie weltweit nachgefragt werden. Die Menschheit steht erstmalig vor einer religiösen Einigung.“

„Das liegt daran, daß wir auf unserer neuen Erde eine deutliche Erhöhung der Durchschnittsintelligenz erfahren haben“, erklärte der Bildungsminister. „Nach früheren Maßstäben beträgt der durchschnittliche Intelligenzquotient der Menschheit jetzt zwischen 115 und 120 Punkten.“

* * *

Zeit: 300 Jahre nach der Entrückung, Frankfurt am Main, alte Erde

Es war gefährlich, die alten Städte aufzusuchen. Die Häuser waren inzwischen so instabil, daß sie ohne ersichtlichen Grund zusammenbrachen. Der kleine Trupp wußte das, doch die Männer hatten keine Wahl: Nur in den alten Städten gab es noch Metall, verrostetes Eisen, das in Haufen auf den Straßen herumstand. Diese Haufen sollten einstmals Geisterkutschen gewesen sein, die ohne Pferde dahinrollten.

Das gefahrlos erreichbare Eisen hatten sich schon die Vorfahren geholt, jetzt mußten die Männer weiter in die Trümmerhaufen vordringen. Wofür hatten die Menschen damals so große Häuser gebaut? Manche waren so groß, daß darin das ganze Dorf der Männer hätte Unterkunft finden können. Wofür hatten sie so weit in die Höhe gebaut?

Die Männer langten bei einer Grube an. Yussop, der schon an mehreren Beutegängen teilgenommen hatte, konnte sich nicht an diese Grube erinnern. Sie mußte nach seinem letzten Besuch entstanden sein.

Karle wagte sich ganz nahe an den Rand der Grube, spähte hinunter. Es sah so aus, als erstreckten sich dort unten Gänge, die irgendwo in die Ferne, unter die Häuser führten. Der Einbruch war frisch, noch hatten sich keine Pflanzen angesiedelt. Dort unten schien es trocken zu sein.

„Eisen!“, rief Otto begeistert. „Lange Stücke! Blankes Eisen!“

Eiserne Pfade? Davon hatte Yussop schon mal gehört, von seinem Großvater Mehmet. Diese Pfade sollten früher über Land geführt haben… Das Eisen blinkte verlockend, es gab kaum Rost. Aber war die Grube sicher?

Friedemann traute sich hinunter. Willifred und Slavko sicherten ihn mit einem Seil.

„Eisen!“, rief Willifred hinauf, als er unten anlangte. „Viele, viele Traglasten!“

Yussop entschied, daß sie nicht weiter vordringen sollten. Dort unten wartete ein Schatz auf sie, eine Eisengrube. Hoffentlich reichten ihre Werkzeuge aus, das Eisen in Stücke zu schneiden. Wenn die Grube nicht einstürzte, hätte ihr Dorf Eisen für Jahrzehnte, vielleicht genug, um damit Handel zu treiben.

* * *

Zeit: 300 Jahre nach der Entrückung, Frankfurt am Main, neue Erde

Die Übertragung wurde weltweit empfangen, auch auf den Kolonien auf Mars und Venus. Neben dem Kaiserpalast wurde aus dem Raumfahrtzentrum Friedrichshafen übertragen, und der dritte Schauplatz war die HERMANN OBERTH, in der Erdumlaufbahn.

Die Klarmeldungen aus dem Raumfahrtzentrum und dem Sternenschiff waren eingetroffen, nun war es an Albert II., die letzten Worte zu sprechen.

„Ich grüße die Besatzung der HERMANN OBERTH. Wir alle wünschen Ihnen Glück für Ihren Flug, und Sie nehmen unsere Gedanken und Träume mit hinaus.“

Der Kaiser des Deutschen Reiches war nicht dafür bekannt, daß er lange Reden hielt. Das Reich umfaßte mittlerweile die halbe Erde, zudem gehörten die Kolonien der Menschheit auf Mars und Venus zum Deutschen Reich. Auf der neuen Erde war kein einziger Schuß gefallen, das Wort „Krieg“ wurde kaum noch benutzt. Wer zur technischen Zivilisation gehören wollte, hatte sich schließlich dem Reich angeschlossen.

Mars und Venus waren Welten mit Ozeanen und einer atembaren Atmosphäre. Das Reich hatte sie erschlossen, um die Basis der Menschheit zu erweitern. Die Raumfahrer waren weiter hinausgedrungen, hatten das ganze Sonnensystem erschlossen. Es bestand keine Notwendigkeit, noch weiter vorzudringen, doch der Forscherdrang der Menschen wollte immer wissen, was hinter der nächsten Ecke, dem nächsten Hügel lag.

Die letzte Großtat dieses Forschungsdrangs war die HERMANN OBERTH. Das neue Triebwerk hatte nur ein paar Probeläufe absolviert, heute würde es das erste Mal seine Leistungsfähigkeit beweisen müssen.

„Majestät, ich danke Ihnen für Ihre aufmunternden Worte“, erwiderte Kapitän Wilhelm Frings. Er hatte bisher einen Transporter der Marslinie kommandiert. Militär gab es auf der neuen Erde nicht mehr. In der Anfangszeit des Reiches hatte es ein Wachbataillon gegeben, das Ehrenformationen stellte, doch davon war man abgekommen. Selbst für Paraden war Militär überflüssig.

Der Kaiser hatte eine Uhr vor Augen. Was so ungezwungen und spontan wirkte, folgte einem genauen Zeitplan. Die Raumfahrt war nicht mehr zeitkritisch, die Schauberger-Antriebe erlaubten einen Flug, bei dem es auf Startfenster und Kursberechnungen nicht ankam. Für die HERMANN OBERTH hatte man jedoch einen Zeitplan festgelegt.

„Herr Kapitän, ich erteile Ihnen Startfreigabe! Allzeit guten Flug!“

Kapitän Frings legte unauffällig einen Schalter um, der das Schiff an die Computersteuerung übergab. Er salutierte für das Fernsehen. „Zu Befehl, Majestät! Fertigmachen zum Start!“

Der Kapitän nahm im Kommandantensessel Platz. „Klar zum Start! Drei – Zwei – Eins – Start!“

Die schiffseigene Gravitation ließ keinen Andruck durchkommen. Fünfzigfache Erdbeschleunigung ließ das Schiff hinausrasen, über die Ekliptik steigen. 15 Minuten später überschritt das Schiff die 200.000 Kilometer Entfernung von der Erde. Das war die sichere Distanz, welche die Wissenschaftler für den neuen Antrieb errechnet hatten.

Kapitän Frings verfolgte, wie die Zeituhr herunterzählte. Unwillkürlich spannte er seine Muskeln an, so wie jeder andere der zwölfköpfigen Besatzung. Von einer Sekunde zur anderen verschoben sich die Sterne auf dem Bildschirm. Dort zeichnete sich jetzt ein roter Zwergstern ab, das Ziel des Sprungs.

Die Erde erfaßte nur, daß die HERMANN OBERTH verschwand. Laut den Berechnungen sollte das Schiff gute vier Lichtjahre zurücklegen, nach Proxima Centauri, dem erdnächsten Stern, um den womöglich ein bewohnbarer Planet kreiste.

Ob die Mission erfolgreich war, würde man in drei Monaten wissen. Dann sollte das erste Sternenschiff der Menschheit zurückkehren.

© Michael Winkler

Dieser Text ist der 623. Pranger. Seine Kollegen stehen im geschützten Archiv nur einige sind frei zugänglich. Was Ihnen entgeht, sehen Sie in dieser Liste und in jener. Falls Sie das überzeugt - hier lesen Sie, was Sie ein Paßwort kostet. Aber vielleicht kann ich Sie ja auch für meine Bücher begeistern:

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Erschienen 2013
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